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Danke, Tiger!

Handicap Papa
 

Fabian Kendzia geht zum zweiten Teil der Tiger-Mania über.

Na, schon genervt? Also jetzt nicht von mir. Diese rhetorische Frage würde ich Anerkennungs-Junkie natürlich niemals auf mich bezogen stellen - zu groß die Sorge, dass die Wahrheit ans Licht käme. Nein, gemeint ist natürlich, ob Sie schon ausreichend von der Tiger-Mania genervt sind?

Tiger-Mania, Teil II

Es tut mir aufrichtig leid, aber ich muss hier auch noch einmal nachlegen. Zu episch dieser 15. Major-Sieg des Großmeisters. UND: Ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich hänge mein Fähnchen nicht in den Wind (Rechtfertigungs-Junkie). So ziemlich genau vor einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle über "Tiger & mich" und outete mich als Tiger-Fan durch und durch. Und, ich zitiere: "...es gab Zeiten, da wurde ich für eine solche Aussage angeschaut, als hätte ich die letzte noch lebende Galapagos-Schildkröte eigenhändig zu Hack verarbeitet."

Jetzt wollen es natürlich alle schon immer gewusst haben. Vor allem jene, die während Tigers Karrieredelle den Seve, den Jack oder den Arnie eh immer viel cooler fanden. Aber ich will mich hier gar nicht an diesen wissenden Golfpuristen öffentlich abtherapieren. Viel mehr möchte ich eine öffentliche Dankeshymne loswerden. Auf Tiger. Schließlich bescherte sein gigantischer Sieg in Augusta auch mir kurzeitige Anerkennung. Und zwar im Rahmen meiner Familie. Kein Quatsch. Ganz kurz durfte ich mich als akzeptierter und vollwertiger Mensch fühlen. Und nicht wie sonst, als spleeniger Nerd. Sogar ein Hauch von Artikel 1 des Grundgesetztes wurde mir zuteil. Aber von vorn.

Meine Familie, mein Golf und ich

Meine Golfleidenschaft - bzw. die Tatsache, dass ich Golf spiele - wird von den verschiedenen Mitgliedern meiner Familie recht unterschiedlich wahrgenommen.

Meine Eltern: Sie gehören der Aufbau-Generation an, für die jeglicher Zeitvertreib außerhalb der Arbeit purer Hedonismus ist. Das windige Snob-Hobby ihres Sohnes betrachten sie, wie es sich für Eltern gehört (egal, wie alt ihre Kinder sind), als spätpubertäre Phase: "Wird schon vorbeigehen. Irgendwann. Die schlampige Jennifer aus der Parallelklasse hat er seinerzeit ja auch irgendwann sausen lassen."

Meine Schwiegermutter: Für sie sind alle Golfer reich und fahren Porsche. Das ist ein Naturgesetz für meine Schwiegermutter. 

Dass ich von reich so weit weg bin, wie die katholische Kirche von einer schwarzen Päpstin (und dass ich keinen Porsche besitze), ignoriert sie einfach. Und bleibt bei ihrer Meinung (Naturgesetz). Was würde ich für diesen Eskapismus geben!

Mein Schwiegervater: Er findet Golf eigentlich ganz spannend. Spätestens, seitdem ich ihm einmal auf Youtube das legendäre John-Daly-Video vorführte, das Daly dabei zeigt, wie er den Ball auf eine Bierdose aufteet. Ansonsten gibt er mir regelmäßig Tipps zu Minigolfplätzen, die er in der Region aufgetan habe. Alles besprochen, oder

Meine Freundin/meine Kinder: Nunja, als regelmäßige Leser dieser Kolumne sind Sie im Bilde. Für alle anderen: Mit meiner Leidenschaft rangiere ich in unserem Haushalt am Ende der Nahrungskette. Irgendwo zwischen Hausmilbe und Küchenschabe. Aber noch hinter der Katze.

Mein Bruder: Er ist tatsächlich der Einzige, der meinen Sport ernstnimmt, echtes Interesse aufbringt und für den ich kein beknackter Freak bin. Was wohl daran liegt, dass auch er mit seiner Rennerei (er läuft regelmäßig Ultras) im Grunde auch ein beknackter Freak ist - es aber ebenso nicht wahrhaben will. Aber immerhin: Freak und Freak halten zusammen.

Der Brandel Chamblee im Dorf

Doch am Morgen des 15. April 2019 war alles anders! Schließlich lochte am Abend zuvor Eldrick Tont "Tiger" Woods zu seinem 15. Major-Sieg. Der Triumph des Ausnahmegolfers war in aller Munde, in allen Nachrichten - und selbst meine Mischpoke ließ sich zu ein paar Anerkennungen herab. Vor allem aber: Ich war plötzlich ein gefragter Mann. "Wie alt ist der Woods?" "Ist das wirklich so ein wichtiges Turnier, das er da gewonnen hat?"

Unser geliebter Sport war für einen klitzekleinen Moment der Dreh- und Angelpunkt meines Familienuniversums. Und ich der Brandel Chamblee im Dorf: Ich konnte mit Infos glänzen, die für Sie und mich zum kleinen Einmaleins gehören. Ich referierte über die Legende Augusta National, den Club der Milliardäre (Wasser auf die Mühlen meiner Schwiegermutter), über Amen-Corner und natürlich über Tiger. 

Selbstredend hielt die Tiger-Mania im Kreise meiner Familie genau so lange an, bis ich mich auf den Platz verabschieden wollte. Und plötzlich war wieder alles beim Alten. Und mein Vorhaben krepierte wie üblich durch die Worte meiner Freundin: "Das wird heute nix mit dem Golf, mein Lieber. Deine Tochter muss zur Musikschule gebracht werden." Welcome to my World. 

Trotzdem: Danke, Tiger!

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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