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Golfschwung in der Trotzphase

Handicap Papa
 

Sein Sohn stellt ihn vor pädagogische Herausforderungen und auch sein Golfschwung will nicht hören. Das riecht nach einem holprigen Saisonstart für Handicap Papa.

Zugegeben, der Geburt unseres zweiten Kindes sah ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Schließlich war unsere Tochter bereits Fünfeinhalb und wir hatten zumindest mir ihr den Kleinkind-Irrsinn überstanden: Vollgeknatterte Windeln, durch die Luft fliegendes Essen, die eigenen Augenringe schlimmer als die von Alice Cooper. Und jetzt noch mal alles auf Anfang? Panik machte sich breit. Doch befreundete Eltern redeten mir Mut zu und ich bekam immer wieder zu hören: "Ach, mach Dir keine Sorgen. Das zweite Kind läuft einfach so mit." Na genau.

Mit dieser Mähr möchte ich hier ein für alle mal aufräumen! Kleinkinder - und seien es die zweiten - laufen nirgends hin. Und schon gar nicht mit! Die wollen geschleppt werden. Das wird mit den Jahren auch nicht unbedingt besser, wie das Beispiel unseres Sohnes zeigt. Natürlich kann er mit seinen mittlerweile knapp zwei Jahren schon laufen, aber von MITLAUFEN - zum Beispiel vom Kindergarten nach Hause - kann nicht die Rede sein. Darauf hat dieser renitente Zwerg einfach keine Lust. Stattdessen wälzt er sich kreischend über den Fußboden der Kita-Garderobe wie eine Robbe auf Speed. Letztens habe ich geschlagene zehn Minuten gebraucht, um die Robbe zu bändigen und aus dem Kindergarten zu bugsieren - wobei sie sich noch unkooperativer zeigte als ein in der Sitzblockade hockender Anti-Castor-Hippie im Wendland. Fehlt wirklich nur noch, dass sich unser Sohn demnächst an seinen Garderobenhaken mit Fußballbild darüber ankettet.

So ein Golfschwung ist doch auch nur ein Kind

Just vor dieser eben geschilderten Begebenheit, war ich auf dem Golfplatz gewesen - wo es leider auch nicht recht funktionierte. Und plötzlich erkannte ich eine gespenstische Parallele zwischen meinem Sohn und meinem Golfschwung: Auch mein Schwung befindet sich in der Trotzphase. Er bockt und weigert sich, das zu tun, was ich von ihm verlange! In allererster Linie: Den Ball einigermaßen weit und vor allem geradeaus zu befördern.

Da ich nun einmal diese Parallele zwischen Kind und Golfschwung erkannt hatte, fragte ich mich natürlich: Was tun eigentlich wir Eltern, wenn wir mit unserem Erziehungslatein am Ende sind? Genau, wir rammeln in die nächste Buchhandlung und kaufen die Ratgeber-Ecke leer. In Sachen Golf-Erziehungsratgeber musste ich das freilich gar nicht tun, denn das heimische Bücherregal ist voll mit Perlen der golferischen Fachliteratur. So stöberte ich noch am selben Abend zwischen Toski, Leadbetter und Penick herum. Ich blieb jedoch bei Homer Kelley’s The Golfing Machine hängen. Kelley war ja so etwas wie der Daniel Düsentrieb des Golf, ein Tüftler und Besessener. Und sein Buch ist eher eine Doktorarbeit in Physik als ein praktikables Erziehungshandbuch für den widerborstigen Schwung. Aber: Gerade was das kurze Spiel betrifft, hat mich Kelley schon aus so manchem Tal der Tränen geholt.

Frag jemanden, der sich auskennt

Nach den ersten Seiten der Golf-Physik-Doktorarbeit war mir jedoch klar: Mein Schwung ist zu ungezogen, als dass ich hier mit dem Selbststudium weiterkomme. Da muss jemand ran, der sich damit auskennt. Glücklicherweise war ich ein paar Tage später in München unterwegs und so konnte ich Michael Wirth aufsuchen. Er ist Golflehrer, aber - noch viel wichtiger - auch autorisierter TGM-Instruktor. Das war also praktisch so, wie wenn verzweifelte Eltern direkt Jesper Juul (weltberühmtester Erziehungsratgeber-Guru) aufsuchen würden.

Nun, und wie es dann immer so ist: Die Lösungen sind ja meistens ganz einfach. Denn statt den heiligen Gral hervorzuholen und mich mit selbigem zu heilen, stellte mich Michael erst einmal ordentlich hin, korrigierte meinen Griff und arbeitete mit mir an der Balance und einem gleichmäßigen Rhythmus. Und siehe da: die Bälle flogen. Ich war fast ein bisschen enttäuscht, dass es so einfach ging. Natürlich umfasst das Konzept Golfing Machine viel mehr und Michael kennt auch wirklich alle Geheimnisse - aber für eine Stunde war das Ergebnis sensationell.

Sie können es sich natürlich denken, wie es auf der heimischen Range weiterging. Mein Schwung hielt sich ziemlich genau einen Ball-Korb lang an die Erziehungsmaßnahmen, dann muckte er wieder auf. Tja, ich muss mich wohl damit abfinden: So ein Golfschwung ist eben auch nur ein Kind, das nicht auf den Papa hören will. Apropos "Kind" und "Nicht auf den Papa hören wollen": Ich muss los, in den Kindergarten und eine Robbe abholen.

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Fabian Kendzia:
• Alter: 44 Jahre (gefühlt 83!)
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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