Bild Information: Bernhard Langer (Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Forever young - wie Mickelson und Langer

Erster Abschlag
 

Erster Abschlag: Die Kolumne zum Wochenanfang.

Ewig jung – auch auf dem Golfplatz. Wie schön ist die Vorstellung, sich nicht mit dem Gedanken an zu geringe Drive-Länge, unerreichbare Grüns, fehlende Schwunggeschwindigkeit herumschlagen zu müssen. Die Suche nach der ewigen Jugend, in der Kosmetikbranche das ewige Thema, ist längst auch im Golfsport präsent. Dass man dem Alter ein Schnippchen schlagen kann, haben jüngst allerdings die zwei Siege von Phil Mickelson beim AT&T National Pro-Am und von Bernhard Langer bei der Oasis Championship bewiesen.

Mit 61 und 48 noch fit genug für den Sieg

Der Deutsche ist 61 Jahre alt und zählt damit auf der Champions Tour der Senioren eigentlich zu jener Gruppe von Spielern, der man aufgrund fortgeschrittenen Alters nur noch selten einen Sieg zutraut. Der Amerikaner ist 48 Jahre und damit ebenfalls ein Spieler, der rein theoretisch gegen die Longhitter der jungen Generation auf verlorenem Posten scheint. Stattdessen demonstrieren die beiden vermeintlichen Oldies Drive-Längen vom Feinsten, Konzentration und Kondition. Wie kommt’s?

"Historisch war das immer so, dass bei den Jungs nach dem 40. Geburtstag zwei Sachen schlechter werden", erklärt Mickelson: "Putten und die Schwunggeschwindigkeit. Mein Putten hat sich in den letzten drei Jahren verbessert und ist besser als je zuvor in den 25, nein 28 Jahren meiner Karriere, und meine Schwunggeschwindigkeit ist höher als je zuvor."

Biometrische Studien zum Schwung und Ernährungswissenschaft

Die Sportwissenschaft hat Einzug gehalten im Golf und zeigt Ergebnisse: Mickelson verlässt sich auf biometrische Studien des Schwungs, die per Computeranalyse exakte Erhebungen zulassen, an welcher Stelle und mit welchen Hebeln noch Schwunggeschwindigkeit gewonnen werden kann. Mit diesen Ergebnissen an der Hand hat er in den vergangenen neun Monaten nicht nur die Ausrüstung optimiert, sondern auch die Schwungbewegung angepasst und relevante Muskulatur auftrainiert. "Die wissenschaftlichen Grundlagen sind heute einfach erheblich besser", erklärt er das Erfolgsrezept, das in dieser Form auch für den detailverliebten Analytiker Bernhard Langer gilt. "Die Medikamente, das Wissen über die richtige Ernährung und diese Bereiche, haben dazu geführt, dass wir davon profitieren und unsere Körper sich deutlich schneller erholen. Außerdem funktionieren unsere Körper effizienter", erklärt Mickelson den Erfolg.

 

Mit den Jahren kommt die Gelassenheit und die Erkenntnis, dass man manche Dinge eben nicht gut kann, dazu. Von solchen Dingen lässt man im Alter 50 plus und knapp darunter eben einfach die Finger: Phil Mickelson zum Beispiel sieht keinerlei Zwang mehr, bei der Players Championship in TPC Sawgrass aufzuteen. Egal, ob man das Turnier nun fünftes Major nennt oder nicht. "Es ist eine wirklich nette Sache und eine sehr erfrischende Freiheit, wenn man sich nicht mehr gezwungen sieht, dort zu spielen, wo es alle erwarten, sondern nur noch da spielt, wo es mir selbst am besten passt."

Rosinenpickerei würde das ein Kritiker wohl leicht hämisch nennen. Tatsächlich aber kann man wohl eher von kluger Saisonplanung sprechen: Mit zunehmendem Alter werden die Regenerationsphasen zum entscheidenden Element. Wer diese genau dann vorsieht, wenn der Turnierplatz nicht zum eigenen Spielstil passt, beweist einfach Cleverness. 

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