Bild Information: Handicap Papa am Vatertag mit Stefan Maiwald

Vatertag al dente

Handicap Papa
 

Fabian Kendzia trifft Stefan Maiwald an dessen Arbeitsstelle.

Ich weiß, ich weiß. Der Vatertag ist nun schon ein paar Tage her. Und es ist dem rasanten Medium Internet - in dem diese Kolumne nun mal erscheint - nicht wirklich angemessen, dass ich erst jetzt aufs Thema komme. Aber es gibt Gründe. Gewichtige natürlich.

Ich war nämlich zum Vatertag unterwegs. Nein, nicht grölend mit dem Bollerwagen, sondern golfspielend mit dem Trolley. Und zwar bei meinem Freund Stefan in Italien. Ja, Sie haben richtig gelesen: Mir wurde von der Familie gönnerhaft Zeit eingeräumt, meinen besten Freund besuchen zu dürfen, um mit ihm Golf zu spielen. Ganz ehrlich, ich hielt es auch für realistischer, mich für die US Open zu qualifizieren, als dass mir tatsächlich noch einmal diese Ehre zu teil werden würde. Doch mein Vätermeilen-Konto war zum Bärsten voll! Ich habe dutzende von Familienfeiern über mich ergehen lassen (ohne mich daneben zu benehmen). Habe mir an Baumarktkassen stundenlang die Beine in den Bauch gestanden ("…das Wohnzimmer könnte mal neue Farbe gebrauchen, meinst du nicht auch…?" Gähhn). Ich habe zig Tausend Kinder-Taxikilometer abgespult und bin sogar zu zwei Elternabenden gegangen (hier allerdings mit daneben benehmen). Kurz und gut: Meiner Familie gingen die Argumente aus, um mich von meinen Reiseplänen abzuhalten.

Er hat den Bogen raus

Stefan wird für den ein oder anderen kein Unbekannter sein. Schließlich ist er Journalist, vornehmlich in Sachen Golf. Er schreibt aber auch für Reise- und Gourmetzeitungen. Vor allem aber ist er ein Schreiber, der es richtig kann. Nicht so einer wie ich, der angesichts seiner windig zusammengehudelten Texte immer hofft, dass er nicht auffliegt. Und dann schreibt Stefan sehr erfolgreich Bücher. Also richtige Bücher - historische Romane, Krimis und Ratgeber. Ob wir uns damals vor zehn Jahren über unsere Jobs kennengelernt haben oder beim viel Alkohol trinken, wissen wir nicht mehr so genau. Was wiederum für letzteres spricht. Vermutlich war es eine teuflische Mischung aus beidem. 

Grundsätzlich rätsele ich bis heute, weshalb ich Stefan die Freundschaft gehalten habe. Nicht etwa deshalb, weil er ein unsympathischer Schmierlappen wäre. Nein, das ist er ganz und gar nicht. Im Gegenteil! Viel mehr deshalb, weil es einfach unerträglich gut ist, wie er den Bogen raushat. Ob in Sachen Familie, Golf, Beruf und Leben allgemein. Es ist kaum auszuhalten. Zum einen lebt er in Italien, weil er in eine italienische Familie eingeheiratet hat. Allein das ist ja schon mal überragend (Stichwort "Schwiegermütterliche Pastaorgien"). Hinzu kommt: In Italien ist La Famiglia zwar heilig, aber die Kindererziehung Mama-Sache. Moderne Helikopter-Papas, die sich kein Babyschwimmen entgehen lassen, morgens ihren Kindern das glutenfreie Müsli zusammenpanschen oder gar Vätermonate nehmen, sucht man hier vergebens. Was im Falle von Stefan dazu führt, dass er trotz Familie (zwei Kinder), ziemlich viel Zeit auf dem Golfplatz verbringen kann. Und das merkt man seinem astreinen Spiel auch an. Richtig gut ist natürlich, dass Stefan seine Golfleidenschaft auch noch als "Arbeit" deklarieren darf. Stichwort: Golfjournalist. 

Arbeitsstelle Golfplatz

Und so kam es natürlich, dass wir unseren Vatertag gemeinsam auf Stefans "Arbeitsstelle" verbrachten, dem örtlichen Golfplatz. Und es ist jedes Mal ein Fest, uns zwei Freaks dabei zu beobachten, wie wir uns mit den neusten Schwungtheorien und Magic-Drills die Taschen vollhauen. Von George Gankas "Freezer-Drill" bis Brian Manzellas "Fiddle-Drill" - da wird alles aus dem Hut gezaubert, was man so die letzten Monate an halbgarem Fachwissen aufgeschnappt hat.

Das Beste an Stefans Arbeitsstelle ist aber der örtliche Golf-Pro. Er ist eine lebende Legende in Italien. Und immer, wenn wir auf der Range stehen und uns gegenseitig das gefährliche Halbwissen um die Ohren hauen, schaut er erst skeptisch drein - um dann zu uns zu kommen und uns in einem kleinen Pitch-Contest derart nass zu machen, dass wir uns beide direkt noch mal zur Platzreife anmelden möchten. Und natürlich führte uns der Maestro auch am Vatertag ordentlich vor und machte mal wieder klar, welch unwürdiges Golf-Geschmeiß wir doch sind. 

Leben in der Komfortzone

Doch nichts konnte meine Stimmung trüben. Den Vatertag mit dem besten Freund und Golf zu verbringen, ist nun mal unschlagbar - Bier und Bollerwagen hin oder her. Und dass mein Freund Stefan, dank seiner Lebenstaktik praktisch jeden Tag Vatertag hat, stört mich auch nicht mehr. Im Gegenteil: Gespannt folge ich seinen Referaten über die Prinzipien des italienischen Lifestyles und sein Leben in der Komfortzone. Das können Sie übrigens auch - einfach mal hier klicken: www.postausitalien.com

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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