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So trainiert Bernd Ritthammer

Training
 

Golf.de war bei einer Trainingsrunde mit Bernd Ritthammer im GC am Reichswald dabei und hat notiert, wie der Jungprofi an seinem Spiel feilt. 

Nürnberg an einem Wochentag um 9.30 Uhr im GC am Reichswald. Es ist frisch, der Frühling hat sich noch nicht durchgesetzt. Bernd Ritthammer kommt auf die Range und startet seinen Arbeitstag. Auch heute wird trainiert, das Spiel geschärft. "Vier bis fünf Stunden werden es bei schlechten Bedingungen, sechs bis sechseinhalb Stunden bei guten." Heute scheint sogar ein wenig die Sonne, das muss man ausnützen.

Bevor sich der 24-Jährige am Nachmittag mit seinem Trainer Igor Arendt trifft, werden noch dreieinhalb Stunden mit Üben gefüllt. Der European-Tour-Rookie wärmt sich mit 20 Bällen und lockeren Schwüngen auf (erst kleine Pitches, dann volle Schwünge). Zuvor dehnt er sich noch einige Minuten, die "Aktivierung" (z.B. 30 Minuten Joggen) hat er schon zuhause hinter sich gebracht. Überhaupt - Fitness ist für die neue Generation der Profis ein Muss. Über die Wintermonate stand fünf Mal die Woche circa eine Stunde Krafttraining auf dem Plan. "Im Sommer mache ich das täglich, aber nur Ausdauerübungen."

Aber zurück zum Golf. Nach dem Einschlagen wechselt Bernd Ritthammer schnell zum kurzen Spiel, denn hier sind die wahren Unterschiede zwischen Top-Profi und gutem Amateur zu finden. Ritthammer stellt sich stets Aufgaben, die es zu lösen gilt. Diese führt er so lange aus, bis er sie geschafft hat. Erst dann ist der Tag zu Ende. Beispiele sind mehrere Sand-Saves in Folge, Pitches aus verschiedenen Distanzen, die in einem gewissen Umkreis zur Fahne liegen bleiben müssen oder Putt-Serien, bei dem es nach einem verpassten Versuch zurück zum Anfang geht. Trainings-Tools verwendet er auch: Alignment Sticks, zwei Stecken aus Fieberglas für die Ausrichtung, und der "Pelz Putting Tutor", eine Hilfe für das Treffen beim Putten, sind immer im Bag dabei. 

Doch eines der wichtigsten Themen ist das Üben auf dem Platz. Wir laufen zum ersten Abschlag, mittlerweile ist auch Bernds Vater an seiner Seite, der seinen Sohn als Caddie und Organisator unterstützt. Was wird jetzt gespielt? "Grüns verfehlen und das Up-and-Down machen", erklärt Ritthammer Junior, nachdem er seinen Drive mit einem leichten Fade auf das Fairway des engen Par 4 geschlagen hat. Der Modus über die neun Löcher läuft wie folgt: Bernd Ritthammer legt vor jedem Schlag ins Grün fest, wo er es verfehlen möchte (z.B. in den Bunker rechts, über das Grün links) und versucht dann, aus diesen Lagen mit zwei Schlägen im Loch zu landen. Als Ziel möchte Ritthammer maximal eins über Par spielen.

Während der Trainings-Runde kommen wir natürlich auch auf seine bisherigen Erfahrungen als Neuling auf der European Tour zu sprechen. In Sizilien hat Ritthammer mit Thomas Levet gespielt. "Das ist ein echter Witzbold", sagt er über den Franzosen, der 2004 im europäischen Ryder-Cup-Team stand und die amerikanischen Fans mit seinen kleinen Zaubertricks überraschte. Dennoch glaubt Ritthammer, dass "die Challenge Tour einen Tick kollegialer" sei, während er den Putt an der Eins versenkt. Interessant dabei: Bei kurzen Putts richtet er die Schrift auf das Ziel aus, bei langen wiederum nicht.

Auf dem folgenden Par 3 fliegt der Ball rund 170 Meter und landet mit dem Eisen 6 links vom Grün im Bunker. So war es der Plan. Die genaue Entfernung hat er mit einem Lasermesser ermittelt. Der Sandschlag auf das leicht abschüssige Grün sitzt, der Putt ist wieder im Loch. Man merkt schnell, dass der wirklich enge Parkland-Kurs genau richtig ist, um das Spiel zu verbessern. Offene Fairways sind in Reichswald eine Fehlanzeige. Der Druck, den Ball auf die Bahn zu bringen, besteht an jedem Loch. Aus dieser Perspektive ist das damalige Handicap von +2,3, mit dem er 2006 zu den Profis wechselte, durchaus noch ein Stückchen eindrucksvoller.

"Wie spielt es sich eigentlich mit diesem Zuschauertunnel?", frage ich ihn und denke an das Masters. "Das war eigentlich erst einmal der Fall und zwar bei der Schüco Open, und da haben wir auch noch mit je zwei Amateuren gespielt. Am Anfang war ich nervös, aber dann habe ich angefangen, es zu genießen", berichtet er. Bei den bislang vier Starts auf der European Tour waren zwar auch Zuschauer zugegen, aber ein Massenauflauf wie bei den Majors sucht man natürlich vergeblich. Der nächste Start dürfte übrigens die Open de Sevilla vom 3. bis 6. Mai sein. "Juni und Juli wird eine gute Zeit", fügt der Nürnberger noch an. In den Sommermonaten sollten endlich wieder zwei Starts in Serie möglich sein.

Zwei Löcher später misslingt zum ersten Mal das Up-and-down. Das Spiegelei im Bunker spielt Bernd Ritthammer mit einem steilen Schwung. Er versucht von oben auf den Ball zu schlagen. Der Ball bleibt jedoch in der Rough-Kante hängen. Ärgerlich, aber schnell vergessen. Der verpasste Cut auf Sizilien, nachdem er in Runde eins mit einer 67 eröffnete, hat ihn länger beschäftigt. "Ich habe schon ein oder zwei Tage gebraucht. Das war ein Schlag ins Gesicht", gesteht er. "Nur einen Schlag lag ich zeitweise hinter dem Führenden und verpasse dann den Cut." Jetzt weiß er: "Zu Gewinnen muss der Anspruch sein. Nur auf den Cut schauen, das geht nach hinten los."

Nach dem Bogey hake ich nach. Der schlimmste Schlag im Golf: "Kommen Sockets eigentlich auch bei Profis vor?" Bernd erwidert: "Das kann schon passieren. Sockets kann man als Profi aber sofort eliminieren." "Wie?", möchte ich wissen und werde hellhörig: "Das lernt man im Kader. Mir ist das als Amateur an einem Loch einmal passiert. Beim nächsten Mal, auf der gleichen Bahn sagte unser Kadertrainer: 'So, da denkst du jetzt dran.' Der Trick war bei uns: Man spricht den Ball am Hosel an, dann schlägt man auf keinen Fall ein Socket." Gut zu wissen, muss ich auch einmal ausprobieren.

Auf dem nächsten Loch platziert er den Ball dann per Draw auf das Fairway und schlägt im Anschluss mit einem Fade neben das Grün. "Etwa 250 Meter im Flug geht der Driver", sagt er über das Holz eins. Beim letzten Turnier hat er ein paar Schläger ausprobiert, denn die Test-Bedingungen sind in der Liga Nummer eins ideal. Die Schläge werden mit Trackman vermessen und die Hersteller haben eine Vielzahl von Schaftoptionen parat. Bernd Ritthammer kennt das Prozedere von seinem Ausrüster Classic Club Repair, doch die Tour bietet diese Optionen allen Spielern bei jedem Turnier. Auf der Challenge Tour war das noch anders.

Und es ist nicht zu vergleichen mit dem Leben als Amateur. 2001 kam Ritthammer wegen der Mannschaft nach Nürnberg am Reichswald. Zuvor spielte er im Golfclub Abenberg und Dinkelsbühl. Der Sprung vom Amateur zum Profi fiel dem Nürnberger bislang am schwersten. "Wenn Golf plötzlich der Beruf und die Pflicht ist, verändert sich der Stellenwert. Ich hatte es mir leichter vorgestellt." Dennoch gibt er die Empfehlung: "Man sollte es probieren." College-Golf in den USA war auch eine Überlegung. "Es stand im Raum. Aber es war mir vom Leben eines Tourpros zu weit entfernt".

Das Trainingsziel wird schließlich eine Punktlandung. Auf der Neun legt er den Ball mit einem flachen Chip 20 Zentimeter an den Stock. Mit +1 hat er sich ordentlich geschlagen. Kein Wunder, dass er in Amateurzeiten mehrmals Clubmeister wurde. "Ich war jedoch nie bayerischer Meister. Das wurmt mich schon", verrät er schließlich noch.

"Welcher Platz ihn bisher am meisten fasziniert habe?", lautet meine letzte Frage, ehe es für Bernd Ritthammer und seinen Vater zurück zum Auto und dem Termin mit dem Trainer geht. "Leider habe ich noch nicht so viele Plätze gespielt. Aber Porto Santo (auf Madeira, Anm. d. Red.) war extrem eindrucksvoll und in Deutschland ist Schwanhof toll."

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