Bild Information: Rekordverdächtig: 20.093 Schläge für ein Par 14.000

Von einmalig bis verrückt: Weltrekorde im Golf

Panorama
 

20.093 Schläge für ein Par 14.000, unter 28 Sekunden für ein Par 5, Stephan Jägers' 58 und ein Driver mit 7,65 Meter Länge. Heldentaten, die in die Geschichte eingingen.

Das längste Golfloch der Welt - Par 14.000

80 Tage war Adam Rolston mit seinem Caddie unterwegs, nun hat der ehemalige Rugby-Spieler das längste Golfloch der Welt absolviert. Zu Beginn posierte das Duo vor einem großen Plane mit blauer und weißer Aufschrift. "The Longest Hole. 1. Par 14.000". Vom westlichsten Punkt der Mongolei ging es auf die Ein-Loch-Reise. Auf den folgenden 1.850 Kilometern benötigte der Nordire lediglich 20.093 Schläge und blieb auf dem Par-14.000-Loch am Ende doch deutlich über Platzstandard. Rolston verlor weniger als 150 Bälle von den 400, die er mitgenommen hatte, obwohl er über Eis, Steppe und Geröll spielen musste. Auf dem 18. Grün des Bogd Golf Club in Ulaanbaatar endete die Reise mit einem kurzen Putt.

"Es war wahnsinnig toll und es wahr hart. Man kann es mit Rugby vergleichen. Man genießt nicht jede Minute, aber wenn man zurückblickt, genießt man die harten Sachen im Leben", so der ehemalige Rugby-Spieler am Ende seiner Reise. Dieser Versuch wird es höchstwahrscheinlich ins Buch der Weltrekorde schaffen.

Die längsten Putts auf der Tour

Erst im September 2019 ereignete sich auf der US PGA Tour eine neue Besonderheit. Kevin Na gewann mit der Shriners Hospitals For Children Open seinen vierten Tour-Titel im Stechen. Okay. Mit einer Summe an gelochten Putts von 588 Feet. D.h. die Putts, die er in den Löchern verschwinden ließ, maßen insgesamt umgerechnet ziemlich genau 180 Meter. Über was alles Buch geführt wird…

Das schnellste Loch

Eine Gruppe von französischen Tour-Pros stellte im Rahmen der Open de España 2016 im Real Club Valderrama einen Weltrekord für das schnellste Par 5 mit vier Spielern auf. Bedingung war, die Spielbahn muss mindestens 460 Meter lang sein. Mit 34 Sekunden legte das Team um Alexander Levy, Romain Wattel, Grégory Havret und Raphaël Jacquelin eine Bestmarke. Der Rekord hielt allerdings nur ein Kalenderjahr. Zur Turkish Airlines Open 2017 im Regnum Carya Resort & Spa stellten sich drei neue Teams der Herausforderung, ein Par 5 auf schnellstem Weg zu bezwingen. Nach nur 32,8 Sekunden versenkten die Männer aus England mit Matthew Fitzpatrick, Tyrrell Hatton, Ian Poulter und Matthew Southgate den Ball im Loch.

Und dieser englische Rekord hielt wiederum nur bis Februar 2018. Vier PGA-Tour-Neulinge, darunter der Münchner Stephan Jäger, knackten im Palm Desert Country Club den Rekord. Tom Lovelady, Lanto Griffin und Andrew Yun komplettierten das Team. Bereits der erste Versuch gelang. Sie benötigten nur 30,1 Sekunden für das kurze Par 5. Doch das war den Youngsters nicht genug. Es sollte noch tiefer gehen. Nach zwei Fehlversuchen folgte der vierte und entscheidende Durchgang. Stephan Jäger lochte zum Weltrekord. Die Uhr zählte bis dahin nur 27,88 Sekunden. Damit dürfen sich die PGA-Tour-Rookies offiziell Weltrekordhalter nennen. Mindestens bis zum nächsten offiziellen Versuch.

Es gibt aber auch ganz andere Zahlen zwischen Himmel und Golfplatz, die mag man einfach nicht so recht glauben - wie die 38 unter Par in einer Runde inklusive elf Asse (!), die Ausnahmegolfer Kim Jong Il laut nordkoreanischem Informationsministerium 1994 auf einem 18-Löcher-Platz außerhalb der Hauptstadt Pjöngjang erzielt haben soll.

Und dann gibt es noch solch überirdische Zahlen wie die Longest-Drive-Geschichten aus dem All, die zurzeit von Kosmonaut Michail Tjurin und seinem Eisen-6-Hieb von der Raumstation ISS aus angeführt werden, der den Ball angeblich 48 Mal die Erdumlaufbahn umrunden ließ (Quelle: NASA).

Die Welt? Ein Schläger ist genug...

Interessanter, weil realitätsnäher, wird es schon bei Glanztaten wie der 81 vom ehemaligen Masters-Champion Bubba Watson, die er im Oktober 2013 im Pelican Hill Golf Club schoß - unter Verwendung eines einzigen Schlägers: einem Hybrid mit 20 Grad Loft. Dass die Reduzierung der mitgeführten Schlägerbatterie gegen Langeweile am Stock und für eine Verbesserung der Vielseitigkeit des Golfers selbst sorgt, ist nicht erst seit den zurecht beliebten Holz-Eisen-Putter-Turnieren bekannt. Diverse Golflegenden - von Nicklaus über Palmer bis Player - verfeinerten ihre Fertigkeiten auf Trainingsrunden mit nur einem mitgeführten Schläger.

Allerdings sind auch Runden unter Par mit einem einzigen Schläger möglich, wie Thad Daber bereits 1987 mit seinem einsamen Eisen 6 auf dem Par-72-Platz des Lochmere GC in North Carolina bewies und mit seiner 70er Runde die One-Club Golf World Championship gewann. Doch nicht immer erschließt sich der Sinn eines golferischen Vorhabens ohne Weiteres auf den ersten Blick. 

Furman kann's am längsten

Der Rekordbrecher aus den USA, Ashrita Furman, spielt selbst kein Golf. Der Amerikaner beschäftigt sich mit Weltrekorden - aller Art. Furman hat bereits knapp 600 Weltrekorde aufgestellt. Er hatte 2010 die meiste Geduld. Sicherlich gehört zu dieser Disziplin nicht nur Geduld, sondern auch ein klein bisschen Können und Durchhaltevermögen. Furman stellte sich der Aufgabe, den Ball möglichst lange mit einem Schläger in der Luft zu halten. Der US-Amerikaner entschied sich für das Wilson Sandy Andy Wedge und jonglierte den Ball ganze 80 Minuten und 42 Sekunden - Chapeau!

Furman kann es übrigens nicht nur am längsten, sondern auch mit dem Längsten. Im April 2016 brach er erneut den Weltrekord "der längste Golfschläger der Welt". Er liefert sich seit einigen Jahren einen harten Kampf um diesen Titel mit seinem Landsmann Michael Furrh (6,87 m). Die Kunst war dabei nicht nur, den längsten Schläger in der Hand zu halten, sondern auch zu beweisen, dass der Schläger (theoretisch) für einen Abschlag tauglich ist. Furman tat genau dies und schaffte es mit seinem 7,65 Meter langen Driver ins Guinness-Buch der Rekorde. Die dabei erreichte Schlagweite ging nicht in die Wertung ein. 

Richtig tief: Die magische 59 ist eine 55

Al Geiberger hat es 1977 getan, Annika Sörenstam 2001, Stuart Appleby 2010 - und seit der zweiten Runde der BMW Championship 2013 gehört auch Jim Furyk zum elitären Kreis derer, die eine 59 in einem offiziellen Tour-Turnier einreichen konnten.

Doch wie wir alle wissen, geht es immer noch niedriger. Jason Bohn brachte 2001 auf der Mackenzie Tour eine 58 ins Clubhaus. Der damals 18-jährige japanische Jungstar Ryo Ishikawa vollbrachte es 2010 auf der Japan Golf Tour, eine 58 samt zwölf Birdies zu erspielen. Der Deutsche Stephan Jäger vollbrachte das Kunststück im Juli 2016. Mit ebenfalls zwölf Birdies und einer 58er Runde bei der Ellie Mae Classic trug sich Jäger in die Geschichtsbücher ein. Es ist das niedrigste eingereichte Rundenergebnis im Rahmen einer der erstklassigen Ligen des Golfsports.

Die beste bestätigte Golfrunde auf einem vollwertigen Meisterschaftsplatz aber gelang dem australischen Pro Rhein Gibson auf den 6.125 Meter messenden Bahnen des River Oaks GC in Oklahoma, den er aus seiner College-Zeit sehr gut kennt. "Ich war auf den Schlusslöchern eigentlich nicht nervös und wusste, dass es ein Score in den 50ern werden würde. Alle Putts waren Mitte Loch, ob aus zehn oder aus zwei Metern. Bei einem Meter-Putt, der darüber entscheidet, ob ich den Cut schaffe oder nicht, bin ich nervöser." Zur Scorekarte der Traumrunde von 55 Schlägen.

Eigentlich lief es einfach nur gut für Chapchai Nirat aus Thailand, als er bei der Sail Open 2009 (Asian Tour) im indischen Gurgaon das Turnier als Bester abschloss und die 300.000 US-Dollar Siegprämie einstrich. Dass er nebenbei mit seinen Rundenergebnissen von 62, 62, 65 und zugegebenermaßen nahezu unterirdischen 67 einen Weltrekord brach, wurde erst nach einiger Addition deutlich. Denn die Tagesergebnisse des 25-Jährigen summierten sich auf den absoluten Bestwert von 32 Schläge unter Par. Genau einen Schlag weniger als Ernie Els im Jahr 2003 benötigte, als er den Plantation Course des Kapalua Resorts auf Maui beim Tournament of Champions der PGA Tour auseinander nahm. 

Wenn Länge doch alles ist

Die Königsdisziplin der Golfrekorde ist trotz aller entgegenstehender Weisheiten wohl der Longdrive, nimmt man alle möglichen Bestweiten zusammen, die jemals vom Tee erreicht worden sein sollen. Doch es gibt durchaus eine Möglichkeit, den Längsten unter den Langen zu ermitteln, was die Long Drivers of America auch jedes Jahr tun. Dabei geht es nicht nur um Spitzenweiten, sondern auch um Wiederholbarkeit - ein glücklicher Flyer mit ewigem Ausrollen auf einem Cartweg oder gar einer Landebahn zählt hier nicht, sondern: Weite bei konstanten Bedingungen. Vergangenes Jahr traf es Tim Burke aus Orlando am besten und mit seinem Abschlag von 390,5 Metern am weitesten.

Doch während dieses sehr amerikanische Spektakel die schiere Länge feiert, wird in Schottland lieber nach Bestleistungen am Putter gestrebt. So soll der wenig später siegreiche Bobby Jones in der ersten Runde der Open Championship 1927 (Preisgeld für seinen Major-Sieg: 75 Pfund!) die großen Grüns des Old Course in St. Andrews voll ausgenutzt und einen mindestens 30 Meter langen Putt auf Bahn 5 gelocht haben - Rekord für ein Major-Turnier. Leider waren wir nicht dabei und konnten Maß nehmen. Doch 1976 ließ sich schon deutlich präziser feststellen, dass es recht genau 43 Meter Putt-Distanz waren, die Bob Cooks Ball über die ganz große Bühne des 18. Lochs neben dem R&A-Clubhaus in St. Andrews rollte, bis er zum krönenden Abschluss eines internationalen Pro-Ams im Loch verschwand.

Noch länger trieb es nur Fergus Muir auf dem Eden Course, ebenfalls in St. Andrews, und zwar linkstypisch unter dem Wind. Mit seinem gereiften Hickory-Putter schlug der 66-jährige Schotte auf dem Par 3 der Fünf ab - und lochte seinen Putt über 125 Meter buckeliges Fairway und Grün zum Ass. Eine etwas höhere Flugbahn wählte hingegen Shaun Lynch im Jahr 1955 für seinen Versuch vom achten Tee des Teign Valley GC im englischen Christow: Sein Hieb mit dem Eisen 3 überflog eine sechs Meter hohe Hecke des linksführenden Par-5-Doglegs und erreichte dank des natürlichen Gefälles das eigentlich 450 Meter entfernte Grün. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass der Ball dann auch noch zum Par-5-Ass den Fahnenstock küsste. 

Golf im Jet-Zeitalter

Auch das noch, obwohl die rekordverdächtigen Plätze des Golfsports hier nur eigenartige Randerscheinung sein sollen: Der Golfplatz The Green Zone liegt auf kleinen Halbinseln in Finnland. Und in Schweden. Clubhaus, Driving Range und fünf der 18 Spielbahnen liegen am südöstlichen Ufer des Grenzflusses Tornionjoki, die restlichen 13 auf schwedischer Seite. Der Abschlag des Par 3 der Sechs befindet sich damit in einer anderen Zeitzone als sein Grün, was interessanterweise dazu führen kann, dass der Ball eine Stunde vor dem Schlag vom Tee auf das Grün niedergeht - oder gar am vorigen Tag. Denn der Platz kann während des nordischen Hochsommers auch nachts bei Tageslicht bespielt werden. Ein Ass wäre hier also ein unvergessliches Erlebnis in mehreren Dimensionen.

Noch ungewöhnlicher wird es nur in Thailand, wo der vermutlich am seltsamsten lokalisierte Golfplatz der Welt liegt. Der von der Royal Thai Air Force angelegte 18-Löcher-Kurs des Kantarat GC liegt samt Clubhaus zwischen Start- und Landebahn mitten auf dem Don Mueang International Airport bei Bangkok und damit nicht eben in Waldesruhe. Wer hier spielen will (Greenfee 620 thailändische Baht, dienstags geschlossen), muss sein Golfgepäck auf Boden-Luft-Raketen durchleuchten lassen. Und Sie sollten natürlich wissen, wie man bei all dem kerosingeschwängerten Lärm Fore! auf Thailändisch schrei(b)t - schwungvoll nämlich.

The Longest Hole: Ein Film über zwei Männer, die quer durch die Mongolei Golf spielen

Anhänge

Anzeige
Anzeige
Handicap Papa muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen Handicap Papa muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen

Handicap Papa

Die Geister, die ich rief

Handicap-Papa-Kolumnist muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen - sehr zu...

weiterlesen
Bernd Karbacher am Abschlag. (Photo: Thomas Kirmaier) Bernd Karbacher am Abschlag. (Photo: Thomas Kirmaier)

Eine Runde mit - Bernd...

"Langers Konstanz ist sensatione...

Golfende Profis anderer Sportarten und bekannte Persönlichkeiten im Porträt b...

weiterlesen
Foto einer jungen Golferin (Photo by Doubletree Studio/Shutterstock) Foto einer jungen Golferin (Photo by Doubletree Studio/Shutterstock)

Panorama

Elfjährige mit Ass, Albatross un...

Eine junge Brasilianerin spielt die Runde ihres Lebens.

weiterlesen
Der Spielort für die Golfwettkämpfe bei Olympia 2020 in Tokio steht auf dem Prüfstand. (Photo by Scott Halleran/Getty Images) Der Spielort für die Golfwettkämpfe bei Olympia 2020 in Tokio steht auf dem Prüfstand. (Photo by Scott Halleran/Getty Images)

Olympia 2020

Wegen Hitze: Neuer Spielort für ...

Heiße Diskussion über den Austragungsort der Golfwettbewerbe bei Olympia 2020...

weiterlesen