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Unter den Augen des alten Tom Morris

Projekt: 30 Tage Golf
 

Tag 27: So langsam neigen sich die 30 Tage dem Ende zu. Insofern macht es durchaus Sinn, die Frequenz zu erhöhen und gleich 36 Löchern an einem Tag zu spielen. In Rosapenna mit den beiden Plätzen Old Tom Morris und Sandy Hills ist das kein Problem.

Tag 27: Nach einer ziemlich grauenhaften Nacht mit wenig Schlaf (irgendetwas in der Nähe meines Zimmers machte ab 3 Uhr früh einen ständig wiederkehrenden Piepton) stand ich nach einem kurzen Fitness-Programm um 9 Uhr auf dem ersten Abschlag des Old Tom Morris Links in Rosapenna. Meine Laune war dank des ständigen Aufwachens nicht die beste - aber was hilft gegen so etwas besser, als eine Runde Golf. Genau so war es dann auch.

Bei leichtem Morgentau, 15 Grad und ein paar Sonnenstrahlen spielte ich die ersten Löcher und merkte, dass es wirklich schlimmere Schicksale gibt, als in Irland ein paar Tage Golf spielen zu dürfen. Das sah man auch meinem Score an: Nach einem Bogey auf der 1 glückten mir einige Pars. Die Schläge wurden besser, dann richtig gut. Nach der 6 lag ich +2, lochte dann aber auf der 7 und 8 jeweils zum Birdie. Sollte heute vielleicht die Par-Runde gelingen? Das wäre doch was!

Ich spielte weiter richtig vernünftiges Golf, rettete auf der 9 das Par per Up-and-down und verpasste auf der 10, einem 414 Yards langen Par 4 mit anspruchsvollem Layout, nur knapp das nächste Birdie. Doch dann drehte sich das Blatt.

Von hinten fuhr eine ältere Dame im Cart mit ihrem Mann heran. Sie hatten mich nicht gesehen und wollten auf den zweiten Neun dem Stau am ersten Tee entgehen. Wir stellten und vor und ich fragte höflich, ob sie mitspielen wollten. So wurden wir zu einem 2er-Flight, denn Brian konnte wegen einer schweren Krankheit nicht laufen, freute sich aber, etwas frische Luft zu bekommen.

Ich freute mich zwar über die schottische Gesellschaft, aber leider sah mein Schwung, das unbekannte Wesen, das wohl anders. Bloß keine Veränderung, schien mir mein Unterbewusstsein zu sagen. Urplötzlich war meine Sicherheit verschwunden: Die Abschläge landeten im dicken Dünengras, die Annäherungen liefen über die brettharten Grüns und die Putts am Loch vorbei. Leider wurde das meiste von einem "fantastic shot" oder "great effort" meiner Mitspielerin bedacht. Wir unterhielten uns dennoch gut und suchten dann gemeinsam meine verzogenen Drives.

Insgesamt wurde es dann eine 79 (+8). Schon in Ordnung für einen unbekannten Links-Platz, aber nicht, wenn man nach zehn Löchern noch even Par liegt. Aber so ist das (Golfer-) Leben eben.
Verdammt enge Tee-Lines: Hier sollten die Abschläge sitzen

Am Nachmittag wartete schließlich die richtige Herausforderung: Sandy Hills Links, entworfen vom legendären Pat Ruddy. Diesmal von "the tips", den hintersten Abschlägen. Laut Scorekarte misst dieses Monster dann 7.183 Yards (6.568 Meter) bei Par 72. Die Länge war dann gar nicht so das Problem. Aber das hohe Gras und die Linien, die man spielen muss, sind einfach nur mörderisch. Zudem drehte auch der Wind noch etwas auf, so dass es endlich irische Verhältnisse gab. Ich wurde wegen einiger Vierer-Flights auf die 10 geshuttelt, mit einem Stirnrunzeln bedacht, nachdem ich erklärt hatte, von Blau spielen zu wollen - und schon ging es wieder los.

Ich startete mit einem sehr sauber gespielten Par und knallte danach ein 6er Eisen aus 170 Meter zweieinhalb Meter an den Stock. Kein schlechter Start, dachte ich mir, obwohl der Putt zum Birdie auslippte. Doch das sollte man auf einem Kurs wie diesem wohl nicht denken. Der nächste Abschlag, extra auf Sicherheit mit dem Hybrid gespielt, wurde vom Wind und meiner Unfähigkeit in das Dünengras verzogen. Erst der Provisorische landete auf dem Fairway. Beim Suchen wurde schnell klar: Das Gras ist im Vergleich zum Tom Morris-Platz eine ganz andere Liga. Hier findet man gar nichts. So war es dann auch die kommenden Löcher. Ich patzte auch die beiden kommenden Löcher vom Tee und kassierte nach der 7 ein Bogey und dann ein weiteres Triple-Bogey. Danach lief es wieder: zwei Pars und zwei Bogeys fanden den Weg auf die Karte.

Auf den ersten Neun war das Bild dann ähnlich. Teilweise gelangen mir Schläge, die ich auf Links-Plätzen noch nie spielen konnte (z.B. ein lupenreines Par auf der 6, dem schwersten Loch, nachdem ich ein 6er Eisen flach unter dem Gegenwind sechs Meter an die Fahne gespielt hatte). Dann war der Score wieder weg, da ich den Ball ins Gras verzog und nicht einen Ball wieder finden konnte (fünf Bälle verloren. Ruhet in Frieden!). Der Score war dann insgesamt natürlich unterirdisch und soll ein Geheimnis zwischen Mr. Old Tom Morris und mir bleiben. Aber ein paar positive Aspekte gab es durchaus. Acht Pars und fünf Bogeys waren auf diesem schweren Platz sehr in Ordnung. Und die Pitches, die ich die letzten Jahre nie spielen wollte, waren alle richtig gut. 

Zur Gemütsberuhigung sah ich mir dann noch die Bilder des jungen Rory McIlroy im Clubhaus an, der hier 2005 im zarten Alter von 16 Jahren den Scratch Cup gewann.







 

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30 Tage Golf

Golf.de Redakteur Timo Schlitz spielte vom 27. August bis zum 25. September 2014 insgesamt 30 Tage am Stück Golf. Seine Erfahrungen schildert er in diesem Blog.

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