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'Warum nicht quer durch ein Land golfen?'

Panorama
 

Die Geschichte des Golf-Weltrekordlers Adam Rolston, der mit Caddie Ron Rutland in 82 Tagen durch die Mongolei golft.

Jeder Golfer kennt das Momentum, das ein erfolgreicher Putt auslöst. Der Ball fällt ins Loch und Glücksgefühle kommen auf. Bei Adam Rolston gab es vor rund zwei Jahren einen ganz besonderen Putt, der wohl weitaus mehr Glückshormone ausgelöst hat als viele andere erfolgreiche Schläge auf dem Putting-Grün. Im Mt. Bogd Golf Club in Ulaanbataar lochte der Nordire damals unter ganz besonderen Umständen ein. Über 14.000 Schläge waren vorausgegangen, bevor Rolston damals den Golfball in der Hauptstadt der Mongolei mit dem zweiten Putt versenkt hatte. In dem Dokumentarfilm "The Longest Hole", der im Rahmen der European Outdoor Film Tour (E.O.F.T.) gezeigt wird und in München jüngst seine Premiere feierte, ist Rolstons Erleichterung eindrucksvoll in Bildern zu sehen. 82 Tage Golfen nonstop quer durch die Mongolei über mehr als 2.000 Kilometer haben bei Rolston und seinem Caddie Ron Rutland Spuren hinterlassen./""

Rolston sitzt in der Lobby eines Münchner Hotels und erinnert sich an diesen historischen Moment, der ihm und seinem Partner den Weltrekord des längsten jemals gespielten Golflochs einbrachte. "Ich habe drei Monate lang daran gedacht, keine drei Putts zu benötigen", sagt der Nordire. Der heute 30-Jährige und sein 44-jähriger Caddie aus Südafrika haben im östlichen Teil Zentralasiens ein irres Abenteuer mit schwierigsten Witterungsbedingungen und körperlichen sowie mentalen Anstrengungen hinter sich.

Über 100 Kilogramm schwerer Gepäck-Karren und 135 verlorene Bälle

Eine Geschichte, die in der Jugendzeit Rolstons ihren Anfang genommen und 2017 zur Vollendung gebracht wurde. Gemeinsam mit seinem Bruder hatte Rolston einst an der Küste Nordirlands Golfbälle über fünf bis sechs Kilometer Länge den Strand entlang geschlagen. Mit 16 Jahren begann Rolston in Portrush und in Portstewart das Golfen. Die Idee für den Weltrekord-Versuch wurde vor ein paar Jahren zusammen mit Rutland, den er aus seiner Zeit als Rugby-Profi kannte, geboren. "Warum muss Golf auf 18 Löcher begrenzt sein? Und warum kann man Golf nicht quer durch ein Land spielen?", sagt der in Hongkong lebende Europäer.

Die Expedition in der Mongolei wurde geboren. Nachdem das Golfloch in der mongolischen Hauptstadt von der European Tour, PGA Tour und der R&A abgesegnet wurde, starteten die Cross-Golfer am 28. Juni 2017 im westlichsten Teil der Mongolei im Khuiten Peaks Base Camp an der Grenze zu China. Nach Anlaufschwierigkeiten - der Ball nach dem ersten Schlag ging gleich verloren, so dass Rolston ein zweites Mal zum Driver greifen musste - startete die Reise quer durch das Land. Während Rolston die Bälle schlug, kümmerte sich sein Partner darum, den über 100 Kilogramm wiegenden Karren mit dem Gepäck zu ziehen. Rolston schlug meist über seinen ungefähr 100 Meter entfernt stehenden Caddy hinweg, der auf dem teils unübersichtlichen Terrain in der Wildnis genau die Lage des Balles beobachtete. Nicht immer gelang es, das Spielgerät zu orten. 135 Bälle verlor das Team bei ihrer Reise. Rolston musste auf seiner eigens eingerichteten App, die einen Schlag per Knopfdruck registrierte und per GPS-Signal mit dem Standort weiterleitete, oftmals die Taste "Ballverlust" betätigen.

 

 

Wechselbad der Gefühle und wilder Hund als Wegbegleiter

"Das Gefühl, nicht zu wissen, ob wir das Projekt überhaupt beenden werden können, war am Anfang sehr hart", beschreibt der Nordire. Golfen bei Schnee und eine knappe Woche lang bei 40 Grad Celsius in der Wüste kosteten Kraft und Nerven. Willkommene schöne Abwechslungen wie Baden in abgelegenen Flüssen vor beeindruckender Naturkulisse waren selten, aber wertvoll für die Psyche. Ebenso die Kontakte zu den ob der Aktion verdutzten Einheimischen mit ihren ganz eigenen Bräuchen und Kulturen. "Die harten Zeiten haben die guten Zeiten besser gemacht", beschreibt Rolston das Wechselbad der Gefühle.

Vor allem der wilde Hund, der den beiden Abenteurern nach den ersten 60 Kilometern zugelaufen war und fortan als treuer Begleiter folgte, sorgte beim Duo für gelegentliche Meinungsverschiedenheiten. UB, wie Rolston den schwarzen Vierbeiner nach dem Zielort des Projekts genannt hatte, wurde zum Streitthema und trübte das Betriebsklima des Duos einige Male etwas. Während Rutland nicht bereit war, auch noch zusätzlich Essen für den Hund auf dem schweren Karren zu transportieren, fand Rolston in UB einen neuen Freund. Einen liebgewonnenen Weggefährten, der es ihm auch nicht verübelte, als der Golfer den Hund einmal mit einem Schlag versehentlich erwischte und verletzte.

Happy End in Ulaanbataar

Abgesehen von der Tatsache, dass Rolston UB am Zielort wehmütig zur Betreuung abgeben musste, endete die Expedition nach 82 anstrengenden Tagen quer durch das Land in Ulaanbataar mit zahlreichen Erlebnissen schließlich doch mit einem Happy End. "Ich habe tagelang Golf in der Wildnis gespielt. Es war eine coole Erfahrung, die ich in der Natur machen konnte. Ein schöner Weg, um ein Land kennenzulernen. Ich plane, so etwas noch einmal zu machen, wenn dann vielleicht auch woanders und etwas kürzer", sagte der Golf-Weltrekordhalter.

The Longest Hole im Rahmen der E.O.F.T. 2019 Von einmalig bis verrückt: Weltrekorde im Golf

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