Bild Information: Handicap Papa bald mit privater Range?

Schöne Wiese

Handicap Papa
 

Erfüllt sich beim Handicap-Papa-Kolumnist der Traum einer privaten Driving Range?

Alle drei bis vier Jahre raucht es bei uns zu Hause. Also so richtig. Nämlich dann, wenn meine Freundin ihre Daseins-Krise bekommt und auf Teufel komm raus alles auf den Kopf stellen will. Gegen das, was dann abgeht, sind die Scharmützel des täglichen Familienwahnsinns zwischen Nutella-Schnuten und Geschwister-Zank nur Kindergarten. 

Der Tsunami kündigt sich bereits schon etliche Wochen vorher an. Dezente Eruptionen sind zu spüren. Was bedeutet: Meine Freundin ist schlecht gelaunt, unausgeglichen und meckert ein bisschen mehr als sonst. Dies steigert sich, bis es ansatzlos aus ihr herausplatzt. Dann feuert sie mir die Sätze wie Marschflugkörper um die Ohren: "So kann das hier nicht weitergehen!", "Du bist soooo träge!", "Wir müssen an uns arbeiten, gemeinsame Ziele haben, gemeinsame Projekte angehen!"

Nur mal so: Dass auch ich Ziele habe - zum Beispiel Handicap 2 oder eine Driving-Distance von 280 Meter carry - lasse ich in solchen Momenten besser unerwähnt. Denn wer soll sich um unsere Kinder kümmern, wenn ich tot bin und sie wegen der Beziehungstat im Knast sitzt?

Das Naturgesetz

Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein: Alle drei bis vier Jahr bekommt meine Freundin einen Rappel, dreht das große Rad und will Veränderungen - ich aber einfach nur meine Ruhe. Zu Beginn unserer Beziehung war es eine neue Wohnung. Vier Jahre später das erste Kind. Drei Jahre später das zweite Kind. 

Nächte habe ich bereits durchgegoogelt, um in diversen soziologischen Abhandlungen das tiefere Geheimnis hinter dem eigentlichen Phänomen zu ergründen: Warum wollen Frauen ständig neue Projekte angehen? Warum nicht einfach mal alles so lassen wie es ist? (Zum Beispiel den Alten in Ruhe vor der Golfübertragung sitzen lassen…?)

Gen Ende des letzten Jahres war es wieder soweit: Meine Freundin wurde so nörgelig wie eine verzogene Teeniegöre in der Frühpubertät. Ich wusste ja, was mir bald blüht und verzog mich trotzt Sauwetter so oft es ging auf die Driving Range - und wartete auf den drohenden Tsunami. Dann, eines Abends, holte meine Freundin Schwung. Glücklicherweise hatte ich mich bereits mit einer halben Flasche Roten zurechtgemacht (Schmerzstiller). Und dann zischte auch schon der erste Marschflugkörper-Satz auf mich zu: "Also, so geht das hier nicht weiter… DU bringst ja hier nichts voran… deshalb habe ICH jetzt Nägel mit Köpfen gemacht… und uns ein Gartengrundstück gekauft! Das wird unser neues Projekt!"

Der Infarkt naht

Die Worte hallten noch in meinem leicht angeschickerten Hirn nach, da erwog ich bereits, den Notdienst zu rufen - nur für wen, das war mir noch nicht ganz klar: Für mich, weil ich gleich einen Infarkt bekommen würde? Oder für meine Freundin, um sie direkt in die Geschlossene einweisen zu lassen? EIN GARTENGRUNDSTÜCK?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Grün - solange eine Fahne in der Nähe ist. Und auch ich verfolge den Trend der Latzhosen-Zippelbart-Hipster, sich ein Kleinod außerhalb der Großstadt zu schaffen, um ihr verschrumpeltes Biogemüse selbst anzubauen. Sollen Sie! Aber mir, der sich in der Woche von so viel Fleisch ernährt, dass man damit auch eine Pitbullzucht betreiben könnte, ist Bio-Gemüse richtig egal. Ich brauche keinen Garten! Außerdem macht ein Garten Arbeit. Und damit habe ich erst recht nichts am Hut!

Schöne Wiese

Nach dem ersten Schock trommelte meine Freundin die gesamte Familie zusammen und bat zur Ortsbegehung. Dass das Gartengrundstück auf halben Weg zwischen unserer Wohnung und dem Golfplatz liegt, stimmte mich schon mal positiv. Und siehe da: Auch wenn in dem kleinen Häuschen, das auf dem Grundstück steht, die halbe Asbestproduktion der DDR verbaut wurde - immerhin ein (Garten-) Häuschen. Als wir näher kamen hellte sich meine Laune weiter auf! Hinter dem Zaun erstreckt sich nämlich eine astreine Rasenfläche. Okay, die Long-Drive-Championship würde man darauf nicht austragen können - aber für eine Kurzspiel-Area ist sie zweifelsohne bestens geeignet! 

Sollte mein Jahr als Mit-Gartenbesitzer doch besser starten als erwartet?

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Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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