Bild Information: Gary Woodland (rechts) mit einem Regel-Offiziellen (Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Kein Mitleid für die Ich-AGs 

Panorama
 

Erster Abschlag. Die Kolumne zum Wochenanfang. 

Die Golfwelt hat einen neuen Aufreger: die Regeländerungen 2019. Auslöser: Die Profitouren, auf denen sich ein Rickie Fowler oder Jordan Spieth hart tut richtig zu droppen, auf denen Caddies falsch am Grün stehen oder ähnliches. Die Diskussionsforen im Netz sind prall voll mit Vorwürfen und Beschwerden.

Schneller spielen und weniger grübeln

Zeit, sich zurückzulehnen und die Sache mal ein wenig zu relativieren. Was war der Sinn der Regeländerungen? Das Spiel soll schneller und unkomplizierter für alle Golfer werden. Alle Golfer bedeutet zu 99 % Menschen, die nicht ihr Geld mit diesem Sport verdienen. Es gibt eigentlich kaum jemanden, der bestreitet, dass dieses Ziel mit den neuen Regeln erreicht wird.

Aufregung gibt es bei der Miniatur-Zielgruppe all’ jener, die Golf zu ihrem Beruf gemacht haben. Für sie bedeuten die neuen Regeln eine Änderung ihres Arbeitsumfeldes. Das ist in etwa so, als wenn ein deutsches Unternehmen eine Software-Umstellung einführt, um den Laden und die Prozesse effizienter zu machen. Es ist ungewohnt, es passieren Fehler, manchmal kostet es deshalb Geld – aber an der Softwareeinführung wird nicht gerüttelt, und am Ende hat sie auch der letzte Verweigerer wohl oder übel geschluckt. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Post-Mitarbeiter endlos dafür zu bedauern, dass er eine neue Etiketten-Software umsetzen muss.

Was stört den Golfprofi das Allgemeinwohl? 

Warum ist das Bedauern für und die Aufregung bei einem Golfprofi so viel größer? Der Golfprofi selbst ist eine Ich-AG, die zuerst einmal ausschließlich an der Maximierung des eigenen Erfolgs und Verdienstes orientiert ist. Ob uns Normal-Amateuren die Regeln weiterhelfen, ist den Herren Fowler & Co. völlig egal. Man könnte das auch Egoismus nennen, aber Menschen, die im Leistungssport an das Wohlbefinden der breiten Allgemeinheit denken, sind in der Regel dafür nicht geeignet und nicht zum Sieger gemacht.

Der Profi hat gegenüber dem Post-Mitarbeiter den großen Vorteil, dass er umgeben ist von einer Unzahl Fans und Bewunderer. Sie bemitleiden ihn, wenn er eine Finalrunde bei schlechtem Wetter spielen muss. Sie fühlen mit ihm, wenn ihn eine Magenverstimmung an der Höchstleistung hindert. Wenn er sich krank meldet und einen Turnierstart zurückzieht, finden wir das mehr als verständlich. Weil die Unterstützung in diesem Maß gegeben ist, sind speziell die Superstars der Szene praktisch unreguliert. Kein Turnierorganisator, kein CEO der European Tour oder der PGA Tour kaum ein Trainer wird ihnen Herr. Sie machen was sie wollen, weil sie über ein beträchtliches Vermögen verfügen und man sie obendrein als Protagonisten benötigt. Unter solchen Voraussetzungen leidet in der Regel die eigene Kritikfähigkeit.

Weshalb es für einen Teil dieser professionellen Mini-Zielgruppe nicht verständlich ist, wieso sich die Macher der neuen Regeln nicht gänzlich nach ihren Bedürfnissen und Wünschen richten.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

The new Rules of Golf are live! ??? Learn more on our website ??

Ein Beitrag geteilt von The R&A (@therandagolf) am

Haben Sie damit Recht? Wie bei jeder Software-Neueinführung mag es auch bei den neuen Regeln den einen oder anderen kleinen Modifikationsbedarf geben. Im Grundsatz ist das Paket aber für uns alle als große Gesamtheit der Freizeitgolfer hilfreich. Wenn hochbezahlte Ich-Unternehmer, also Spezialisten in einem Metier, damit ein Problem haben, ist das ihr Ding – gerade von ihnen kann man erwarten, dass sie sich mit neuer Materie befassen und sie schnellstmöglich erlernen.  

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