Bild Information: Herbert Fritzenwenger, Erfinder der Golf World Team Challenge

"Wir können gemeinsam etwas völlig Neues gestalten"

Golf World Team Challenge
 

Herbert Fritzenwenger, Erfinder der Golf World Team Challenge, im Interview über das Testevent am 30. September im GC München Riem.

Herr Fritzenwenger, wir sitzen hier im Golfplatz von Ruhpolding, dessen Präsident Sie sind. Es sind nur noch wenige Tage bis zum ersten Testevent Ihrer Erfindung, der Golf World Team Challenge. Aufgeregt, gespannt?

Herbert Fritzenwenger: Aufgeregte Neugier trifft es ganz gut. Immer wenn man versucht, neue Ideen umzusetzen, ist man gespannt, ob sie auch funktionieren. In diesem Fall wird es dann auch echt Zeit, dass der Tag x kommt.

Wem der Name Herbert Fritzenwenger nichts sagt, was sollte man über Sie wissen, was haben Sie mit Sport allgemein zu tun und was mit Golf im Speziellen?

HF: In den 80er Jahre war ich als Biathlet mit der Nationalmannschaft der BRD unterwegs. Da fielen auch zwei Bronzemedaillen und eine Silbermedaille mit den Staffeln bzw. im damaligen Teamwettbewerb bei Weltmeisterschaften für mich ab. Bei den Olympischen Spielen in Calgary durfte ich im Einzelwettkampf im Biathlon der Langlaufstaffel und dem 50 km Langlauf an den Start gehen.

Danach war ich als Organisator vieler Biathlon Weltcups und zweier Biathlon Weltmeisterschaften dem Sport treu. In den 90ern war ich Leiter des Bundesleistungszentrums für Ski Nordisch in Ruhpolding. Später bis kurz vor den Spielen in Sotschi noch einmal drei Jahre DSV-Stützpunktleiter für alle nordischen Disziplinen im Stützpunkt Ruhpolding. Noch heute bin ich Cheforganisator der von mir vor 25 Jahren ins Leben gerufenen Biathlon World Team Challenge, die seit 15 Jahren in der Veltins Arena Auf Schalke durchgeführt wird. Als Vermarkter konnte ich zwischen 1999 und 2003 immerhin 75 Prozent der Vermarktungsrechte aller Biathlon Weltcup- und WM-Veranstalter verwerten. Außerdem bin ich seit 1992 als Co-Reporter für Biathlon im ZDF tätig.

2001 habe ich mit dem regelmäßigen Golfspiel begonnen. 2003 bat man mich, die 9-Löcher-Golfanlage in Ruhpolding als Präsident zu führen, um daraus eine 18-Löcher-Golfanlage zu entwickeln. 2007 konnten wir unsere 18-Löcher-Anlage eröffnen. Seit meinem Amtsantritt 2003 bis heute konnten wir den Kommanditisten der Golfanlage Ruhpolding jedes Jahr im Schnitt fünf Prozent auf ihr eingelegtes Kapital gutschreiben. Mein eigenes Golfspiel schwankt, wie bei den meisten Golfern. Zurzeit stehe ich bei Handicap -6,4.

Wie sind Sie dazu gekommen, die neue Golfdisziplin zu entwickeln?

HF: Ich sollte im Herbst 2015 im Rahmen einer Jahrestagung des Deutschen Golfmanagement Verbandes GMVD meine Veranstaltung Auf Schalke vorstellen. Fragestellung war, ob man dieses Konzept auch auf Golf übertragen könne? Nach der Vorstellung meiner Präsentation, waren die Reaktionen ausnahmslos sehr euphorisch. Diese Reaktionen waren ursächlich dafür, dass ich mich an dieses Thema dann auch in der Praxis herangewagt habe.

Welche anderen Sportarten und Disziplinen standen bei Ihrer Idee Pate oder haben hier als Vorbild und Leitlinie gedient?

HF: Die Spielformen der Golf World Team Challenge beinhalten sehr viele Elemente, die in anderen Sportarten, vorwiegend im Wintersport, schon sehr gut funktionieren. Gleichzeitiges Spiel ähnlich einem Parallelslaloms im Winter, Mixed Teams, wie im Biathlon oder die Kommandos der Schiedsrichter für den Schlag, ähnlich dem Snowboardsport. Aber natürlich präsentieren wir auch Einiges, was im Golfsport schon sehr gut funktioniert. Lochwettspiel und klassischer Vierer sind die Elemente aus dem Golfsport, die hier Anwendung finden. 

Können Sie die für Sie fünf bis sechs markantesten Merkmale der Golf World Team Challenge nennen?

  1. Einfache Spielregeln, damit auch für Laien zu verstehen
  2. Übersichtliches Gelände, damit geringe TV-Produktionskosten
  3. Im Ballungsgebiet, damit leicht für Zuschauer zu erreichen
  4. Ständige Führungswechsel, damit spannend
  5. Gleichzeitiges Spielen auf dem Fairway, damit spektakulär
  6. Spieldauer ca. 60 Minuten, dadurch schnell
  7. Anders (verrückt?), dadurch ungewöhnlich

Was sind Ihre Hauptgründe für die Einführung dieser neuen Disziplin?

HF: Das Interesse für den Golfsport in Deutschland steigern, neue Mitglieder auf die Golfanlagen in Deutschland zu bringen. Genau das sind die Gründe. Golf ist eine fantastische Sportart, die das körperliche und seelische Wohlbefinden extrem positiv beeinflusst. Das Golfspiel  kostet heute bei weitem nicht mehr so viel wie in der Vergangenheit. Man benötigt nicht einen halben Tag Zeit um eine Runde Golf spielen zu können. Wir in Ruhpolding z.B. können 3, 6, 9, 12, 15 oder 18 Bahnen spielen, je nach persönlichem Zeitbedarf. Da hat sich in den letzten Jahren schon sehr viel getan. Irgendwie gelingt es uns Golfern aber nicht, dies einer breiten Masse kundzutun. Das wollen wir mit der Golf WTC ändern.

Wie TV-gerecht ist diese neue Disziplin?

HF: Wichtig ist vor allen Dingen die zeitliche Planbarkeit für TV-Sender. Wir können mit dieser Spielform eine Spielzeit festlegen, die praktisch auf die Minute planbar ist. Eine sehr wichtige Voraussetzung, um für TV-Sender attraktiv zu sein.

Kann die Golf WTC auf jedem Golfplatz der Welt gespielt werden?

HF: In der Regel ja. Wir ändern in München Riem praktisch nichts an der Anlage. Die Bahnen werden belassen, wie sie sind. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass wir später einmal ein eigenes Golfstadion dafür anlegen werden und/oder zu bestehende Anlagen drei spezielle Bahnen in der optimalen Dreiecksform hinzugefügt werden.

Welche Golfspieler wollen Sie künftig in dieser neuen Disziplin sehen? Die Pros, die Amateure, den normalen Freizeitgolfer?

HF: Es ist eine Veranstaltung, die für sehr gute Spieler geeignet ist, egal ob Profis oder Spitzenamateure. Für den Regelspielbetrieb in den Clubs kann man auf alle Fälle einzelne Elemente übernehmen, um das Spiel zu beschleunigen. Ob die Spielform in den Clubs als Turnier durchgeführt werden kann, wird die Zukunft zeigen. Alles ist möglich!

Was stellt den klassischen Golfspieler beim Golf WTC vor besondere Herausforderungen?

HF: Er muss sich der Herausforderung stellen, gleichzeitig mit seinem direkten Gegner auf Kommando zu schlagen. Die sogenannte Pre-Shot-Routine wird man nicht wie gewohnt durchführen können. Dass es keine Strafschläge mehr gibt und Längenverluste nach dem Abschlag ausgeglichen werden, wird einige eingefleischte Traditionalisten sicher stören. Wir wollen aber den klassischen Golfsport nicht ändern, sondern nur eine neue Disziplin einführen. 

Das Testevent des neuen Formats ist am 30. September um 15.30 Uhr auf dem Golfplatz München Riem - was sind die Ziele des Testevents?

HF: Wir wollen TV-Sendern, Sponsoren und Golfspielern das Format präsentieren, um aus diesen Erfahrungen heraus entscheiden zu können, wie wir eine richtige Golf World Team Challenge in der Zukunft gestalten müssen. Wichtig ist es vor allen Dingen, dass wir den TV-Sendern klarmachen können, dass wir hier ein Format haben, das keinen Regelzwängen und Verbandsstatuten unterliegt. Wir können gemeinsam etwas völlig Neues gestalten.

Warum fiel Ihre Wahl auf diesen Golfplatz?

HF: Meine Erfahrungen sagen mir, dass wir ein Stadion nahe einem attraktiven Ballungsraum mit der nötigen Infrastruktur benötigen. Flughafen, Bahn, Hotels, Parkplätze - alles ist da. Die Bürger Münchens sind weltoffen und interessiert für alles Neue. Die Betreiber der Golfanlage - Familie Tschunke - sind innovativ, wollen etwas bewegen und suchen nach neuen Wegen, den Golfsport attraktiv zu präsentieren. Alles Voraussetzungen, die meine Wahl sehr leicht gemacht haben.

Welche technischen und medialen Neuerungen sind Ihnen wichtig

HF: Wir müssen versuchen, alle zurzeit möglichen Stilmittel einzubauen. Sie kennen sicher die Ball-Tracer, die die Flugbahn des Golfballs sichtbar machen. Die Entfernungen der Schläge, die Windrichtungen - viele Daten, die z.B. von einem Trackman aufgezeichnet werden, sollen eingebaut werden. Wir können wie im Biathlon mit "First und Second Screen" arbeiten. Der Zuschauer am Fernseher oder am PC oder Handy soll später selbst wählen können, was er sieht und welche Informationen er erhalten will. 

Im Stadion wollen wir durch Live-Moderationen und Musik Stimmung erzeugen. Später sollen Videowände dem Zuschauer jeden Schlag zeigen können. Schon heute werden wir unserem Premierenpublikum einen neuen Service anbieten können. Wenn man sich im Stadion die App des "Greenfeeclub" herunterlädt, gibt es dort eine Seite, die den jeweils aktuellen Spielstand zeigt. 

Das spätere Rahmenprogramm soll alle Altersbereiche und Familien ansprechen. Unser Rahmenprogramm soll zukünftig auch viele Nichtgolfer anlocken, um sie vielleicht doch für den Golfsport zu interessieren.

Wo sehen Sie die Golf World Team Challenge in einem Jahr, wo in der absehbaren Zukunft?

HF: Im Erfolgsfall werden wir uns 2018 zur Auftaktpremiere in München Riem wieder treffen, dann zur offiziellen Golf World Team Challenge. In der Folge könnten verschiedene Länderspiele innerhalb Europas aber auch auf den anderen Kontinenten ausgetragen werden, die als Qualifikation für ein großes Abschlussturnier, einer Golf World Team Challenge WM, dienen.

Mehr dazu aber dann bei unserer Präsentation und unserem Expertentalk und Brainstorming am 30. September um 17 Uhr gleich nach dem Wettbewerb.

Vielen Dank für das Gespräch und ein klasse Event im GC München Riem, Herr Fritzenwenger!

Vorschau und alle Infos zum Testevent der Golf World Team Challenge Wie eine Fußball WM im Golf Offizielle Webseite der Golf World Team Challenge: www.golf-wtc.com

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