Bild Information: Handicap Papa: Ohne Risiken und Nebenwirkungen

Ohne Risiken und Nebenwirkungen

Handicap Papa
 

Noch angeschlagen nach den Clubmeisterschaften? Unser Handicap-Papa-Kolumnist hat die passende Medizin.

Ich kann Sie direkt beruhigen. Mein episches Gejammer in Sachen vergeigter Clubmeisterschaft bleibt Ihnen in diesem Jahr erspart. Ich bin gar nicht erst zum Highlight des Jahres angetreten. Und dieses Mal ist meine Familie wirklich unschuldig. Mein Fernbleiben lag auch nicht daran, dass ich mich aufgrund anhaltender Formschwäche gedrückt habe. Sie kennen mich mittlerweile - was mein Versagen betrifft, bin ich schmerzfrei. Blöderweise war jedoch mein Rücken nicht schmerzfrei. Gut, im Grunde nichts, was sich nicht mit ein paar mit Bier runtergespülten Ibus lösen ließe. Allerdings riet mir mein Orthopäde dringend, grundsätzlich eine Pause einzulegen und die Sache untersuchen zu lassen. Wenn Sie mich fragen, ich kenne ja schon die Diagnose: Midgolf-Crisis (alter Sack versucht einen auf 20jährigen Tour-Pro zu machen).

Aber ich will Sie nicht mit den Zipperlein eines dahinsiechenden Freizeitsportlers langweilen. Vielmehr will ich erst einmal allen gratulieren, die am vergangenen Wochenende erfolgreich waren (#neidneineid). Ich ziehe genauso den Hut vor jenen, die sich trotz eines etwas höheren Handicaps der Herausforderung (bis zu drei Runden Zählspiel) gestellt haben. So muss das sein!

Lektion in Demut

Ja, die Clubmeisterschaften sind nicht nur das jährliche Highlight, sie sind auch für die meisten von uns eine Lektion in Demut. Mit Grauen erinnere ich mich an das vergangene Jahr: Erste Runde, Abschlag an Bahn 1, zwei Ausbälle. Ich wäre sogar lieber zum Windelwechseln wieder nach Hause gefahren. Und wenn auch Sie sich immer noch über die fünf Bunkerschläge ärgern oder über den tadellosen Socket vor der vollbesetzten Clubhaus-Terrasse - dann hat Dr. Handicap-Papa ein astreines Medikament für Sie. Es half mir sogar ein wenig über die Trauer hinweg, die Meisterschaften in diesem Jahr sausen lassen zu müssen. Es geht um ein Buch.

Keine Frage, es gibt unzählige Golfbücher, die sich mit dem mentalen Teil des Spiels beschäftigen. Ob "Jenseits des Scores" vom allwissenden Golfschamanen Oliver Heuler oder "Der 15. Schläger" vom Mental-Guru Bob Rotella (im Gegensatz zu Heuler hat der wenigsten ein paar Jungs zu Major-Siegen gecoacht). Hand drauf: In den dunkelsten Stunden meiner zweifelhaften Golfkarriere, habe ich sie alle verschlungen. Doch das Buch, das ich jetzt in die Finger bekam, hat eben überhaupt nichts mit Golf zu tun. Seine Lehren aber, kann man wunderbar auf unser aller Lieblingsspiel anwenden. Ebenso, wie auf alle anderen Bereiche des Handicap-Papa-Daseins: Kinder, die ningeln. Partnerinnen, die Wohnungen renoviert haben wollen. Mentale Tiefs bei zwei Meter Schnee auf der Range.

Grenzen erkennen

Das Buch trägt den wundervollen Titel "Die subtile Kunst des darauf Scheißens". Als ich es in der Buchhandlung sah, war ich sofort verliebt. Geschrieben hat es Mark Manson, ein amerikanischer Blogger. Und bevor Sie jetzt denken, ich bin zum totalen Nihilisten geworden, dem alles wurschd ist und der auf alles schei***, Stopp! Der Untertitel des amerikanischen Originals lautet: "A Counterintuitive Approach to Living a Good Life." Klingt schon etwas konstruktiver, oder?

Gut, was hat das alles mit Ihrem Socket vor der Clubhausterrasse zu tun? Ganz einfach: In "Die subtile Kunst des darauf Scheißens" geht es zu allererst um eines: auf positives Denken zu schei***. Es geht darum, seine Grenzen zu erkennen und ein für alle Mal einzusehen, dass man nicht in allem außergewöhnlich sein kann. Das beziehe ich natürlich direkt auf mein Golfspiel. Und wenn ich mir meine Kinder angucke, dann sollte ich das wohl auch auf meine Vaterfähigkeiten beziehen. 

Bessere Probleme

Das Gute an dieser Rosskur, die Manson einem da verschreibt (ehrliches Eingestehen seiner Unfähigkeit): Hat man einmal herausgefunden, worin man ewig mittelmäßig sein wird, dann rennt man keinen falschen Vorstellungen (z.B. Handicap +5) hinterher, sondern: man schei*** einfach drauf. Das ist sehr befreiend. Ebenso wie die Anti-Positiv-Denker-Überlegung von Manson, dass man immer Probleme haben wird. Klingt banal, wird aber von den meisten Glücksbüchern schön unter den Teppich gekehrt. Heißt übersetzt für uns Golfer: Wir sollten uns von dem Gedanken lösen, eine perfekte Runde spielen zu können. Selbst Brooks Koepka hat Probleme auf dem Golfplatz - mit 300-Meter-Drives hat er halt nur "bessere Probleme" (Manson) als wir. 

In diesem Sinne, ob vergeigte Clubmeisterschaft oder miese Privatrunde: Wir sollten immer dran denken, dass wir mit alldem doch immer noch "bessere Probleme" als die meisten anderen haben. Sie hätten letztes Wochenende auch die Wohnung malern oder an einer überfüllten IKEA-Kasse stehen können. Stattdessen konnten Sie Golf spielen! Und das ist doch das Beste der Welt überhaupt.

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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