Bild Information: Keith Pelley, CEO der European Tour (Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Gewissensfrage für die Profis

Erster Abschlag
 

Erster Abschlag. Die Kolumne zum Wochenanfang: Diskussion um Turnier der Saudis. 

Dass Sport als Thema längst von Politik durchsetzt ist, dürfte uns allen klar sein. Das ist seit Jahrzehnten so: Olympia-Boykotte, politisch motivierte Schauplatz-Vergaben, Bestechungsskandale mit Verwicklung von Politikern – das alles ist leider längst Tagesgeschäft, wenn wir über Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele sprechen./p>

Auch der Golfsport wird von politischen Themen beeinflusst

Es wäre naiv zu glauben, der Golfsport sei frei von politischen Themen. Die Frauen-Demonstrationen vor dem Masters 2003 in Augusta National schafften es in jede US-Tageszeitung. Die Gleichstellungsfrage holte in den Jahren danach auch die British Open-Veranstalter ein. Die stille Weigerung, die British Open im Turnberry-Resort, Eigentum der Trump-Familie, auszurichten, solange der umstrittene Donald Trump als US-Präsident agiert, ist vor allem eine politische Entscheidung.

Saudi Arabien als neuer Turnierstandort

Jetzt also das Saudi Arabien-Thema: Die PGA European Tour hat das Turnier Saudi International vom 31. Januar bis zum 3. Februar erstmals auf dem Turnierkalender. Es ist eine – milde ausgedrückt – umstrittene Entscheidung. Der zweifellos äußert dynamische und progressive Keith Pelley als Geschäftsführer der PGA European Tour jedenfalls sieht sich inzwischen mit der Frage konfrontiert, wie man gerade in einem Staat ein Turnier ausrichten kann, in dessen Botschaft in Istanbul vor kurzem der Journalist Jamal Khashoggi ermordet wurde.

Der Profi selbst ist als Entscheider plötzlich in der Verantwortung

Der Golfer an sich ist bei politischen Fragen ja hart im nehmen. Die umstrittene Erdogan-Politik hat nichts daran geändert, dass die Turkish Airlines Open 2017 zu einem Rolex Event avancierte. Fragen der Menschenrechte diskutiert bei den diversen Turnieren der PGA European Tour in China seit Jahren kein Mensch, und die mögliche Verwicklung bestimmter arabischer Staaten in den internationalen Terrorismus rückt angesichts von Millionenpreisgeldern auch in den Hintergrund.

Die Preisgelder zählen, die Anzahl der Sponsoren, letztendlich auch die Antrittsgelder für Spitzenspieler. In Kontinentaleuropa ist die Auswahl an möglichen Geldgebern seit Jahren abnehmend – in Asien und den arabischen Staaten lässt sich weit leichter finanzielle Unterstützung akquirieren. Insofern wäre es blauäugig zu glauben, dass Fragen der politischen Korrektheit von den Herren Pelley & Co. großartig abgewogen werden.

Woods tritt in Saudi Arabien nicht an

Der Spieler an sich rückt damit plötzlich ins Blickfeld: In der Einzelsportart Golf entscheidet der Profi selbst darüber, was er für ethisch verantwortbar hält oder nicht.  Wie weit ist für ihn ein Austragungsort politisch haltbar oder nicht? Die Turkish Airlines Open jedenfalls kämpft seit Jahren mit Absagen zahlreicher Weltklasseprofis. Inwiefern diese politisch motiviert sind, lässt sich dabei nicht sicher sagen. Beim Turnier Saudi International darf man gespannt sein, wer am Ende auf der Startliste steht. Die Amerikaner Dustin Johnson und Patrick Reed jedenfalls haben sich schon jetzt für das ordentliche Antrittsgeld entschieden, während Tiger Woods eine Summe von angeblich 2,8 Millionen Euro ausgeschlagen hat.

Einen Tipp allerdings sollte man den Herren Johnson und Reed schon jetzt mit auf den Weg geben. Ihre Ehefrauen – beide durchaus bekannt für freizügige Instagram-Photos – sollten den Weg nach Saudi Arabien lieber nicht antreten. Bikini-Selfies sind dort gar nicht gern gesehen. Der Versuch, die Politik zu ignorieren, funktioniert in Saudi Arabien nicht. Daran ändert auch der eine oder andere Major-Titel nichts. Golf ist eben längst auch Politik – hier ganz besonders. 

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