Bild Information: Handicap-Papa-Kolumne: Das Trumpeltier

Das Trumpeltier

Handicap Papa
 

Unser Handicap-Papa-Kolumnist muss sich mal Luft machen - über ein Image, das unser Lieblingssport nicht verdient hat.

Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnte. Aber meine Schulkarriere steht meiner Golfkarriere in nichts nach - etwas Licht und noch viel mehr Schatten: Bis zur Platzreife, also ungefähr bis zur 8. Klasse, war noch alles in Butter. Aber als es um die Wurst ging, versagte ich kläglich. Das Ergebnis: Zwei Mal sitzen geblieben und zwei Mal der Schule verwiesen worden. Meine Kinder können es also nur besser machen. 

Bis heute habe ich mich von diesem intellektuellen Tiefflug nicht wirklich erholt. Und seitdem versuch ich nur eins: Nicht aufzufliegen. Dazu gehört natürlich auch, dass ich mich hin und wieder mit oberflächlichem Klugscheisserwissen aufschlaue, um beim Kontakt mit wirklich schlauen Menschen nicht gleich abzusaufen. Das Ergebnis dieser Methode: Mein Wissen ist so groß wie der Ozean, und so tief wie eine Pfütze.

Aus dem tiefen Teller

Da für dieses Aufschlauen Golf Digest & Co. ja nun nicht wirklich ausreichen, kaufe ich mir hin und wieder Druckerzeugnisse, deren Redakteure es angeblich aus dem tiefen Teller bekommen haben; Henry-Nannen-Schule, Havard, MIT und so. Und so kam es, dass ich mir letztens einen Spiegel kaufte. Stopp! Bevor mir hier Schleichwerbung unterstellt wird: Ich kaufe auch mal Focus, Stern, Echo der Frau oder St. Pauli Report

Um zum Punkt zu kommen: Bis auf einen Artikel des Hefts waren mir natürlich alle anderen zu anstrengend. Und in diesem einen Artikel ging es um: Golf!

Bashing vom Feinsten

"Wie ein Hütchenspieler" war der Artikel überschrieben und im ersten Moment dachte ich: Wieso schreiben die über meine Matchplay-Taktik? Doch im Artikel geht es um einen noch viel größeren Schaumschläger als mich. Nämlich um Donald Trump. Und um sein Golf. Ich muss gestehen, im ersten Moment des Lesens war ich hoch erfreut. Trump-Bashing vom Feinsten. Da stehe ich volle Kanne dahinter und mache kein Hehl draus.

Aber je weiter ich lass, umso mehr schwoll mir der Kamm. Denn im Grunde setzte der Autor Trumps Golfleidenschaft damit gleich, dass er ein fauler Sack ist. Das ist er vielleicht sogar. Aber der Tenor ist: Reiche (faule) Säcke verdrücken sich lieber zum Golf spielen, als sich um ihr Land oder Mitarbeiter und und und zu kümmern. Und das ist ja Grund falsch!

Nicht reich, dafür faul

Ich zum Beispiel bin faul - aber nicht reich. Und wenn ich mich zum Golf verdrücke, vernachlässige ich keineswegs ein ganzes Land - sondern höchstens meine Familie. Nein, Spaß beiseite (sofern mir das gelingt): Dieser Artikel offenbarte mal wieder, welch miserables Image unser Lieblingssport hat. Ein bekloppter Präsident wird nicht etwa dafür kritisiert, dass er spaltet und diffamiert, sondern dass er zu viel Golf spielt. Und wie ich dem Artikel entnahm, gibt es sogar eine Webseite (trumpgolfcount.com), die Trumps Golfrunden zählt plus das Steuergeld, das er dafür verpulvert. Das ist schon recht bizarr.

Gut, zu den von der Washington Post bislang gezählten 20.000 Lügen des "besten Präsidenten aller Zeiten" (D. Trump) erwähnt der Artikel noch eine, die Trump ein paar Wirtschaftsbossen auftischte: Er sei "the best golfer of all the rich people". Wunderbar! Wer stellt endlich seine Medikamente richtig ein!?

Willkommen im Klassenkampf

Eigentlich war der Aufhänger des Artikels Rick Reillys neues Buch "Der Mann, der nicht verlieren kann - Warum man Trump erst dann versteht, wenn man mit ihm Golfen geht." (gerade erschienen). Und das Buch ist toll! Denn im Gegensatz zum Artikel, der im Spiegel-Klassenkampf-Duktus so ziemlich allen Golfer unterstellt, dass sie stinkreich und notorische Prokrastinierer sind, stellt Reilly klar, dass Trump mit seiner Bescheisserei während des Spiels den Sport besudelt. 

Apropos "Klassen"-Kampf. Welch falsches Image unser Sport hat, zeigt sich sogar hier in der mitteldeutschen Provinz. Vergangene Woche begann für unsere Tochter das Gymnasium. In einer Vorstellungsrunde in der Klasse erzählte sie von ihrem Vater, der gerne Golf spielt. "Aha, wohl ein erfolgreicher Unternehmer, Dein Vater?", bemerkte die Lehrerin. "Nee, ein zwei Mal sitzengebliebener Schulverweigerer", antwortete meine Tochter. Vielleicht habe ich in der Erziehung doch nicht alles falsch gemacht.

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