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Guter Virus, schlechter Virus

BenZinger
 

Ben Zinger ist infiziert, so richtig. Klingt schlimm - ist es auch. Denn der Golf-Virus ist es nicht. Der wird ja sogar von Ärzten empfohlen.

Jeder Golfer kennt diese Sache mit dem Virus. Dieses Ding, das sich in Dich hineinfrisst wie ein heißes Messer in Butter. Dann, wenn das erste Mal dieser weiße Ball geschlagen wird und dieser Erreger plötzlich in einem steckt, wie eben dieses Messer in eben dieser Butter. Vom Golf-Virus befallen, so heißt es.

Die Menschen grinsen, wenn sie das sagen. "Ich bin so infiziert, ich habe jeden Tag eine Trainerstunde", sagt die Freundin meiner Schwiegermutter, als wäre Infizieren so schön wie Intim werden. "Ich kann nicht mehr ohne meinen Driver", sagt der Kumpel, der vorher Golf so langweilig fand.

Eine Krankheit also, die sich anfühlt, wie die vollständige Gesundung. Golf ist der Virus, den Ärzte verschreiben. Golf, die Abwesenheit aller Plagen - zumindest bis zum nächsten Slice.
Golf kann aber auch ohne Slice eine richtige Plage sein. Dann, wenn der Infizierte wirklich infiziert ist. Erkältung, ein kaltes Messer in gefrorener Butter, eine ganz schön zittrige Angelegenheit.

Turnier = Zahnarzt

Das mit Ben und den Turnieren ist ja ungefähr so, wie das mit dem Zuckersüchtigen und dem Zahnarzt. Ja, klar, muss sein. Aber ich war so lange nicht mehr - tut das weh? Es tat weh, als es nun wieder einmal soweit war, weil die Handicap-Schoner-Rufe lauter wurden als die innere Stimme, die vor einer verkrampften Runde warnte. Nun gut, es wurde krampfig - das Turnier war daran jedoch nicht schuld.

Abschlag um 8.20 Uhr, Aufwachen um 4.30 Uhr mit Halsschmerzen. Was klingt wie eine Ausrede, war der Anfang des schlimmsten Golftags meines Lebens. Wenn der Chirurg zittert, sind Operationen Mord. Und wenn der Golfer zittert, ist er auch noch so ein Hacker, dann ist der Golfschwung ähnlich gefährlich. Es gehört ja zu den Begleiterscheinungen des Golfspiels, dass die Hände immer weniger schmerzen, je besser man den Ball trifft. Dass alles lockerer wird, je trainierter der Körper ist. Das ist so wie bei den Finanzen: Wer reich ist, wird ja auch schneller noch reicher.

Ein armer Bettler mit Ganzkörper-Yips

Natürlich gilt das ebenso umgekehrt. Ich bin ein maximal mittelständischer Golfer, krank bin ich allerdings ein armer Bettler. Nase zu, Hals rot, Glieder steif - neun Löcher ging das auf wundersame Weise gut. Dann schmerzte plötzlich alles und mit jedem Schlag schmerzte es mehr. Gute Treffer gab es nun nicht mehr, wenn überhaupt von Treffern gesprochen werden darf, wenn die Koordination leidet, was beim Golfschwung eben wie beim Chirurg nicht gesund ist. Wer acht von neun Löchern am Ende seiner Runde streichen, beziehungsweise vorzeitig aufgeben muss, der ist von ganz bösem Ganzkörper-Yips befallen.

Ich hätte mich gerne aus den Ergebnislisten gestrichen, aber das wäre auch noch unehrenhaft gewesen. Nur eines nehme ich mit: Ich war jetzt beim Zahnarzt und ja, es tat weh. Aber so schlimm kann es doch nicht mehr werden. Also auf zum nächsten Termin. Die Sache mit der Handicap-Jagd entwickelt sich hier ja sonst endgültig zur Stehparty - ohne gute Laune.

Eine von zwei Infektionen trage ich übrigens immer noch in mir. Ich bin also wieder komplett gesund.

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Der Autor

Golf.de-Mitarbeiter Ben Zinger* musste sich monatelang die bösen Bemerkungen der Kollegen über sein Handicap gefallen lassen. Damit soll jetzt Schluss sein. Der gefühlte Endzwanziger hat ein Ziel: den Bogey-Golfer-Bereich schaffen - und vielleicht noch mehr? In seinem Blog schreibt Ben von Erfahrungen in der für ihn neuen Golf-Welt. (Die Anonymität soll ihm dabei alle Freiräume geben.)

*die Kollegen gaben ihm einen passenden Namen, der Zeichner Gerd Hilbig portraitierte den Junggolfer.

Ein Benzinger beschreibt einen Schlag, vorwiegend im kurzen Spiel, bei dem erst der Boden und dann der Ball getroffen wird. Man sagt auch: Er hat den Ball gebenzt. Der gespielte Ball ist daraufhin natürlich nicht wirklich brauchbar.

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