Bild Information: Valentino Dixon und sein rettendes Gemälde (David Duprey/AP)

"Golf hat mir das Leben gerettet"

Panorama
 

Valentino Dixon wird nach 27 Jahren unschuldig aus dem Gefängnis entlassen.

Valentino Dixon ist ein Künstler. Er hat mit dem Zeichnen begonnen als er drei Jahre alt war. Nach einem tragischen Zwischenfall und einer unglaublichen Verkettung von Umständen landete Dixon im Gefängnis. Das Urteil lautete lebenslänglich. Das Schlimmste: Er saß unschuldig hinter Gittern. Erst sein künstlerisches Talent und Nachforschungen des amerikanischen Golf Digest brachten Dixon wieder auf freien Fuß. Aber von Anfang.

Valentino Dixon besuchte als Teenager eine Kunstschule, fing aber schon früh an, mit Drogen in Kontakt zu kommen - sowohl als Konsument als auch als Dealer; Letzteres um dem Lebensunterhalt für sich und seine kleine Tochter zu verdienen. Er trug oft eine Waffe. So auch in der Nacht vom 10. August 1991.

"Ich wollte nicht sterben"

"Ich war in einem Fast-Food-Restaurant unterwegs", das häufig Anlaufpunkt von streitlustigen Jugendlichen war. Auch in dieser Nacht gab es eine Schlägerei, die sich in einen Schusswechsel verwandelte. "Ich bin sofort in mein Auto gestiegen und habe den Tatort verlassen. Ich wollte nicht sterben", sagte er. "Ich wollte nichts damit zu tun haben.“ Es wurden vier Personen erschossen, einer von ihnen war Torriano Jackson (17)."

"Kurz darauf wurde ich in meinem Auto angehalten und zur Befragung mitgenommen", erinnerte sich Dixon im Gespräch mit Golf Digest. "Das Nächste was ich weiß, ist, dass ich wegen Mordes angeklagt war." Er konnte nicht glauben, wie ihm geschieht. Seine Hoffnung lag aber auf den Augenzeugenberichten.

Der Fall ging 1992 vor Gericht. Dixon hoffte, dass die Ermittlungen seinen Namen reinwaschen würde. Aber dem war nicht so. Der Staatsanwalt klagte zwei Zeugen wegen Meineid an, weil sie - trotz einer anderen Aussage während der ersten Befragungen - gesagt haben, dass Dixon das Verbrechen nicht begangen hätte. Diese Vorgehensweise machte Eindruck bei den weiteren Zeugen und verhinderte weitere Aussagen.

"Die Jury hat mich für schuldig befunden. Sie gaben mir 38 Jahre." Verurteilt. Unschuldig.

"Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nie zu dem fähig gewesen wäre, was sie mir vorwarfen. Das tat sehr weh", beschrieb der US-Amerikaner. "Ich meine, Mord ist das Schlimmste auf der Welt, wofür man eine Person verantwortlich machen kann. Es gibt nichts Schlimmeres."

Der Weg aus der Depression

Nach anfänglicher Depressionen und Antriebslosigkeit raffte sich Dixon auf, und versuchte in der Gefängnisbibliothek sein Verfahren aufzuarbeiten und machte sich auf die Suche nach Fehlern der Richter und Anwälte. Ohne Erfolg.

Eines Tages erhielt er ein Paket von seinem Onkel. Darin Buntstifte und Papier. Eines Tages fing Dixon an, zu zeichnen. Von afrikanischer Kunst, abstrakter Kunst, bis zu Landschaften versuchte er sich an allem. "Es wurde eine Sucht“, sagte Dixon. "Ich konnte nicht mehr aufhören."

Sein Onkel fragte eines Tages, ob er ihm seinen Lieblingsgolfplatz malen könne. Dixon reagierte nur mit einem "Ja, klar. Kann ich. Es ist ja nur eine Landschaft und eine Flagge, also warum nicht?" Der Aufseher brachte ihm ein Foto als Vorlage: Es war Augusta. "Ich glaube es war die 12", erinnerte sich Dixon. Sein Onkel liebte das Bild. Sogar die Zellengenossen forderten ihn auf, mehr Golfplätze zu zeichnen.

Neben dem Zeichnen, begann Dixon auch Golfmagazine zu lesen. Er entdeckte im Golf Digest die Kolumne "Golf rettete mein Leben". Dort wurde beschrieben, wie Menschen, Golf nutzten, um eine harte Zeit im Leben zu überstehen. "Ich machte mir Gedanken und stellte fest, Golf rettete mir das Leben." Er schrieb einen Brief an den Kolumnisten Max Adler. Dort erklärte er, was ihm passiert war und dass er unschuldig sei. Außerdem fügte er eine kleine Zeichnung bei. "Es war ein Golfplatz, der von herbstlichen Bäumen umgeben war“, sagte Adler. "Es war so unglaublich detailreich gezeichnet. Das war wahre Kunst."

Anfang 2012 besuchte Adler Dixon erstmals im Gefängnis. Zuerst dachte er, dass es in der Geschichte um Dixons Kunsttalent geht, nicht um seine Unschuld. "Ich betrat das Gefängnis mit einigen ernsthaften Zweifeln und einigen Fragen zu der Geschichte, die er mir schrieb", sagte Adler. "Und als wir im Besucherraum saßen, schüttete er mir sein ganzes Herz aus. Er erzählte mir binnen weniger Stunden alles über sein Leben und seinen Fall. Ich spürte, dass eine Ungerechtigkeit begangen wurde und dass ich versuchen würde, alles zu tun, was ich konnte, um die Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen."

Adler hat in über tausende von juristischen Dokumenten nachgeforscht. Im Juli 2012 erschien die Geschichte schließlich in der Golf Digest. Daraufhin wurden große Nachrichtenagenturen auf den Fall aufmerksam. Schlißelich kam es so weit, dass der neue zuständige Staatsanwalt sich dazu entschied, den Fall erneut gründlich zu prüfen.

Am 19. September 2018 bekam Dixon eine neue Verhandlung. Er betrat den Gerichtssaal als Gefangener und verließ ihn als freier Mann. Nach der Verhandlung feierte Dixon seine Entlassung. "Ich bin nicht verbittert über die 27 Jahre im Gefängnis. Ich freue mich einfach, dass meine Zeichnung die Aufmerksamkeit von Max Adler gefunden hat - sonst wäre ich immer noch unschuldig im Gefängnis."

Weitere Kunstwerke von Valentino Dixon finden Sie auf seinem Instagram Account

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