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Das erste Fitting: ein augenöffnender Selbstversuch

(B)Logbuch
 

Zwei Männer, eine Mission: Ein Fitting soll die Universallösung für alle Schwungprobleme liefern und allen Fehlschlägen Abhilfe leisten.

Dynamisch, Anfang 30 und noch voll im Saft, griffen zwei Männer naiv zum Blade und harten Schäften. Beide haben dazugelernt: Vor dem nächsten Schlägersatz soll ein Fitting zeigen, was sie alles falsch gemacht haben. Und ob vielleicht auch irgendetwas richtig war.

Und so geht es für das illusionäre Duo in Münchens Süden zum Fitting-Center des Golf Club Valley. Bei absolutem Kaiserwetter wird direkt noch eine Startzeit für die 18-Löcher-Runde ausgemacht, bevor es zum Fitting in die Hütte von Benjamin Wagner geht; inzwischen ist Wagner Tech Rep bei Mizuno. Schnell wird klar: Wenn wir hier nicht die richtigen Schläger finden, finden wir sie wohl nirgends.

An den Wänden hängen unzählige Schäfte aller bekannten Hersteller. Mehrere Regale sind gefüllt mit den aktuellsten Schlägerköpfen, eine kleine Werkstatt in der Ecke ermöglicht sofortige Anpassungen und die beiden Launch-Monitore runden das Bild des Fitting-Fanatikers ab.

"Schlagt euch doch schon mal kurz ein, bis die Systeme hochgefahren sind." Die ersten 20 Bälle werden auf die Range gejagt. Mit geschultem Auge werden wir vom Fitter beobachtet, der schon die ersten Schläger intuitiv zusammenschraubt. "Ok, wir können."

Das erste Fitting: ein augenöffnender Selbstversuch

Ich beiße nicht, aber muss es unbedingt ein Ladies-Flex sein?

Die ersten Referenzwerte liefert das eigene Eisen 7: Die Bälle fliegen recht ordentlich, steigen schnell und landen meist im Ziel. "Da ist noch viel Luft nach oben", holt uns Wagner mit seiner ersten Analyse zurück auf den harten Boden der Tatsachen. "Die Bälle steigen viel zu schnell und fallen wie ein Stein." Die Grafik auf dem großen Bildschirm verdeutlicht seine Aussage.

"Der Schaft ist zwar gut, aber nicht für deinen Stil. Du bist ein typischer Swinger." Mit anderen Worten: dynamisch ist anders. Der Schlag hat gesessen. "Probier' mal den Schläger." Die Gesichtszüge entgleisten weiter. Wagner drückte dem jungen Mann mit sportlichem Hintergrund ein Eisen mit Graphitschaft in die Hand. Ist das sein Ernst? Doch einen Versuch ist es wert. Nach dem Schlag folgt ein schneller Blick zurück auf den LCD-Bildschirm. "Wow." Sofort saust der Ball 15 Meter weiter durch die Luft. Aber muss es unbedingt Graphit sein?

Drei Schläge später folgt die gute Nachricht des Fitters: "Der Graphitschaft ist im Tip etwas zu weich für dich." Die Bälle beschrieben zwar weiterhin eine schöne und lange Flugkurve, landen aber gleichmäßig verteilt zu beiden Seiten des Ziels. "Du brauchst auf jeden Fall einen sehr leichten Schaft." Mit flinken Handbewegungen ist das neue Setup montiert und in den Händen des erleichterten Probanden.

Nach vier Schlägen steht fest: Der Schaft ist gefunden. "Jetzt musst du dich nur auf einen Schlägerkopf festlegen, der dir wirklich gefällt." Von dicken Schaufeln bis zum dünnen Blade werden unterschiedlichste Köpfe montiert, bevor die Wahl auf die AP2s von Titleist fällt.

Das richtige Material macht selbst Golf einfach(er)

Und ich hab' gedacht, mit dem Driver muss man sich einfach unwohl fühlen.

Versuchsobjekt Nummer zwei tritt auf die Matte. Wieder ist es das 7er Eisen, das Anhaltspunkte liefert. "Ok bei dir haben wir das genaue Gegenteil. Du bist ein Smasher." Auch Hacker genannt, der mit aller Wucht auf den Ball prügelt, bevor sich dieser gen Ziel bewegt. Nach einigen Schlägen stellt Wagner allerdings eine weitere Diagnose. "Mit einem leichteren Schaft müsstest du dich viel weniger anstrengen und könntest viel ruhiger schwingen." Die Alternative ruht bereits in seinen Händen.

Plötzlich geht der Schwung wie von selbst von der Hand. Kann Golf doch so einfach sein? Ja, es kann. Auch die nächsten Bälle fliegen zielsicher und treu. "Der Schaft gibt dir zwar nicht mehr Länge, aber du kannst viel müheloser schwing. Das bringt auf die gesamte Runde sicher ein bis zwei Schläge", lautet die Prognose.

Die Empfehlung des Fitters: Anstatt der 130 Gramm schweren Dynamic Gold sollten es im nächsten Satz die um 30 Gramm leichteren Schäfte von KBS werden. "So wirst du zwar nicht zum Swinger, aber brauchst nicht mehr ganz so draufzuhauen", sagt Wagner mit einem Schlag gegen die falsche Männlichkeit des einsichtigen Kandidaten.

Zurück zum Suboptimum: Nie wieder!

Mit dem guten Gefühl vom Fitting geht es dann raus auf den Platz. Mit den alten Schlägern. Mit den falschen Schäften. Zurück zum Suboptimum. "Wollen wir nicht lieber aufhören", heißt es vom Smasher schon nach der Annäherung zum ersten Grün. Das Divot flog weiter als der Ball. Die Dynamik im Schwung war dahin. Der Körper war noch euphorisiert vom lockeren Schwung mit den leichten Schäften. Und auch der Swinger muss erst wieder umdenken. Gerade eben hatte er doch noch sein Eisen 7 mit Leichtigkeit an die 150 Meter geschlagen. Nun muss er zwei Nummern höher ansetzen.

Doch das Greenfee war entlohnt, die Sonne jagte das Thermometer an die 30-Grad-Marke und der Platz vom Golf Club Valley hätte in keinem besseren Zustand sein können. Also wird weitergespielt. Aber das Fazit nach einer Runde, die von Stöhnen, Ächzen und fatalen Fehlschlägen geprägt ist, fällt eindeutig aus: "Erst wenn wir die neuen Sätze haben, setzen wir wieder einen Fuß auf den Platz." Mit dem falschen Material hatten wir früher spielen können. Damals, in der Zeit der Naivität, als wir nicht wussten, wie leicht Golf sein kann. Nachdem wir aber vom Wein der richtigen Schäfte gekostet hatten, ist der Schritt zurück zum abgestandenen Wasser bitter.

Doch wir haben die Formel gefunden, um Wasser in Wein zu verwandeln: Die neuen Eisensätze sind bestellt und auf dem Weg. Die alten Eisen auf immer in den Keller verbannt. In eine Ecke, in der sie keinen Schaden mehr an Leib, Seele und Score anrichten können.

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Über das (B)Logbuch

Turniere, Platztests, Pressekonferenzen, Produktvorstellungen: In den besten Momenten seines Jobs verlässt der Golf.de-Redakteur das Büro und bereist die Golf-Welt. Und weil es abseits von Ergebnissen, Zitaten und objektiven Bewertungen von unterwegs noch viel mehr zu erzählen gibt, nehmen wir Sie ein stückweit mit und berichten in diesem Blog von versteckten Major-Momenten, Organisationschaos, peinlichen Fauxpas und überraschenden Begegnungen.