Bild Information: Golfschläger (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images)

Im Golfer-Rausch

BenZinger
 

Ben Zinger liebt die ersten Wochen des Jahres. So viel zu schauen im Golf-Paradies: neue Schläger, neue Kleider. Die Sehnsucht sorgt beim Golfer auf Entzug für heiße Gefühle.

Der Januar ist ein Lesemonat. Erst pflügen wir uns hurtig durch die Lektüre, die die Anverwandten unter die Weihnachtstanne gelegt haben, damit wir dann - etwas begeisterter - die Mitteilungen lesen können, die uns der Golfmarkt ungezählt in den Posteingang gelegt hat. Schläger, Schuhe, Bälle, Polos - das Update des Golf-Paradieses ist alljährlich eine überwältigende Produktlawine, die auch Apple mit seinen Präsentationen wie Haare in der Badewanne davon spült. Länger, gerader, schöner - je weiter der winterliche Weg zur nächsten Golfrunde, desto näher die Sehnsucht nach allem, was mit Golf zu tun hat. 

Die Golf-Messen, vor allem die in Orlando (sehr, sehr weit weg), lassen so viel Wasser im Mund zusammen laufen, dass sich mein Körper unter Verschluckungsattacken von selbst hydriert. Diese ganzen Versprechungen! Zehn Meter mehr. Noch präziser. Alles ohne Training. Und wenn, dann geht es um Trainingsgeräte, die aber auch nur ein paar Minuten bis zum nächsten Handicap-Sprung benötigen.

500-Meter-Abschläge

Ein PGA-Profi hat einmal nachgerechnet: Wenn alle Werbetexte eins zu eins real geworden wären, würden wir den Ball inzwischen mehr als 500 Meter dreschen können. Gut, das wissen wir alle, dafür brauchen wir keine Profis. Aber dennoch liebe ich es, vom Paradies zu lesen und träumen, wo Schläger aus dem Boden wachsen, Bälle an den Bäumen hängen und modische Textilbüsche Stil verbreiten.

Der Januar ist der Monat, in dem ich der beste Golfer bin, der ich je war. Ungebändigt motiviert, unverschämt golfweise durch die Winterlektüre, unerschrocken mutig, wenn es um das Formulieren meiner Ziele geht. Ich bin ein wandelnder Golfprospekt. Und deswegen liebe ich es, all das Neue aufzusaugen. Wer hat das denn sonst in dieser Breite? 

Der Fußballer trägt im Zweifel sein Leben lang dasselbe Schuhmodell, der Basketballer ist da nicht viel weiter, trotz all der schönen Jordan-Stiefel. Okay, der Ruderer schaut sich Boote an, der Turner Reckstangen. Aber ist das ein Vergleich? 

Suhlen wie die Sau im Dreck

Es gibt wenig Schöneres als einen Golf-Schläger, die Kronen der Schmiedekunst. Nichts Anrührenderes als einen kraftvollen Schwung mit einem Driver, der so leicht zu fliegen beginnt, dass der ganze Athlet die Bodenhaftung verliert. Und welcher Sportschuh hat denn bitte die Klasse eines schönen Ledermodells für den Golfplatz?

Man könnte sich suhlen wie die Sau im Dreck, nur ohne Dreck, dafür mit saugutem Gefühl. Golf ist nicht nur Birdie und Bogey (vor allem), es ist auch Natur, Gesellschaft - und eben Design, Innovation und, ja, Konsum. 

Aber daran ist ja nichts Schlechtes, wenn man weiß, wo der Kern liegt: Im Spiel, eben bei Birdies und Bogeys. Aber deswegen muss die wohlgeformte Schale ja nicht weniger Spaß machen. Zumal der Januar persönlich gesprochen auch der beste Monat für die Produktlawine ist. Es ist noch so lange hin bis zum Weihnachtsgeld, dass die Finanzen den Kaufrausch eh nicht erlauben. Es bleibt beim Rausch. Ohne Kater, denn nach dem Rausch kommt der Frühling. Und der bringt das Spiel. 

 

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Der Autor

Golf.de-Mitarbeiter Ben Zinger* musste sich monatelang die bösen Bemerkungen der Kollegen über sein Handicap gefallen lassen. Damit soll jetzt Schluss sein. Der gefühlte Endzwanziger hat ein Ziel: den Bogey-Golfer-Bereich schaffen - und vielleicht noch mehr? In seinem Blog schreibt Ben von Erfahrungen in der für ihn neuen Golf-Welt. (Die Anonymität soll ihm dabei alle Freiräume geben.)

*die Kollegen gaben ihm einen passenden Namen, der Zeichner Gerd Hilbig portraitierte den Junggolfer.

Ein Benzinger beschreibt einen Schlag, vorwiegend im kurzen Spiel, bei dem erst der Boden und dann der Ball getroffen wird. Man sagt auch: Er hat den Ball gebenzt. Der gespielte Ball ist daraufhin natürlich nicht wirklich brauchbar.

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