Bild Information: Handicap Papa mit Bonbons statt Birdies

Bonbons statt Birdies

Handicap Papa
 

Unser Handicap-Papa-Kolumnist feiert - aber keinen Turniersieg.

So langsam hat ja die Golfsaison Fahrt aufgenommen; Turniere aller Orten und auch das Wetter ist ein Traum. Blöderweise korreliert mein Golfschwung zu letzterem überhaupt nicht in meinem Sinne. Im Gegenteil! Umso schöner das Wetter, umso mieser die Form. Derzeit schlage ich mal wieder mit einem fiesen Socket-Virus herum. Aber Halt, nicht schon wieder schimpfen! Immerhin kann ich vor den Ball hauen - und wenn's nur mit dem Hosel ist. Zudem halte ich es mittlerweile mit Socket-Beschwerden wie mit Darmbeschwerden: Was von alleine kommt, geht auch von allein wieder.

In diesem Sinne war ich frohen Mutes und meldete mich sogar für eines der Turniere unseres Golfclubs an. Doch dann: Letzte Woche schaute ich zufälligerweise mal auf unseren Familienkalender; und zwar ganz entgegen meiner üblichen Gewohnheit. Denn als würde mich ein böser Fluch befallen, sobald ich einen Blick darauf werfe, meide ich dieses Corpus Delicti eigentlich wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich ist der Kalender vollgepfropft mit Terminen - Impfungen, U-Untersuchungen, Schulfeiern, Kindergartenfeste, Kindergartenschließtage, Kuchenbasare, Geburtstage, Filz- und Malkurse, Zahnspangennachjustierstichtage und und und. Ein Blick auf dieses Hexenwerk und ich bekomme Vorhofflimmern. Denn all diese Termin müssen ja abgearbeitet werden. Und da wir nicht in Italien leben (siehe letzte Kolumne), bin ich hier voll involviert. 

Waschlappen-Vater mit Puls 300

Nun schaute ich eben doch mal drauf und hatte den Salat: Der Blick auf den Kalender bescherte mir nämlich dieses Mal nicht nur Vorhofflimmern, sondern zusätzlich Puls 300! Denn just am Tag des angepeilten Turniers stand hier: "Kindergeburtstag". Es handelte sich zweifellos um den unseres Sohnes. Er hatte bereits Geburtstag, doch nun soll Mitte Juli die Party mit den Kindergartenfreunden folgen. Und das bedeutet für mich neumodischen, durchgentrifzierten Waschlappen-Vater 4.0 natürlich: Ich bin mit von der Partie. Bonbons statt Birdies. Das Turnier ist gestorben. Ich werde Eierlaufbestzeiten messen, Kakaoschnuten abputzen und mich am Abend mit geplatzten Trommelfellen einweisen lassen müssen.

Kindergeburtstage (bis zu einem Alter von 7 Jahren, ab dann braucht man nur noch ein stabiles W-Lan) sind für die gastgebenden Eltern der Stresstest der Kinderbetreuung. Und aus meiner Sicht auch gut vergleichbar mit einer Turnierrunde

Wie vorm Turnier beschleicht einen diese bizarre Mischung aus Vorfreude und blanker Panik. Und so, wie man oft seine Flight-Partner noch nicht kennt (oder nur flüchtig), so kennt man auch die kleinen Gäste des Geburtstages noch nicht. Besonders dann, wenn es - wie bei unserem Sohn - die erste "richtige" Party mit Kindergartenfreunden ist. Kommt man miteinander klar? Hat man wieder völlig Irre dabei? Hinterhältige Racker oder nette Zeitgenossen? 

Die Katastrophe kommt gewiss

Dann der Start. Meistens läuft es zu Beginn noch ganz gut - die kleinen Gäste sind in der neuen Umgebung meistens noch recht handzahm. Doch wie auf der Runde, lässt der erste Einbruch nicht lange auf sich warten. Während man (also bei mir ist so) spätestens nach vier, fünf Löchern die erste Katastrophe notieren muss, bedeutet der Einbruch bei Kindergeburtstagen: das erste Kind rastet völlig aus. Meistens ist es das Geburtstagskind selbst, weil es völlig überdreht ist und partout nicht einsehen will, dass sich die anderen Kinder über das heimische Spielzeug hermachen oder beim Topfschlagen auch Preise gewinnen. 

Hat man den Ausraster halbwegs befriedet, heißt es von nun an für die Gastgebereltern: Ergebnis auf den hinteren Neun zusammenhalten und irgendwie ins Ziel retten. Hilfreich dabei: Abendbrot vorverlegen und Tonnen von Pommes und Würstchen auffahren, damit die Strolche beschäftigt sind und Ruhe geben. Profi-Tipp: Immer etwas Gemüse schnibbeln und mit auf den Tisch mogeln. Interessiert die kleinen Gäste zwar überhaupt nicht, bringt aber volle Helikopter-Eltern-Punktzahl bei den Kinder abholenden Mamas und Papas - die ja meistens genau ins Abendbrot platzen.

Die lieben Eltern

Apropos: Bei Eltern, die ihre Kinder von Kindergeburtstagen abholen, gibt es genau zwei Sorten. Einmal die, die wissen was sich gehört. Sie bedanken sich artig, dass man ihnen ihre Göre einen Nachmittag lang vom Hals gehalten hat und verschwinden. Dann gibt es aber noch jene Eltern, die das Abholprozedere ins Endlose auswalzen. Dafür lungern sie im Flur herum und warten, dass man sie hereinbittet, ihnen einen Prosecco (Mamas) oder ein Bier (Papas) anbietet. Obendrein täuschen sie auch noch Empathie vor. Sie sind genau wie die Mitspieler eines Turniers, die einen dann nach der Runde im Clubhaus scheinheilig fragen: "Und, wie lief‘s?" - dabei aber schon längst auf die Ergebnisliste geschaut haben und wissen, dass man schlecht gespielt hat.

Diese Woche ist es soweit bei uns. Und wie Sie sehen, ich werde bestimmt genauso viel "Spaß" haben, wie auf der geplanten Turnierrunde. Wünschen Sie mir Glück und ein schönes Spiel - z.B. Topfschlagen, Eierlaufen oder Schokoladenwettessen.   

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

Handicap Papa