Bild Information: PGA Championship (Photo by Andy Lyons/Getty Images)

Wie hart sind Golfer?

BenZinger
 

Ben Zinger ist plötzlich allein auf dem Golfplatz - weil er ein naiver Tourist ist. Was dann folgt, ist die Chance auf eine Antwort. Die Antwort auf die Frage: Wie hart sind Golfer?

Mir schwante nichts Böses, als sich mein Spielpartner plötzlich verabschiedete. "Au revoir, merci." Die Franzosen eben, so dachte ich. Als die Gruppe vor mir plötzlich abbog und auch hinter mir niemand mehr zu sehen war, blieb ich dann aber doch erst einmal stehen und schaute mich um. Aber nur kurz. Denn wie schön ist es, einmal ganz ungestört einen vereinsamten Platz zu entdecken, den man noch nie gespielt hat.

Die Provence, es duftet, das Panorama, die warme Herbstluft, ein leichter Wind - und urplötzlich das heftigste Gewitter seit ich meinen Eltern eine Mark für Panini-Bildchen vom Telefontisch stibitzt hatte.  Ein Wolkenguss verdunkelte das Paradies, ein Naturereignis, auf das nur der komische Tourist aus Deutschland nicht vorbereitet war.

Die folgende Stunde war eine Stunde der Erkenntnis, der Demut; und der Schmerzen.

Wie hart sind Golfer?

Als der erste schwere Tropfen fiel, erinnerte ich mich an die Frage, die mir einst eine attraktive Frau gestellt hatte: Wie hart sind Golfer eigentlich? Aber wie überzeugend kannst du argumentieren, wenn du in deiner Freizeit einen kleinen weißen Ball bei 30 Grad eine akkurat gemähte Wiese entlang schubst? Nun bot sich mir die Chance auf eine Antwort, die selbst dem härtesten Rugby-Kollegen den Respekt auf das verbeulte Gesicht zaubern würde. Golf in der Wasserhölle, keine Sicht, kein Halt. Nur Kälte, Nässe und die Gewissheit: meine Jacke ist doch nicht wasserdicht.

Ich habe gekämpft. Anfangs noch mit Erfolg. Der Ball flog, der Schläger noch nicht. Das Bag wog inzwischen gefühlte 25 Kilogramm, die Schulterriemen suppten wie ein nasser Schwamm und machten Geräusche wie ein Hund beim Wurst essen. Meine kurze Hose hing fast an den Knöcheln. Aber hey, nur noch vier Löcher zu gehen. Da wird man doch nicht schlapp machen!

"Ihr seid alle Zingerfood!"

Attraktive Französinnen, schaut auf diesen Golfer! Im Wrestling bekommen die starken Männer furchteinflößende Künstlernamen. Ich träumte von einer Golf-Karriere als "Ben Hole", vielleicht auch als "Boss Albatross". Mein Schlachtruf: "Ihr seid alle Zingerfood!"

Dann flog der Schläger, der Ball blieb in Pfützen liegen; und wenn er doch flog, war er nicht mehr gefunden. Wie hart ist ein Golfer? wurde abgelöst von: Wieso toppe ich den Ball, wenn der Schläger durch die Finger rutscht? Und: Kann Wasser weh tun? Es war ein halbkaltes Duschen in Golfklamotten und schwerem Bag. Von unten zog es kalt die Schenkel hinauf, die Haut an den Händen wellte sich wie in der Badewanne. Leider hatte ich keine Plastikente mit.

Schmerzen, Demut - und dann die Erkenntnis: Nein, Golf geht nicht so richtig hart. Es gibt keinen Gegner, den man niederringen kann. Am Ende gewinnt immer der Platz, das (Un-)Wetter und manchmal auch der eigene Kopf. Sie alle sind härter als du. Wenn du das erkennst, kannst du den Kampfnamen zuhause und die Muskeln locker lassen. Dann darfst du das Köpfchen einschalten - und Erfolg haben. So geht Golf und leider nicht anders.

Am Ende des Tages saß ich in Unterhose im Auto, die Heizung blies heiße Luft ins Cockpit. Ich zitterte. Wie hart sind Golfer? Ich musste laut lachen. Aber nur, um nicht zu weinen.

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Der Autor

Golf.de-Mitarbeiter Ben Zinger* musste sich monatelang die bösen Bemerkungen der Kollegen über sein Handicap gefallen lassen. Damit soll jetzt Schluss sein. Der gefühlte Endzwanziger hat ein Ziel: den Bogey-Golfer-Bereich schaffen - und vielleicht noch mehr? In seinem Blog schreibt Ben von Erfahrungen in der für ihn neuen Golf-Welt. (Die Anonymität soll ihm dabei alle Freiräume geben.)

*die Kollegen gaben ihm einen passenden Namen, der Zeichner Gerd Hilbig portraitierte den Junggolfer.

Ein Benzinger beschreibt einen Schlag, vorwiegend im kurzen Spiel, bei dem erst der Boden und dann der Ball getroffen wird. Man sagt auch: Er hat den Ball gebenzt. Der gespielte Ball ist daraufhin natürlich nicht wirklich brauchbar.

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