Bild Information: Handicap Papa mit Bonbons statt Birdies

Sláinte!

Handicap Papa
 

Unser Handicap-Papa-Kolumnist freut sich mit Shane Lowry - und zwar standesgemäß.

Für viele Golf-Fans ist ja das Masters in Augusta das Major des Jahres. Keine Frage, der "Mythos Masters" hat schon was: Ein Platz, der nicht von dieser Erde zu sein scheint, Amen Corner, und nicht zuletzt Sport-Historie am laufenden Band (siehe Tigers Comeback). Und auch wenn man die Turniere schwer vergleichen kann, mein Herz schlägt ebenso für die British Open. Noch mehr sogar, nachdem ich vor drei Jahren höchst selbst in Schottland und Irland mein golferisches Unvermögen zum Besten geben durfte. Doch als in diesem Jahr ausgerechnet Shane Lowry, einer der lässigsten Vögel auf der Tour, den Claret Jug holte, kochte bei mir direkt das Porridge über. Und ich sage Ihnen auch weshalb.

Binsenweisheit: In jeder Sportart ist der Unterschied zwischen Hobby-Enthusiasten und Vollprofi riesig. Doch wer einmal bei einem Profi-Golf-Turnier zugeschaut hat, der weiß, dass man hier noch nicht einmal von einem Unterschied zwischen den Jungs und uns Amateur-Flickschustern sprechen kann - die Profis betreiben eine andere Sportart! Sie erscheinen einem unerreichbar und irgendwie extraterrestrisch. Erst recht, wenn Maschinen wie Koepka, Woodland & Co. am Start sind. Diese gepumpten Modellathleten sind unbreakable, dreschen die Bälle wie Roboter nach vorne und haben ganz offensichtlich obendrein keine Nerven. Mir geht es ja schon dünne durch die Hose, wenn ich an der Eins zum Afterwork-Turnier abschlagen muss - aber Brooks oder DJ stapfen völlig ungerührt und kaugummikauend über die Faiways und spielen um einen Major-Sieg mit.

Proooooost!

So, und dann kommt da Shane Lowry, mit seinem selbstgebastelten Schwung, ein paar Kilos mehr auf den Rippen - und spielt das Wochenende seines Lebens! Um sich anschließend mit seinen Guinness-Kumpels ordentlich einen reinzutun. Wie großartig! 

Verstehen Sie mich nicht falsch! Lowry ist Vollprofi, kein dahergelaufener Amateur, der mal eben Glück hatte. Ist mir klar! Ich habe Shane Lowry sogar schon mal live Bälle schlagen sehen - und ich sage Ihnen: da bebt die Erde. Aber allein schon sein Schwung: Lowrys Position am obersten Punkt des Rückschwungs haut einem doch jeder deutsche Golflehrer umgehend um die Ohren. Egal! Lowry, dieser irre Feeling-Typ, bringt spätestens Hüfthoch den Schläger derart 1a auf die Spur, dass er eben auch eine Open gewinnen kann. Und er zeigt uns Unwürdigen damit auch: Es geht auch anders, man muss keinen Sean-Foley-Modell-Schwung haben, um erfolgreich zu sein. Und man darf auch Angst haben. Als Lowry am Sonntag in Portrush auf die Eins ging, raunte er seinem Caddie Bo Martin zu: "Ich bin nervös, ich fürchte mich." Das alles macht mir Jungs wie Lowry (oder auch Graeme McDowell) einfach irre sympathisch. Sie geben mit ihrem Auftreten dem Profi-Golf irgendwie ein menschliches Aussehen. Obendrein sind es eben auch solche Jungs, die man doch bei jeder Kneipenschlägerei gerne an seiner Seite wüsste. 

Verkehrte (Golf-) Welt im Hause Handicap-Papa

Das klingt natürlich jetzt alles so, als hätte ich das gesamte Open-Wochenende vor dem Fernseher mitgefiebert. Schön wär's gewesen! Stattdessen herrschte bei uns zu Hause verkehrte Welt. Ich erzähl's Ihnen noch schnell - und nachdem Sie's gelesen haben, habe ich bei Ihnen garantiert den Mitleids-Status einer geschlachteten Baby-Robbe erreicht.

Es war nämlich so: Meine Freundin geht - im Gegensatz zu mir - tatsächlich einer ehrlichen Arbeit nach. Sie ist Nachrichtenredakteurin bei einem großen Radiosender. Und dies bedeutet, dass sie manchmal Samstag/Sonntag arbeiten muss. Am Open-Wochenende war es wieder soweit. Ich hatte also das zweifelhafte Glück, unsere Kinder allein betreuen zu dürfen. 

Mein Konzept, sie in dieser Zeit mit Pizza und YouTube ruhigzustellen, um in Ruhe Golf gucken zu können, funktionierte nur magere zwei Stunden. Dann wollten meine Kinder tatsächlich "was unternehmen" (Was habe ich nur falsch gemacht?). Ergo: Während sich mein Liebling Shane Lowry durch die Bahnen von Royal Portrush kämpfte, kämpfte ich mit diversen Gummi-Getier, das im örtlichen Freibad aufgeblasen werden musste. Doch jetzt kommt's: Ich stehe also im Planschbecken, lass mich von meinen Kindern (und anderen verzogen Gören) vollspritzen, da surrt mein Handy - eine Nachricht meiner Freundin: Sie schaue gerade in ihrer Nachrichtenredaktion Live-Golf, es sei wohl ganz spannend und ein Ire ist vorne. Jetzt frage ich Sie: Geht es noch demütigender? 

In diesem Sinne blieb mir - nachdem meine Freundin am Abend nach Hause kam - nur eine Lösung (die einzig wahre): Alkohol! Den ich mir standesgemäß im örtlichen Pub abholte. Auf Dich, Shane Lowry! Oder wie man in Irland sagt: Sláinte!

Folgen Sie unserem Handicap-Papa-Kolumnisten auf Instagram Alle Handicap-Papa-Kolumnen im Überblick

Anhänge

Handicap Papa muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen Handicap Papa muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen

Handicap Papa

Die Geister, die ich rief

Handicap-Papa-Kolumnist muss das Vätermeilen-Konto wieder auffüllen - sehr zu...

weiterlesen
Bernd Karbacher am Abschlag. (Photo: Thomas Kirmaier) Bernd Karbacher am Abschlag. (Photo: Thomas Kirmaier)

Eine Runde mit - Bernd...

"Langers Konstanz ist sensatione...

Golfende Profis anderer Sportarten und bekannte Persönlichkeiten im Porträt b...

weiterlesen
Foto einer jungen Golferin (Photo by Doubletree Studio/Shutterstock) Foto einer jungen Golferin (Photo by Doubletree Studio/Shutterstock)

Panorama

Elfjährige mit Ass, Albatross un...

Eine junge Brasilianerin spielt die Runde ihres Lebens.

weiterlesen
Der Spielort für die Golfwettkämpfe bei Olympia 2020 in Tokio steht auf dem Prüfstand. (Photo by Scott Halleran/Getty Images) Der Spielort für die Golfwettkämpfe bei Olympia 2020 in Tokio steht auf dem Prüfstand. (Photo by Scott Halleran/Getty Images)

Olympia 2020

Wegen Hitze: Neuer Spielort für ...

Heiße Diskussion über den Austragungsort der Golfwettbewerbe bei Olympia 2020...

weiterlesen
Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

Handicap Papa