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Milos und der Maximum-Score

Erster Abschlag
 

Erster Abschlag. Die Kolumne zum Wochenanfang. 

Das Unheil nähert sich in einem Cart. Es ist männlich, Mitte 50 und dick vermummt in eine Regenhose, dick gesteppte Jacke und eine Bommelmütze. Es ist ein wieder einmal ungemütlich kalter Tag in diesem eher nicht so wonnigen Mai, und wir spielen ein Kanonenstart-Turnier, bei dem die Flights bunt gemischt sind. Ja, ich gebe zu, dass ich solchen Veranstaltungen generell ein wenig skeptisch gegenüberstehe. Der Dauer der Runde wegen. Sie ufert manchmal aus.

Das Unheil trägt einen Namen und heiß Milos. Er hat ein angebliches Handicap von 34 und toppt an der Eins den Ball 80 Meter weit. Kurz und flach. Der zweite geht in den Wassergraben. Kurz, flach und nass. Der Drop landet in den dicken Grasbüscheln vor dem Wassergraben. Flach und sehr kurz. Milos spielt an der Eins weiter bis zur Zwölf, er hebt seinen Ball nicht auf und missachtet den Maximum-Score.

Der Maximum-Score ist eine tolle, neue Sache, die besagt, dass die Spielleitung einen Score festlegt, der das Maximum pro Loch ist. An diesem Tag ist es die Zehn, aber Milos juckt das nicht, und weil wir an der Eins sind, sage ich mal nichts.

"Sei sozial und denk an die Etikette"

Bis zur Elf reißt Milos die Zehn noch dreimal und spielt weiter. Der Maximum-Score stört ihn nicht und ich bin maximal genervt. An der Sieben erkläre ich ihm das Prinzip und seine Funktion (ja, die Runde soll schneller werden), aber Milos blickt irritiert und sagt: "Nimm’ mal Rücksicht auf die Schlechteren, jeder fängt mal an. Und außerdem ist das gegen die Etikette."

Das Schöne an dem Begriff der Etikette ist, dass er eine Art Totschlag-Argument beinhaltet. Wer will schon gegen die Etikette sein? Und wer will sich schon schäbig gegenüber Schlechteren benehmen? Wer will Anfängern das Spiel versauen? Jeder von uns ist freundlich, sozial, ein kleiner Samariter auf dem Golfplatz.

Wo ist die Spielleitung? 

Ich aber nicht. Nach einer 12 an Bahn 17 (zwei Wasserbälle, Luftschlag, Vierputt und noch ein bisschen was dazu), steht meine Entscheidung fest: Ich will kein Samariter sein. Ich möchte Golf spielen. Ja, auch ich habe einen freien Tag und habe die Startgebühr bezahlt. Ich will keine 12er Scores zählen, auf keinen Fall über fünf Stunden spielen (schon das ist viel zu lang) und ich träume von einer Spielleitung und einem Marshall, die diesen Maximum-Score durchsetzt. Entschlossen und schnell.

Aber kein Mensch kommt bei mir, Milos und den anderen zwei Spielern im Flight vorbei, und so ist die Idee vom Maximum-Score eine Farce. 

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