Bild Information: Andreas Dorsch (Foto: Martin Joppen)

"Corona wird auch Golf verändern"

Interview
 

Interview mit GMVD- und Leading-Geschäftsführer Andreas Dorsch.

Werden wir bald Golfer mit Schutzmasken auf den Plätzen sehen? Wir haben mit Andreas Dorsch, Geschäftsführer des Golf Management Verbands Deutschland (GMVD) und der Leading Golf Clubs of Germany, über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Golf in Deutschland gesprochen.

Golf.de: Herr Dorsch, die Corona-Krise hat auch die Golf-Branche fest im Griff. Welche Sparten trifft es am härtesten?
Andreas Dorsch: Am härtesten trifft es sicher die Golfschulen und Golflehrer, die derzeit einem Berufsverbot unterliegen und keinen physischen Unterricht geben können. Dazu die Golf-Gastronomie, die durch die angeordneten Schließungen ebenfalls sehr direkt von der Corona-Krise betroffen ist. Und sicherlich auch die Golf-Shops, in denen aktuell ebenfalls kein Betrieb stattfindet und somit kein Umsatz generiert werden kann. Das sind drei Sparten, die von der Situation, wie wir sie derzeit haben, am direktesten in unseren Golfclubs betroffen sind. Etwas weniger hart trifft es im Moment noch die Clubs und die Betreiber. Die Jahresbeiträge sind eingezogen, somit besteht in den meisten Fällen eine gute Liquidität, mit der eine gewisse Zeit zu überbrücken sein sollte. Auch Mitarbeiter der Verwaltung oder des Managements trifft es zunächst weniger. In dieser Zwangspause gibt es auch für Angestellte viele Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Auch wenn aktuell kein Golfbetrieb stattfinden kann.

Wie können Clubs und Betreiber die Zeit ohne Golfspiel sinnvoll nutzen? Was muss in diesen Tagen getan werden, um die Krise einigermaßen schadlos zu überstehen?
A.D.: An und auf Golfanlagen gibt es immer etwas Sinnvolles zu tun. Mancherorts werden jetzt Projekte angegangen, die in der vergangenen Zeit etwas zu kurz gekommen oder ganz liegengeblieben sind. Ich denke da für die Verwaltung zum Beispiel an die Bearbeitung der Mitgliederdaten oder die interne und externe Kommunikation in Wort, Bild und Film über die Club-Homepage, Newsletter und über die sozialen Medien. Einige Clubs leisten da tolle Arbeit, um Mitglieder und Gäste auf dem Laufenden zu halten. Aktive Information schafft Transparenz und Verständnis für die angespannte Situation, in der wir uns alle momentan befinden. Wichtige Themen sind in diesen Tagen auch das Greenkeeping, das ja weitergehen muss, um die Anlagen in Schuss zu halten. Darüber hinaus können hier und da Pflanzungen vorgenommen, Leitungen verlegt, Wege gesandet oder am Platz Optimierungen umgesetzt werden. Auch die Verbesserung des Brandschutzes auf unseren Golfanlagen in Zeiten des zunehmenden Einsatzes von Lithium-Ionen-Batterien ist stets aktuell. Nach den sehr trockenen Jahren 2018 und 2019 ist das Thema Wassermanagement ebenfalls nach wie vor sehr wichtig und mit zukunftsbestimmend. Clubs können sich im Moment vielleicht aktiver als sonst damit befassen, wie sie sich für die Herausforderungen der Zukunft aufstellen und rüsten. Stichwort Arbeits- und Prozessoptimierung. Und durch Corona wird es sicher auch im Bereich der Hygienemaßnahmen neue Aufgaben und Routinen für die Zeit danach geben, die man vor dem Ausbruch der Pandemie so noch nicht berücksichtigt hat.



Stimmt es, dass einige Clubs Ausnahmeregelungen beantragt haben, um doch wieder Golfer trotz Sportstättensperre auf den Platz schicken zu dürfen?
A.D.: Ja, da gab es hier und da Bestrebungen. Ich verstehe die Anlagen, die derzeit einem enormen wirtschaftlichen Druck ausgesetzt sind. Aber wir müssen uns als Golf-Community gerade jetzt solidarisch zeigen und ein Signal setzen. Auch die Golfer halten sich an die strengen Auflagen von oberster Stelle, die ich im Übrigen für dringend notwendig erachte und die keinen Interpretationsspielraum zulassen, wenn wir sehen, was in Norditalien, also nicht weit weg von Bayern, aktuell passiert. Man sollte Abstand davon nehmen, eine Sondergenehmigung für Golf zu erwirken. Wir alle sollten die Füße bis Ostern, konkret bis 19. April, erst einmal still halten. Nicht nur zum Wohle des Golfsports, dessen Image in Deutschland ohnehin nicht das beste ist, sondern auch aus Solidarität und im Sinne der Gesundheit der Gesamtbevölkerung und der Risikogruppen, die wir im Golf ja auch zum großen Teil haben. Wir wissen doch alle, wie schnell es gehen kann, dass der Ruf von Golf in der Öffentlichkeit Schaden nimmt. Das ist für die Boulevard-Presse ein gefundenes Fressen, wenn Golfer plötzlich wieder spielen, Tennisspieler oder Fußballer aber noch warten müssen. Beim Tennis könnte man auch sagen, das muss möglich sein, weil ja ein Netz dazwischen und der Abstand groß genug ist. Nein, wenn man einmal damit anfängt, löst man eine Lawine aus. Und das will bei all den Problemen, die wir im Moment haben und von denen keiner weiß, wohin sie sich noch entwickeln werden, niemand.

Handschlag nach der Runde, Fahne bedienen, Scorekarten austauschen - was wird sich in Sachen Hygiene nach Corona ändern? Wird auch Golf anders sein als vorher?
A.D.: Das Leben ändert sich doch ständig. Wer auf dem Markt erfolgreich sein möchte, muss immer flexibel sein und sich neuen Herausforderungen stellen. Die Corona-Krise wird sicher auch Golf in irgendeiner Weise verändern. Die Frage ist doch, wie wir damit umgehen. Mutig und innovativ oder ängstlich und phlegmatisch. Ich bin mir sicher, dass wir beispielsweise in den Sekretariaten, wo Mitarbeiter sich um Gäste und Mitglieder kümmern, eine Art Sicherheitsabstand bekommen, wie man das aktuell schon im Handel beobachten kann. Oder ob und wo man sinnvoll Dispenser für Desinfektionsmittel aufstellen kann. Es war im Übrigen schon vor Corona angebracht, seinen Ball und seine Hände nach gelochtem Putt zu reinigen, weil er beim Roll übers Grün eventuell Spuren von Dünger auf seiner Oberfläche haben kann. Es wird ein anderes Bewusstsein bei diesen Themen geben und es werden sich neue Routinen einspielen müssen. Vielleicht ist es bei Turnieren künftig sinnvoller, statt einem üblichen Startgeschenk ein Handantiseptikum auszugeben. Für diese Thematik wird durch Corona sicher ein neues Bewusstsein entstehen, auch auf den Golfanlagen. Ich halte übrigens ein höfliches Anlächeln statt eines Handschlags nach der Runde sowieso für die angemessenere Geste. Es wird sicher zu gegebener Zeit eine Art Übersicht oder Aushang mit empfohlenen Verhaltensregeln im Miteinander auf Golfanlagen geben. Da ist der Deutsche Golf Verband als Dachverband unser entscheidendes Organ.

"Alleingänge von Clubs oder Anlagen bringen nichts"

Sie hatten vor einigen Wochen mehr im Spaß vorgeschlagen, 1er-Flights mit 20 Minuten Abstand rauszuschicken. Ein denkbarer Anfang für Tag eins nach der Wiedereröffnung oder gibt es schon weitere Ideen diesbezüglich, quasi eine Art Exit-Strategie für Golf in Deutschland?
A.D.: So schnell kann aus Spaß Ernst werden. Nein, der Betrieb wird meiner Meinung nach zunächst in limitiertem Umfang weitergehen. Es ist denkbar, dass es für eine gewisse Zeit maximal 2er-Flights geben kann, wobei der Mitspieler der Lebenspartner oder eine Person aus der Familie sein kann, also keine fremde Person. Die Gruppen könnten nicht im Sechs- oder Acht-Minuten-Takt, sondern alle zehn Minuten an den Abschlag gehen. Von vielen Szenarios, die wir vor zwei Monaten noch für undenkbar gehalten hatten, sind wir derzeit gar nicht mehr so weit weg. Im Moment ist es aber noch zu früh, bezüglich einer Exit-Strategie konkret zu werden. Und wenn es dann wirklich so weit ist, gilt auch in dieser Frage zu befolgen, welche Reglements und Handlungsempfehlungen seitens des Deutschen Golf Verbandes, mit dem wir im engen Kontakt stehen, kommen. Das sollte dann gemeinschaftlich für alle gelten, denn ich glaube nicht, dass Alleingänge von einzelnen Golfclubs oder -anlagen in irgendeiner Weise dem gesamten deutschen Golfmarkt dienlich sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

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