Bild Information: Steve PelisekTitleist 917 Tech-Interview (Photo by Golf.de)

"Ohne Fitting funktioniert der beste Driver nicht"

Interview
 

Titleist hat mit den Drivern und Fairwayhölzern der 917er Serie erstmals Schläger im Programm, deren Schwerpunkt sich verstellen lässt. Neu ist das aber nicht.

Steve Pelisek, 56, weiß, wovon er spricht, wenn es um die neuen Driver, Fairwayhölzer und Co. von Titleist geht. Immerhin ist der Amerikaner "President Golf Clubs bei Titleist" und seit 1993 bei der Acushnet Holdings Gruppe dabei, zu der neben Titleist auch FootJoy und Pinnacle gehören. Er ist hautnah dabei, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht, gehört zu den Ersten, die frühe Prototypen zu Gesicht bekommen und ist mit allen Spielern auf PGA und European Tour per Du. 

Golf.de: Die größte Neuerung der Driver und Fairwayhölzer der 917er Serie sind eindeutig die verschiebbaren Gewichte. Die Idee ist aber nicht neu. Warum hat sich Titleist damit so lange Zeit gelassen?
Steve Pelisek: Es ist der gleiche Grund, warum wir mit dem ARC [vorgestellt in den Drivern 915D2 und D3, Anm. d. Redaktion] so lange gewartet haben. Wir hatten nicht das Gefühl, dass die Technologie ausgereift genug war, um sie auf den Markt zu bringen.

Am Active Recoil Channel hatten wir fünf Jahre lange gearbeitet. Ursprünglich hatten wir nur gedacht, dass es eine höhere Ballgeschwindigkeit bringen würde. Bei unseren Tests und Studien haben wir aber auch einen reduzierenden Effekt auf die Spin Rate gesehen. Deswegen hatten wir die Einführung nach hinten verschoben, um das Phänomen besser verstehen zu können.

Golf.de: Wie lange hat die Entwicklung der verschiebbaren Gewichte gedauert?
SP: Deutlich länger als fünf Jahre. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich den ersten Prototyp mit SureFit CG getestet habe. Schon damals hat es durchaus funktioniert. Aber zugleich war uns klar, dass unsere Entwicklungsabteilung noch jede Menge Arbeit vor sich hat. Denn die Unterschiede der verschiedenen Einstellungen waren zu extrem.

Aber das ist nicht so einfach. Zuerst einmal mussten sie sich um die physikalischen Gesetze kümmern. Danach stand der Klang des Drivers auf dem Punkt - wie bereits gesagt wollen wir, dass sich ein Titleist-Driver immer nach einem Titleist-Driver anhört. Dann müssen die Schläger auch wiederholbar hergestellt werden können und gut aussehen. Das ist ein langer Prozess und beinhalt enorm viel Arbeit bei unseren Designern und Entwicklern.

Ohne ordentliches Fitting kann der beste Driver nicht funktionieren

Golf.de: Andere Hersteller werben gerade mit den extremen Korrekturen, die mit ihren Drivern möglich sind.
SP: Schon, aber Titleist entwickelt keine Schläger, um gravierende Fehler im Schwung zu korrigieren. Wir entwickeln Schläger, die passionierten Golfern helfen sollen, ihren ganz persönlichen Ballflug konstant wiederholen zu können. Immer und immer wieder.

Gleichzeitig sollen unsere Schläger natürlich die höchstmöglichen Ballgeschwindigkeiten liefern, die besten Spin Raten für den eigenen Schwung ermöglichen und auch bei nicht ganz perfekten Treffern ordentliche Ergebnisse ermöglichen. Sodass man auch an einem schlechten Tag, an dem der Schwung nicht zu 100 Prozent sitzt, gute Ergebnisse spielen kann.

Aber wir behaupten nicht, dass man mit dem SureFit CG einen gravierenden Fehler ausgleichen könnte. Für uns ist er nur eine Möglichkeit zum Feintuning, das am Ende eines Fittings stehen sollte.

Buchen Sie online Ihr Golfschläger-Fitting bei einem der Fitting-Partner von Titleist oder in einem der drei nationalen Fitting-Centers (München OPEN.9, GC Am Alten Fliess und Green Eagle).

Golf.de: Wie sieht denn der Fitting-Prozess für die 917-Driver und -Fairwayhölzer aus?
SP: Zuerst sollte man sich die Parameter direkt nach dem Treffmoment ansehen. Damit kann man die wichtigsten Werte, wie Schwung- und Ballgeschwindigkeit sowie Abflugwinkel und Spin Rate mit dem richtigen Schaft (Flex und Länge) und dem passenden Loft optimieren.

Danach geht es um Feinheiten wie die Richtung, in die der Ball startet und wie sich der Ball während des Flugs verhält. Ersteres können wir mit unserem SureFit Hosel anpassen, mit dem wir den Lie Angle und die Stellung des Schlägerblatts verstellen können. Für das Verhalten des Balls in der zweiten Hälfte des Ballflugs haben wir SureFit CG entwickelt.

Mit SureFit CG unterstützen wir eine gewisse Flugkurve (Draw oder Fade) und reduzieren die Wahrscheinlichkeit der nicht gewünschten Kurve. Das erzeugt beim Spieler Selbstvertrauen. Wenn er keine Angst mehr hat, den Ball links zu verlieren, weil wir ihm SureFit CG auf einen Fade eingestellt haben, fühlt er sich sicherer. Beim Drive kommt es stark auf das Selbstvertrauen an. Plötzlich schwingt der Spieler energischer, erzielt höhere Schlägerkopfgeschwindigkeiten und damit größere Weiten.

Steve Pelisek im Interview mit Golf.de-Redakteur Adrian Kramer (Foto: Golf.de)

Golf.de: Die meisten Amateure sehen den Driver als ihren wichtigsten Schläger und bauen darum ihren Satz auf. Liegt das Augenmerk bei Titleist auch auf dem Driver?
SP: Leider sehen das viele Amateure so, das ist richtig. Für uns ist das wichtigste Produkt der Ball; bei uns der Pro V1 und Pro V1x. Denn nur den Ball benutzt man bei jedem einzelnen Schlag auf der Runde.

Bei den Schlägern messen wir jedem Produkt - egal ob Driver, Fairwayholz, Hybrid, Eisen, Wedge oder Putter - die gleiche Bedeutung zu. Denn auch passionierte Golfer [die Zielgruppe von Titleist, ohne dabei Einschränkungen in Spielstärke und Handicap einzugehen] wissen, dass sie jeden Schläger im Bag trainieren, beherrschen und dementsprechend separat auswählen sollten.

Golf.de: Spielt das Fairwayholz nicht eine spezielle Rolle in jedem Satz? Immerhin muss es aus allen möglichen Lagen gespielt werden.
SP: Bob [Vokey] und Scotty [Cameron] würden das gleiche wohl von ihren Schlägern sagen. Aber das Fairwayholz hat eine faszinierend einmalige Stellung. Sei es als Wahl vom Tee bei engen Spielbahnen oder einem langen Par 3. Sei es für den zweiten Schlag vom Fairway, aus dem Rough oder Fairwaybunker in lange Par-4- oder kurze Par-5-Bahnen. Es muss aus allen möglichen Lagen funktionieren. Das ist eine ziemlich große Herausforderung für die Designer.

Deshalb ist es so wichtig, die verbauten Technologien verstanden zu haben und so zu verwenden, dass sie genau das tun, was sie sollen. Das Fairwayholz muss beispielsweise so gespielt werden können, dass der Ball auf dem Grün anhält. Darauf muss man beim Driver nicht achten. Gleichzeitig darf es nicht zu viel Spin erzeugen, weil es sonst vom Tee nicht verwendet werden kann.

Golf.de: Wie finden Sie heraus, ob eine Technologie auch auf dem Platz funktioniert und nicht nur unter Laborbedingungen?
SP: Da kommen unsere Tour-Pros ins Spiel. Sie sind unsere größten Kritiker. Wenn sie mit einem Produkt nicht zu 100 Prozent zufrieden sind, lassen sie uns das sofort wissen.

Golf.de: Vielen Dank für Ihre Zeit.

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