Bild Information: Titleist Product Testing Manager Rich Daprato im Interview (Photo by Golf.de)

"Bei uns stoßen Golfbälle an ihre Grenzen"

Inside Titleist
 

Rich Daprato leitet die Test Facitlity von Titleist und stellt alle Prototypen auf die Probe.


Rich Daprato ist Product Testing Manager auf dem Testgelände von Titleist in der Manchester Lane. Seit mehr als 20 Jahren testet er die Golfbälle von Titleist und analysiert deren Ballflug und Verhalten, wenn sie landen. Golf.de hat die Test Facility im kleinen Örtchen Acushnet besucht und spricht mit dem Mann der Daten und Zahlen über den Einfluss von Wetter auf die Performance der Golfbälle.

Zum ausführlichen Bericht unseres Besucht bei der Manchester Lane Test Facility von Titleist

Golf.de: Wie sehr beeinflusst die Temperatur den Ballflug?
Rich Daprato
: Das ist eine der Fragen, mit denen wir uns ständig beschäftigen. Deswegen haben wir vor einigen Jahren einen Versuch dazu gemacht. Wir haben unter Umgebungsbedingungen von 23 Grad Celsius den Coefficient of Restitution (CoR, engl. Stoßzahl, im Golf auch Trampolineffekt; Anm. d. Red.). gemessen. Dann sind wir in die Extreme gegangen und haben das gleiche bei Temperaturen gemacht, in denen niemand jemals Golf spielen würde.
Eigentlich wollten wir das Ganze nur machen, um zu sehen, ob und wie schnell sich der Golfball von diesen extremen Bedingungen wieder erholt und in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Aber ein Nebeneffekt bestand darin, dass wir ein ziemlich gutes Bild davon bekommen haben, wie sich die Temperatur auf die Performance des Golfballs auswirkt.

Wie waren die Ergebnisse?
RD: Je kälter es wurde, desto geringer wurde der CoR und damit die Länge des Ballflugs. Dies hat sich deutlich gezeigt. Das genaue Gegenteil davon war zu beobachten, als es wärmer wurde. Die Ballgeschwindigkeiten nahmen zu und die Bälle sind weiter geflogen. Das klingt alles logisch, aber interessanterweise gab es eine Temperatur, ab der die Ballgeschwindigkeiten wieder abgenommen haben.
Aber es ist schwierig zu sagen, dass ein Golfball bei zwei Grad höheren Temperaturen eine gewisse Anzahl an Metern weiter fliegt. Es spielen einfach deutlich mehr Faktoren eine Rolle als nur der Coefficient of Restitution.

Welche da wären?
RD: Zum Beispiel die Kontaktzeit zwischen Golfball und Schläger. Je höher die Temperaturen, desto weicher das Material und desto höher die Reibung und die Kontaktzeit. Dadurch verändern sich nicht nur die Länge des Ballflugs, sondern auch dessen Abflugwinkel und Spin-Charakteristika. Eine veränderte Temperatur zur Normbedingungen von 23 Grad Celsius wirkt sich also nicht nur auf die Ballgeschwindigkeit aus sondern auf fast alle Parameter, die für den Ballflug verantwortlich sind.

Darf man annehmen, dass der Ball bei hohen Temperaturen auch höher fliegt?
RD: Interessanterweise ist das Gegenteil der Fall. Zumindest direkt nach dem Treffen. Durch die höhere Reibung wandert der Ball auf der Schlagfläche nach oben und fliegt flacher ab. Allerdings mit mehr Spin, wodurch er sich an seinem höchsten Punkt weiter nach oben schrauben könnte.
Aber ich kann Sie beruhigen: Dieser Effekt ist zwar messbar, aber ein normaler Golfer würde den Unterschied vermutlich nicht feststellen. 

Sie haben gesagt, dass ab einer besonders hohen Temperatur die Bälle wieder kürzen fliegen. Wann war das?
RD: Da müssen Sie sich auch keine Sorgen machen. Bei den Temperaturen würde kein Mensch freiwillig Golf spielen.

Und in der anderen Richtung? In Deutschland spielen wir auch manchmal bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt.
RD: Dazu haben wir keine expliziten Daten. Aber allein durch den Coefficient of Restitution nimmt die Ballgeschwindigkeit bei solch tiefen Temperaturen um mehr als zehn Meilen pro Stunde ab. Das entspricht etwa 20 Metern an Längenverlust; aber nageln Sie mich nicht darauf fest. Die Unterschiede können je nach Golfer größer oder kleiner ausfallen.

Was ist mit Regen?
RD: Wir testen nicht spezifisch den Einfluss von Regen auf den Ballflug. Das würde unsere Vergleichsdaten verfälschen, die wir seit mehr als 20 Jahren in dieser Einrichtung sammeln. Wir sehen uns mehr als ein Labor, das Golfbälle unter immer gleichen - oder zumindest vergleichbaren - Bedingungen testet und miteinander vergleicht.
Aber wenn Sie meine Einschätzung hören möchten, glaube ich nicht, dass Regen einen besonders großen Einfluss auf den Ballflug an sich hat. Den entscheidenden Unterschied, den Golfer auch wirklich sehen können, machen Rücken und Gegenwind aus. Darauf kommt es an und damit sollten sich Golfer auseinander setzen.

Mit Rückenwind fliegt der Ball weiter, bei Gegenwind kürzer. Das ist doch Erfahrungssache.
RD: So einfach ist das nicht. Ja, mit Rückenwind fliegt der Ball weiter als bei Gegenwind. Aber der Ball reagiert auch völlig anders in der Luft und bei der Landung. Bei Gegenwind steigt der Ball deutlich höher und hat einen steileren Landewinkel, während der Ball bei Rückenwind flacher fliegt und im Grün einschlägt.
Dadurch verhält er sich auf dem Grün komplett anders. Bei Gegenwind wird er deutlich mehr Spin haben und möglicherweise zu Ihnen zurückkommen, während er beim identischen Schlag mit Rückenwind durch das Grün hindurch rennt.
Sie haben allerdings Recht, dass es eine Erfahrungssache ist, wie sich die Bälle im Wind verhalten. Aber nur die eigentliche Fluglänge zu berücksichtigen, wäre zu kurzsichtig.

Wenn Sie Golfbälle testen, bevorzugen Sie Rücken- oder Gegenwind?
RD: Definitiv Gegenwind. Bei Rückenwind werden die Auswirkungen der Oberfläche auf die Aerodynamik verfälscht. Es wird alles abgeschwächt und nichtssagend. Bei Gegenwind ist das Gegenteil der Fall. Die Effekte werden verstärkt und offensichtlicher. Wenn sich ein Ball also im Gegenwind bewährt hat, ist das ein echtes Gütesiegel.

Das scheint alles sehr wissenschaftlich. Was halten Sie dann von Golfball-Tests, die von Golfmedien durchgeführt werden?
RD: Ich versuche, mich gar nicht damit zu beschäftigen. Denn meistens spiegeln deren Ergebnisse nicht das wider, was wir herausgefunden haben. Das soll jetzt nicht heißen, dass unsere Tests so konzipiert sind, dass die Bälle von Titleist immer gewinnen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen sehen, dass unsere Bälle an ihre Grenzen stoßen. Nur so können wir sie weiterentwickeln und verbessern.
Ich weiß nicht genau, wie andere Hersteller ihre Bälle testen oder Medien sie bewerten, aber ich bin der Überzeugung, dass unsere Testmethoden extrem verlässlich sind.
Wir haben beispielsweise einen Belastungstest, bei dem viele unserer frühen Prototypen keine zwei Wiederholungen überstehen, bevor sie zerbrechen. Bevor sie diesen Test aber nicht bestehen, kommen keine Bälle von Titleist auf den Markt.

Wie soll der gewöhnliche Golfer bei all der Komplexität den richtigen Ball für sein Spiel finden?
RD: Ich sehe es eher so, dass es der Golfer dank unserer Komplexität besonders einfach hat, den richtigen Ball zu finden. Weil wir uns während der Entwicklung so viele Gedanken machen und der Ball so viele interne Tests durchläuft, kann sich der Golfer da draußen sicher sein, dass er den Bällen von Titleist zu 100 Prozent vertrauen kann. Sei es in Bezug auf die Haltbarkeit, die Verlässlichkeit des Ballflugs oder die Performance selbst.
Man sollte aber nicht den Fehler machen, einen Ball nur deshalb zu kaufen, weil einem die Verpackung gefällt oder der Name gut klingt oder ein Freund den Ball spielt. Die Entscheidung sollte auf dem perfekten Zusammenspiel von Ball und Golfer passieren. Dafür braucht man natürlich nicht die Apparaturen, die wir verwenden. Er braucht nur zu einem Golfball-Fitting zu gehen

Vielen Dank für das Gespräch

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