Bild Information: Handicap Papa im Öko-Matchplay

Das Öko-Matchplay

Handicap Papa
 

Handicap-Papa-Kolumnist muss vorm ökologischen Standgericht seiner Familie Rede und Antwort stehen.

Meine Tochter hat großes Glück. Denn sie hat so gut wie nichts von mir mitbekommen. Gutes Aussehen, hohe Intelligenz, ihr Talent in Sport, Musik, Zeichnen - alles nicht von mir! Manchmal nervt es mich allerdings, dass sie gerade in Sachen (fehlender) Intelligenz so gar nichts von mir geerbt hat - nicht ein Fitzelchen meiner Beschränktheit. Das ist insofern ärgerlich, weil mir ihre Schlaumeierei wiederholt echten Stress bereitet; der in meinem Alter ja gar nicht gut ist für die Pumpe und mit dem ich so souverän umgehe wie ein pubertierender 13-Jähriger. Vergangenes Wochenende war es mal wieder soweit.

Streik statt Strike

Während 99,9 Prozent meiner Golfbuddys bei sonnigen 25 Grad ihre Handicaps drückten, war ich auf einer ganz anderen Mission. Auf Bitten unserer Tochter eskortierte ich sie nämlich auf die hiesige Klimastreik-Demo. Ich finde es ja einerseits völlig richtig und gut, wenn unsere Tochter dort demonstriert und die Welt (und alles andere) verbessern will. Andererseits: das Verbessern meiner 80-Meter-Pitch-Quote ist meiner Ansicht nach eine mindestens ebenso dringende Angelegenheit! Doch damit brauchte ich meiner Tochter an diesem Nachmittag gar nicht erst zu kommen. Und so trottete ich neben ihr durch die Straßen, anstatt vom Grün zum nächsten Abschlag.

Zuhause angekommen, gab es Mittagessen. Natürlich regionales Biogemüse & Co. Ja klar, auch wir sind eine typisch durchgentrifizierte Wohlstandsfamilie mit "biegsamen Gewissen": Möglichst immer schön Bio, aber wenn’s regnet wollen alle mit dem Auto fahren. Allerdings - und das muss ich unserer Tochter zugestehen - seit die Klimadiskussion an Fahrt aufgenommen hat, ist sie immer öfter der Stachel im (Bio-) Fleisch und fest entschlossen, unser Familienleben auf Klimaneutralität zu trimmen. Dafür lässt sie sich von diversen KIKA-Sendungen aufschlauen und doziert bei jeder passenden (und unpassenden) Gelegenheit: weniger Plastik im Haushalt, bewusst einkaufen, Auto stehen lassen etc.

Ready to Rumble!

Diesen Mittag betrat sie jedoch ein ganz schmales Brett: Wie das denn mit der Klimabilanz eines Golfplatzes aussähe, fragte sie CSI-Ermittlermäßig. Da blieb mir doch glatt der nachhaltig regional angebaute Blumenkohl im Hals stecken. Und ich dachte nur: Mädchen, nach zig durchwachten Fieber-Nächten, nach Tonnen vollgekackter Windeln und nach endlos vielen Familien-Taxi-Kilometern fällst Du mir jetzt so in den Rücken?! Nagut! Ich nahm das Matchplay an und war fest entschlossen, es nicht zu verlieren:

Ich: "Golf und Natur gehören nun mal zusammen - und das haben auch die Golfer und Golfplatzbetreiber kapiert: modernes Wassermanagement, kein Kunstdünger mehr, Biotope als Lebensräume für seltene Arten. Der DGV hat ein dickes Programm aufgelegt (Golf und Natur), das funktioniert und es sind deutschlandweit über 100 Clubs beteiligt." (Eins auf für mich)

Meine Tochter: "Aber wenn so ein Golfplatz gebaut wird, wird doch die Landschaft total umgegraben und verschandelt." (Square)

Ich: "Ja, aber a) wird nach dem Bau wieder renaturiert - sonst hätte man ja keinen schönen Golfplatz, sondern eine Baustelle und b) der Golfplatzboom in Deutschland ist durch - es werden ja fast keine neuen Plätze mehr gebaut." (Eins auf für mich)

Meine Tochter: "Umweltschützer finden Golfplätze doof, habe ich gehört." (das ist kein Argument befand ich, also: weiter Eins auf für mich)

Ich: "Das Gegenteil ist der Fall! Mittlerweile arbeiten Golfplatzbetreiber und Umweltverbände sogar zusammen. Da gibt es mittlerweile viele gute Beispiele, wie die Kooperation zwischen dem GC Hubbelrath und dem NABU." (Zwei auf für mich)

Meine Tochter: "Aber in den Golfurlaub fliegen ist doch richtig doof." (Punkt für sie)

Ich: "Stattgegeben, dass sehe ich auch kritisch. Nicht nur, weil man fliegt, sondern weil man vor allem in Länder fliegt, wo es irre warm ist - das ist ja der Sinn, wenn hier schlechtes Wetter ist - und diese Regionen haben eh schon Stress mit Wassermangel & Co. Aber Golf in Irland/Schottland geht immer!" (Nur noch Eins auf für mich)

Meine Tochter: "Außerdem fährst Du mit dem Auto zum Golfplatz - und der ist 20 Kilometer entfernt. Das macht 40 Kilometer hin und zurück." (Punkt für sie, All Square)

Dabei beließen wir es, wir reichten uns die Hände und uns gegenseitig die Schüsseln mit dem Bio-Gemüse. Nach dem Essen googelte meine Tochter natürlich gleich noch mal "Golf + Umweltbilanz" und ich: "Golf + Reise + Januar". Das nächste Matchplay ist mir Gewiss. 

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

Handicap Papa