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Schwiegersohn gesucht

BenZinger
 

Ben Zinger hat Glück - und sehr nette Schwiegereltern. Doch das gute Verhältnis ist in Gefahr. Denn die Eltern der Frau haben angefangen zu golfen.

In Afrika sagen sie, so weiß es das Internet: Der Häuptling hat keinen Vorgesetzten, seine Vorgesetzten sind seine Schwiegereltern. So sehe ich das als guter Schwiegersohn natürlich auch. Vielleicht fällt mir die Anerkennung dieser Tatsache leichter, weil ich in meiner Familienfirma keine Gewerkschaft für mein Glück brauche.

Meine Vorgesetzten sind freundlich, sympathisch, sozial und liebend. Das ist gut. Doch in dieser wohligen Gemengelage liegt auch ein Problem. Das Gemüt des fröhlichen Menschen neigt zum Übermut. Ich meine damit nicht meine Schwiegereltern, die im vergangenen Sommer das Golfspielen für sich entdeckten. Ich meine mich, der diese wunderbare Beziehung aufs Spiel setzte und sagte: Klar, lasst uns Golfen gehen.

Man muss weder Soziologe, Psychologe, noch geübter Golfer sein, um zu wissen: Auf dem Golfplatz ist schon viel zerbrochen, nicht nur der Driver im Wutgewitter. Ein falscher Satz, ein schlechter Tag mit mieser Laune und ich bin als neurotischer, gewalttätiger Schwiegersohn plötzlich eine Gefahr für die geliebte Tochter.

Rudergott und Tennislegende

Also, durchatmen. Wenn der talentierte Schwiegervater, früher Rudergott, mich plötzlich im Golf in die Schranken weist - lächeln und gratulieren. Wenn die Schwiegermutter, früher Tennislegende, die Putts locht, die ich lässig daneben lege - lächeln und gratulieren.

Über das Alter meiner Vorgesetzten will ich hier nicht eingehen, doch natürlich kann man das ungefähr nachrechnen, meine Frau ist natürlich kein Teenager mehr. In Deutschland sagen sie, so weiß es die Clubterrasse: Fang früh an mit dem Golfsport, spät ist schon zu spät. So hoffte ich - vergebens - auf lange Ballsuchaktionen, während denen ich gönnerhaft säuseln durfte "Ist nicht schlimm, den finden wir" und Gelegenheiten für gnädige Sprüche wie, "Ach komm, schlag noch einen."

Doch zu all dem kam es auf unserer ersten gemeinsamen Runde fast nie. Weil ich den Ball eben nicht nur halb so oft geschlagen habe wie die Flightpartner, weil mein Ball nach dem Abschlag eben nicht so viel weiter flog. Natürlich war ein Unterschied zu erkennen, ich bitte Sie, ich spiele jetzt auch ein paar Jahre Golf! Es wird jedoch nicht lange dauern und ich werde mich mit diesen talentierten Ballgeschöpfen harte Matches liefern, unterbewusst natürlich, aber wir werden alle mitzählen im Geiste. Und dann heißt es: Lächeln und gratulieren.

So etwas wünscht man sich für seine Tochter!

Doch noch lächelt der Golfgott auf mich herab. Denn meine Schwiegereltern merken noch nicht, wie weit sie schon sind. Zudem können sie meinen Schwung von dem eines echten Könners (noch) nicht unterscheiden. Ich schlage den Ball ein paar Meter weiter, sie jubeln: "Wow, den habe ich gar nicht mehr gesehen, so viel Wumms." Ich jage einen dünn getroffenen Ball hässlich übers Fairway - "super Bewegung!" Ein Putt aus drei Metern rollt knapp vorbei - "schade, Hammergefühl!"

Ich lächle und gratuliere mir selber. "Danke, spiele ja auch schon eine Weile." Ich fliege über den Platz, ich fühle Birdies und Par (es waren wenig Par und viele Bogeys), ich imaginiere auch das Bild in den Köpfen meiner Schwiegereltern: Kraft, schöne Bewegung, viel Gefühl - wer wünscht sich das nicht für seine Tochter! Ach, was sind die ersten Tage unserer Golf-Freundschaft für ein Erfolg.

Doch über allem schwebt die Angst: Es wird alles ganz schlimm enden. 1. Wenn sich einmal ein richtig guter Golfer unserer Gruppe anschließt. 2. Wenn meine Schwiegereltern auf dem Kurs das kleine Würstchen von der Edel-Salsiccia unterscheiden können. Beide Fälle werden unweigerlich eintreffen. Und dann heißt es, so weiß es das Internet: Die Erkenntnis ist die Tochter des Irrtums von gestern. Und ich dann ganz schnell der Irrtum der Tochter. "So ein Hochstapler." Scheidung, Verwahrlosung, Arbeitslosigkeit, keine Vorgesetzten mehr, dennoch ganz am Boden.

Ich muss eigentlich aufhören, Golf zu spielen, das ist aber unrealistisch. Es bleibt nur eine Lösung: Ich muss auf die Range, ganz schnell. Wumms, Bewegung, Gefühl. Kann doch nicht so schwer sein.

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Der Autor

Golf.de-Mitarbeiter Ben Zinger* musste sich monatelang die bösen Bemerkungen der Kollegen über sein Handicap gefallen lassen. Damit soll jetzt Schluss sein. Der gefühlte Endzwanziger hat ein Ziel: den Bogey-Golfer-Bereich schaffen - und vielleicht noch mehr? In seinem Blog schreibt Ben von Erfahrungen in der für ihn neuen Golf-Welt. (Die Anonymität soll ihm dabei alle Freiräume geben.)

*die Kollegen gaben ihm einen passenden Namen, der Zeichner Gerd Hilbig portraitierte den Junggolfer.

Ein Benzinger beschreibt einen Schlag, vorwiegend im kurzen Spiel, bei dem erst der Boden und dann der Ball getroffen wird. Man sagt auch: Er hat den Ball gebenzt. Der gespielte Ball ist daraufhin natürlich nicht wirklich brauchbar.

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