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"Ohne Misserfolg gäbe es keine Fortschritt"

Inside Titleist
 

Matt Hogge leitet die Golfball-Entwicklungsabteilung von Titleist in New Bedford.


Seit 2000 ist Matt Hogge zuständig für die Koordination der Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Golfbälle bei Titleist. Nach seinem Master-Studium des Chemieingenieurswesens folgte er 2010 schließlich dem Vorbild seines Vaters und machte eine Ausbildung zum PGA Professional. Alles mit dem einen Ziel: "Zusammen mit meinem Team bessere Produkte zu entwickeln, sodass Leute besser Golf spielen können." Wir sprachen mit Hogge über den langwierigen Prozess der Golfballentwicklung und die Bedeutung der einzelnen Golfballkomponenten.

Golf.de: Kann man die Bausteine eines Golfballs spezifischen Leistungsmerkmalen zuordnen?
Matt Hogge: Für Golfer ist es wichtig zu verstehen, dass keine Komponente in irgendeiner Form alleine für einen Schlag verantwortlich ist. Es ist die Summer aller Bausteine und deren Zusammenspiel untereinander sowie mit dem Golfer, die für das Ergebnis verantwortlich sind. Die Anzahl und vor allem das Zusammenspiel der Schichten unterschiedlichen Materials sind entscheidend.

Aber es muss doch Anhaltspunkte geben, oder?
MH: Natürlich gibt es einige grundlegende Regeln. Für den Spin gilt zum Beispiel: Weiche Ebenen, die über härteren liegen, sorgen für größere Spin-Werte. Genau anders herum ist es bei den langen Schlägen, bei denen man die extrem dünne Außenhülle quasi nicht aktiviert, sondern effektiv die zweite Schale ins Spiel kommt, die im Vergleich zum weicheren Kern sehr hart ist. So hat man eine Kombination, die wenig Spin produziert. Daher ist das Mehr-Schichten-Design der Golfbälle, das auch bei den Pro V1-Modellen verwendet wird, so interessant. Es ermöglicht uns, Bälle zu konstruieren, die wenig Spin bei langen Schlägen und gleichzeitig viel Spin im kurzen Spiel erzeugen.

Die einzelnen Elemente eines Balls reagieren also unterschiedlich, je nach Art des Schlags?
MH: So ist es. Der Spieler, sein gewählter Schläger und die Art des Schlags bestimmen die einzelnen Performance-Faktoren. Der Ball weiß nicht, was Sie vorhaben oder mit welchem Schläger Sie spielen. Er reagiert nur darauf, wie er getroffen wird und ist dabei physikalischen Gesetzen unterworfen. Unsere Aufgabe ist es, allen Golfern bei vollen Schlägen maximale Länge zu bieten, ohne dass im kurzen Spiel die Kontrolle verloren geht.

Was spielt dabei die größte Rolle?
MH: Je mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit man entwickelt, desto mehr Interaktion zwischen den einzelnen Schichten wird bewirkt. Dabei muss ich gleich den Mythos aufklären, dass Golfer, die langsamer schwingen, den Golfball nicht komprimieren können. Jeder Golfer komprimiert den Golfball im Treffmoment. Unabhängig von Handicap, Geschlecht oder Alter. Ja, die Schlägerkopfgeschwindigkeit beeinflusst die Performance des Balls, aber genauso stark auch der verwendete Schläger. Es ist das Zusammenspiel aller Faktoren im Golfschwung, die auf den Ball einwirken und das Ergebnis bestimmen.

Wenn wir schon Golfer sind: Was ist verantwortlich für das Gefühl im Treffmoment?
MH: Zuerst einmal muss man wissen, dass Klang und Gefühl eng zusammenhängen. Das Material, das in der Konstruktion verwendet wird, bestimmt den Klang des Golfballs. Während wir uns zu Beginn nicht unbedingt auf den Klang konzentrieren, sind wir stark daran interessiert wie sich der Ball für die Spieler am Ende anfühlt.
Wir beginnen mit dem Fokus auf der Performance und wählen nach diesen Aspekten die Materialien aus. Erst danach werten wir aus, wie sich der Ball tatsächlich anfühlt. Dazu lassen wir eine Testgruppe sowie einige unserer Spieler auf der Tour den Prototyp spielen und werten deren Antworten aus.
Wenn sie sagen, dass der Ball zu hart oder knackig ist, müssen wir zurück zum Zeichenbrett. Aber in erster Instanz geht es uns um die Performance, erst danach um den Klang des Balls. Weil dieser individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird und auch stark vom Schläger abhängt, den der Golfer verwendet.

Sie sollen einmal gesagt haben, dass Sie bei der Forschung und Entwicklung in erster Linie von Ihren Fehlern lernen. Was bedeuten das?
MH: Die Entwicklung eines neuen Golfballs beinhaltet immer die Erstellung diverser Prototypen, um den besten herauszufinden. Im Zuge dessen lernt man deutlich mehr darüber, wie man einen Ball kreiert, der nicht den Anforderungen entspricht, als darüber, wie man die richtige Kombination findet.
Zu Beginn eines neuen Golfballs stellen wir aufgrund wissenschaftlicher Überlegungen Hypothesen auf, wie sich der Ball verhalten wird. Häufig verhält sich der Ball am Ende aber ganz anders, als wir das zu Beginn prognostiziert haben. Diese fehlerhaften Annahmen helfen uns dabei, herauszufinden, auf welche Aspekte man mehr Fokus legen sollte. So verfeinert man immer wieder die Richtung, in die man sich bewegt.

Das hört sich an, als ob es eine Menge Geduld erfordert.
MH: Gut Ding will eben Weile haben. Wir arbeiten nicht nur am nächsten Produkt sondern sind oft schon einige Generationen voraus. Wir beschäftigen uns jetzt schon mit Bällen, die wir zwar in der Zukunft für technisch machbar halten, aber jetzt noch nicht umsetzen können. Daraus entstehen dann Prototypen, aber wir haben noch nicht herausgefunden wie man sie in Serie produzieren kann. 
Natürlich erfordert das Geduld, aber bisher hat sie sich noch immer ausgezahlt. Aus diesem Grund werden wir auch niemals aufhören, unsere Produkte auf die Probe zu stellen und sind immer auf der Suche, wie wir den erfolgreichsten Golfball der Geschichte noch besser machen können.

Diese Liebe für Details erinnert mich an den Anspruch von Firmen wie AMG oder Porsche. Ist das ein passender Vergleich?
MH: In Sachen Leidenschaft, die unsere Arbeit prägt, auf jeden Fall. In unserer Geschichte ist das Streben nach einem immer besseren Produkt fest verankert. Jeder, der bei uns in der Forschung und Entwicklung arbeitet, strebt danach, Dinge zu verbessern. Wir können uns nie auf unseren Lorbeeren ausruhen, weil wir uns immer wieder selber vor die Herausforderung stellen, ein noch besseres Produkt zu entwickeln. Wir wollen die beste Qualität. Wenn das Vergleiche mit anderen großartigen Marken mit sich bringt, die ebenfalls diese Leidenschaft an den Tag legen, dann kann ich damit gut leben.

Vielen Dank für das Gespräch

Ein Blick hinter die Kulissen der Forschung und Entwicklung bei Titleist Der meistgespielte Ball im Golf wird Tag für Tag auf die Probe gestellt Wie ein verschobener Putt den Grundstein für ein Golfballimperium legte

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