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'Man braucht keine Spikes'

 

Dieter Kasprzak, CEO von Ecco und selbst leidenschaftlicher Golfer, spricht über das Sortiment seiner Firma, die aktuelle Situation auf dem Schuhmarkt und erklärt, weshalb in Zukunft 80 Prozent der Menschen mit Schuhen ohne Spikes spielen werden.

Dieter Kasprzak kommt ursprünglich aus der einstigen Schuhmetropole Pirmasens, wo er sich zum Schuhmacher ausbilden ließ. Heute ist Kasprzak der CEO eines der größten Schuhunternehmen der Welt. 2002 fertigte das dänische Unternehmen erstmals Golfschuhe und hat sich seither beeindruckend entwickelt. Vor allem durch die Schuhe ohne Spikes. Golf.de war zu Besuch im Hauptsitz der Firma im Süddänischen Tønder und hat an einer Gesprächsrunde mit dem gebürtigen Rheinländer teilgenommen.

Golf.de: Herr Kasprzak, wann haben Sie mit dem Golfen angefangen?
Dieter Kasprzak: Mein Schwiegervater (der Firmengründer Karl Toosbury, Anm. d. Red.) hat angefangen, weil ihm japanische Geschäftspartner ein Bag geschenkt haben. Es hat ihm sofort Spaß gemacht. Dann hat er mich dazu aufgefordert, es auch einmal zu versuchen. Ich habe mich damals eher für Fußball und Handball interessiert, nicht für Golf. Aber ich bin trotzdem mitgekommen.

Golf.de: Und Sie waren sofort begeistert?
Kasprzak: Nein, nicht sofort. Ich kann mich noch gut erinnern. Es war kalt, regnerisch und windig. Ich habe keinen Ball getroffen. Grauenvoll. Aber ich habe es dann bei besseren Umständen noch einmal versucht und Gefallen daran gefunden.

Golf.de: Wann kam die Idee, eigene Golfschuhe zu entwickeln?
Kasprzak: Relativ schnell, ich habe mir viele Schuhe zugelegt und bei den meisten habe ich mir gedacht, dass sie nicht gut genug sind. Dann habe ich meinen Schwiegervater gefragt, ob wir es mit eigenen Schuhen versuchen sollen. Wir hatten keine Ahnung, wie groß der Markt war und zunächst nur Schuhe für uns selbst gemacht, in Größe 44. Das war der Auftakt.

Golf.de: Wie schwierig war es Golf in ihr Portfolio zu integrieren?
Kasprzak: Wir hatten feine Schuhe, Outdoor und einige andere. Golf hat überhaupt keine Rolle gespielt. Wir hatten zunächst einige Jahre, in denen wir uns nicht steigern konnten. Es gab keine wirtschaftliche Entwicklung. Dann fängt man an, zu hinterfragen. Aber vor allem die Damenschuhe haben dann angezogen, später auch die Männer.

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Golf.de: Wie kommt eigentlich der Name Ecco zustande?
Kasprzak: Ecco kommt von Eccolet, 'let' heißt auf dänisch leicht. Irgendwann haben wir das 'let' gestrichen und es bei Ecco belassen. Auch, weil es ein gutes Logo ist. Aber das war schon vor meiner Zeit.

Golf.de: In vielen Ländern herrscht Rezension. Inwiefern macht sich die aktuelle wirtschaftliche Lage in Ihrer Firma bemerkbar?
Kasprzak: Wir sind verbreitet über die ganze Welt. Das ist auf der einen Seite sehr komplex, auf der anderen allerdings ein Vorteil, da sich wirtschaftliche Krisen ganz gut ausbalancieren. Gerade spüren wir es nicht wirklich, da wir unseren Hauptumsatz nicht in den betroffenen Ländern machen.

Golf.de: Wie schnelllebig ist der Markt und inwiefern bildet ihr Unternehmen da eine Ausnahme?
Kasprzak: Die Konkurrenz ist natürlich sehr groß. Wir haben in sehr kurzer Zeit sehr viele Produkte auf dem Markt. Meistens reduziert sich dann nach drei Wochen schon der Preis. Das ist nicht so gut. Wir versuchen es soweit es geht zu vermeiden, einen Preisnachlass zu gewähren. Das ist unsere Philosophie.

Golf.de: Ecco hat sich vor allem mit den Schuhen ohne Spikes einen Namen gemacht. Es war gewissermaßen eine Revolution. Wie stehen Sie dazu?
Kasprzak: So etwas wird es auch wahrscheinlich nicht jedes Jahr geben, vielleicht nur jedes fünfte. Wir hatten ein gutes Timing und auch Glück. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass in Zukunft 80 Prozent aller Golfer mit Schuhen ohne Spikes über den Platz gehen werden.

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Golf.de: Wie kommen Sie zu dieser Annahme?
Kasprzak: Der Durchschnittsgolfer, der seinen Abschlag 180 Meter weit schlägt, braucht es einfach nicht, braucht keine Spikes. Auch in der Weltspitze gewinnen immer mehr Spieler mit Schuhen ohne Spikes. Justin Rose trägt zwar nicht unsere Schuhe, aber wir habe uns dennoch sehr über seinen Sieg bei der US Open gefreut.

Golf.de: Was für einen Anteil hatte Fred Couples an der unglaublichen Entwicklung?
Kasprzak: Freddie hat daran einen sehr großen Anteil, er transportiert unser Image bestens. Er hat schon in der ersten Woche des Jahres 2010 immer wieder mit unseren Schuhen gespielt und drei Mal auf der Champions Tour damit gewonnen. Als er dann nach Runde eins beim Masters in Führung lag, ist die Nachfrage explodiert. Am Montagmorgen standen die Telefone dann weltweit nicht mehr still. Das war der Anfang.

Golf.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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