Bild Information: Handicap Papa muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen

Die Geister, die ich rief

Handicap Papa
 

Handicap-Papa-Kolumnist muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen - sehr zur Freude seiner Familie.

Es ist wieder soweit, der Winter steht vor der Tür. Das ist ja an sich schon schlimm genug (Wo bleibt denn die verdammte Erderwärmung?!). Doch es kommt ja noch dicker! Genau jetzt trennt sich in Golfdeutschland die Spreu vom Weizen. Während die Glücklichen (und besser Betuchten unter uns) einfach ins Flugzeug steigen, um die Golfsaison zu verlängern, bereitet sich der niederschwellige Rest auf die schauderhafte Wintersaison vor: Winterklamotten rausholen, Indoortermine ergattern, die XXL-Packung Antidepressiva bestellen. Selbstredend gehöre ich zum "Rest". Schließlich gleicht unser familiäres Finanzpolster dem einer Kommune in Sachsen-Anhalt. Und Urlaubstage sind sowieso Mangelware.

Das war’s

Während ich also mein Besteck vom Cart- ins Tragebag umpackte, ließ ich gedanklich die Saison Revue passieren: Zuerst fielen mir natürlich unzählige Sockets, haufenweise Aus-Bälle und elend viele verschobene 20-Zentimeter-Putts ein. Und mein Handicap scheint festbetoniert zu sein, es bewegt sich keinen Millimeter. Aber - man mag es kaum glauben - es gab auch sehr schöne Erlebnisse auf dem Golfplatz. Zum Beispiel, als ich auf auswärtigen Golfplätzen auf sehr nette Mitspieler traf. Darunter waren auch etliche Leser dieser Kolumne. Neben der üblichen Frage, ob dass denn "alles wahr" sei, was ich hier schreibe, wurde ich immer wieder auf die berühmten Vätermeilen bzw. das Vätermeilenkonto angesprochen. Sie erinnern sich vielleicht? Es ist mein imaginäres Gewissenskonto, auf das ich während der Wintermonate einzahle (Kinder hüten, Wohnung renovieren, Familientaxi fahren etc.), um die Zeit im Sommer auf dem Platz abbummeln zu können. Einige Golfer, die ich in diesem Jahr traf, haben sich das Prinzip der Vätermeilenkontos sogar abgeguckt. Ich sag mal so: Besser das, als meinen Seuchen-Schwung.

Vorsicht, Haken!

Ich gebe es ja ungern zu, aber auch das Konzept der Vätermeilen hat einen entscheidenden Haken, nämlich: des Lesens mächtige Familienmitglieder. So hat meine Freundin tatsächlich diesen Sommer über an einer Liste von Dingen gefeilt, die "wir" in den Wintermonaten in Angriff nehmen wollen. Ihr süffisanter Kommentar: "Du willst doch wieder fleißig auf Dein Vätermeilen-Konto einzahlen." Na danke! Was also Anfangs als mein heimlicher Ablasshandel geplant war, wird nun zum astreinen Bumerang und das Vätermeilen-Konto zur festen Größe unserer Familienplanung

Besonders schön finde ich in diesem Zusammenhang die gern genutzten "Wir-Sätze": "Schatz, WIR müssten mal den Flur wieder malern." "Wollen WIR nicht mal das Wohnzimmer umräumen?" Nein, DU willst das! Ich will 30 Grad und Sonne und einen Schwung wie Louis Oosthuizen. Und jetzt kommt’s: Auch meine Tochter hat vom Vätermeilen-Konto Wind bekommen und freut sich schon darauf, dass ich noch vor Weihnachten ihr Zimmer umräume. Sie hat sich jetzt sogar eine Einrichtungs-App gezogen, an der sie virtuell ihr neues Zimmer plant - Papa wird’s dann schon richten. Wo bitte sind die Zeiten hin, als man Neunjährige noch vor "Eins, Zwei oder Drei" setzen konnte und seine Ruhe hatte?

Klempner gefällig?

Geht es nach den Damen meiner Familie, habe ich den Winter über gleich mehrere Nebenjobs, z.B. Maler, Küchenbauer, Möbelpacker, Klempner. Auf die Frage, wie ich das alles schaffen soll - schließlich habe ich ja noch einen richtigen Job (bzw. tue so) - kam unisono: Ach, das schaffst Du schon, Dein Vätermeilen-Konto soll doch nächstes Jahr gut gefüllt sein. Plus breites Grinsen. Ich blickte Mutter und Tochter an, als wären sie die Schwestern des Satans. 

In diesem Sinne wünsche ich zumindest Ihnen einen stressfreieren Winter und wenn Sie mal einen Maler, Küchenbauer, Möbelpacker oder Klempner brauchen - im Frühjahr 2020 bin ich sicher gut im Flow. Und sollten auch Sie mit dem Vätermeilen-Konto liebäugeln, dann denken Sie an die Worte des alten Goethe: "Herr, die Not ist groß! 
Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los."

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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