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Besinnungslos besinnlich

Handicap Papa
 

Weihnachtsstress? Bei Handicap-Papa kein Thema. Eine gute Übung für den Golfplatz?

Ein üblicher Morgen beginnt bei uns so: Obwohl ihr Unterricht erst um 7.45 Uhr beginnt, schleicht sich unsere Tochter bereits um 6 Uhr aus ihrem Zimmer. Mit einem Schulheft bewaffnet, setzt sie sich in die Küche und lernt. (Hatte ich schon mal erwähnt, dass sie unmöglich meine Tochter sein kann!?) Keine zehn Minuten später dann: gespenstische Laute aus dem Kinderzimmer. Ein Orangutan auf RedBull? Schlimmer! Unser Sohn erwacht! Krachen, Gepolter, Geschimpfe. Der Orangutan ist volle Kanne über seine am Vorabend feinsäuberlich drapierten Playmobil-Welten gestolpert. Schlecht gelaunt und mit Eric-Cantona-Gesicht stapft er in die Küche, um seinen Frust an seiner Schwester auszulassen. Gekeife, Gezanke. Meine Freundin, im Bad mit diversen Beauty-Hacks beschäftigt, lässt erst einen Brüller los. Dann einen zweiten. Nützt natürlich nichts. Schließlich stehen sie und ich zwischen den irren Streithähnen in der Küche und wir müssen wahlweise trösten oder weiterbrüllen. Und verlieren am Ende beide die Nerven. Ich ein bisschen mehr als sie. Wo sind meine Blutdruck-Tabletten!? 

In bester Gesellschaft

Dass man im Alter dünnhäutiger wird, ist ja eine Binse. Aber es ist eben doch etwas anderes, wenn man's am eigenen Leib erfährt. Und das nicht nur im heimischen Chaos. Ein verschobener Putt aus 30 Zentimetern, der nächste Drive straight ins Gemüse oder der gehackte Chip am Grünrand - auch auf dem Golfplatz verkrafte ich Rückschläge irgendwie immer schlechter. Dabei dachte ich, dass ich im Alter ruhiger werde, gelassener. Aber von der Buddhahaftigkeit eines Helmut Kohl bin ich soweit entfernt, wie Martin Kaymer von den Top 50. Schade, also für uns beide - Martin und mich. 

Trotzdem ich nicht der Schläger-schmeiss-Typ bin, befinde ich mich mit dieser Dünnhäutigkeit irgendwie ja auch in bester Gesellschaft! Selbst altgediente Recken auf der Tour rasten im höheren Alter immer noch regelmäßig aus. Zum Beispiel Sergio Garcia. Der macht ja sogar meinem Sohn Konkurrenz. Erst dieses Jahr disqualifizierte ihn die ET (mal wieder) wegen seines Fehlverhaltens. Nach einem misslungenen Sand-Save wurde von ihm ein Bunker so brutal zerhackt, wie sonst eigentlich nur die Zombies in The Walking Dead. 

Von Leibhaftigen besessen

Nun stehe ich nicht unbedingt unter dem Druck, den ein Sergio Garcia verspürt, wenn er in der Finalrunde des Masters den entscheidenden Putt lochen muss. Aber hey, zwei Kinder (ich nenne sie auch liebevoll "Nitro" und "Glycerin") sind auch nicht zu verachten. Das alles wird nun noch gesteigert. Schließlich befinden wir uns in der Vorweihnachtszeit. Und jeder, der Kinder hat, weiß, was das bedeutet: Zum üblichen Wahnsinn kommt noch die Aufregung hinzu. Romantiker phantasieren sich da immer etwas von "leuchtenden Kinderaugen" zusammen - für mich ist dieses Leuchten einfach nur der Beweis, dass die Zwerge tatsächlich vom Leibhaftigen besessen sind.

Jetzt wird's besinnlich, auf der Stelle!

Doch mit Beginn der Adventszeit wurde nun eine Gegenmaßnahme ergriffen - und dem Hause Handicap-Papa Besinnlichkeit verordnet! Seit zwei Tagen stehen wir jetzt morgens gemeinsam auf, Frühstück wird gemacht, Kerze angezündet, Räuchermännchen, "Oh Du fröhliche" - erst dann folgt der geordnete Sturm auf die Weihnachtskalender. Und bis auf die Tatsache, dass unser Sohn seinen Playmobil-Kalender bereits am ersten Tag vollständig ausgeräumt und Schokolade aus dem Kalender seiner Schwester geklaut hat, klappt das Ritual auch ganz gut. Man wird ja bescheiden - und auch ich hoffentlich etwas ruhiger und wieder dickhäutiger. Gebrauchen kann ich's. Nicht nur, um das heimische Chaos, sondern auch um die nächste Golfrunde zu überstehen. 

In diesem Sinne wünsche ich auch Ihnen - liebe Leserinnen und Leser - ganz viel Besinnlichkeit. Ob in dieser Weihnachtszeit oder auf dem Golfplatz. Danke, dass Sie auch in diesem Jahr diese Zeilen hier so zahlreich gelesen und ertragen haben. Kommen Sie gut in das neue Jahr - für das ich Ihnen schon jetzt mehr Birdies als Bogeys wünsche! Alles Gute Ihnen. 

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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