Bild Information: Interview mit Bill Morgan, Chef der Golfball Entwicklung bei Titleist (Photo by Titleist)

"Einer haut immer auf den Putz"

Interview
 

Bill Morgan über Mythen beim Golfball und den Umgang mit Konkurrenz.


Bill Morgan ist Senior-Vizepräsident Forschung und Entwicklung (Golfbälle) bei Titleist. Seit 1986 ist Morgan bei Titleist, seit mehr als 25 Jahren leitet er Design und Konstruktion der Bälle. Wir haben ihn den "Erfinder des Pro V1" getroffen und einen kleinen Einblick in die Entwicklung von Golfbällen bekommen. Schon nach wenigen Minuten überkommt uns allerdings unwillkürlich das Gefühl, dass wir nur an der Oberfläche eines gigantischen Eisbergs krazen, wenn wir uns mit ihm über Kerne, Schalen, Mäntel und Dimples unterhalten.

Golf.de: Was ist der größte Unterschied der neuen Pro V1-Familie gegenüber der von 2015?
Bill Morgan: Der größte Unterschied ist mit Sicherheit die verbesserte Aerodynamik von Pro V1 und Pro V1x. Das liegt vor allem an einem neuen Gerät, das uns dabei hilft, die Gussform für die Dimples noch präziser zu fertigen. Dadurch wird jedes einzelne Dimple noch gleichmäßiger in puncto Form und Tiefe. Dimple für Dimple, Ball für Ball, Dutzend für Dutzend.

Durch die präziser gefertigten Gussformen konnten wir die Dimples auf der Oberfläche besser positionieren. Sie machen jetzt knapp 82 Prozent der Oberfläche des Balls aus, was die Aerodynamik deutlich verbessert hat.

Höhere Präzision durch eigene Produktion

Und dafür haben Sie damit begonnen, Ihre Gussformen selbst herzustellen?
BM: Mit den Formen unserer Zulieferer mussten wir leider minimale Ungenauigkeiten in Kauf nehmen. Um das zu vermeiden, hat Titleist von Anfang an alle seine Golfbälle selbst produziert.

Und genau deshalb erzeugen wir jetzt auch unsere eigenen Gussformen und Vorlagen. Weil wir der Meinung sind, sie präziser herstellen zu können, als alles, was man auf dem Markt kaufen kann. Und weil wir so besser kontrollieren können, dass jede Form identisch ist und wir mit ihnen Bälle produzieren können, die dem Golfer noch konstantere Ergebnisse ermöglichen.

Das klingt nach einem ziemlich zeitintensiven Prozess.
BM: Der manchmal schon durch das Fehlen der nötigen Rohstoffe zum Erliegen kommt. Wir haben so strenge Tests allein für das Metall, aus dem unsere Gussformen hergestellt werden, dass wir manchmal nichts anderes machen können, als warten. Aber wenn das nötig ist, um die besten Golfbälle auf dem Markt zu produzieren, lohnt sich das Warten.

Was bedeutet die bessere Oberflächenabdeckung für die Golfbälle?
BM: Die neuen Pro V1 und Pro V1x erzeugen einen noch gleichmäßigeren Ballflug. Schlag für Schlag. Wir sagen dazu, sie haben ein kleineres Fenster.

Anm. d. Red.: Das Fenster ist ein Bereich am höchsten Punkt des Ballflugs, dessen Länge und Höhe Titleist mit der Verbesserung deutlich verkleinert hat.

Haben die neuen Bälle dann auch mehr Dimples als früher?
BM: Nein, auf dem Pro V1 haben wir immer noch 352 Dimples. Allerdings hatten wir früher fünf verschiede Größen. Jetzt sind das nur noch vier. Beim Pro V1x sind es auch weiterhin 328 Dimples, aber anstelle von sieben nur noch fünf unterschiedliche Größen.

Aber das ist doch nicht alles, was Sie verbessert haben.
BM: Der Pro V1 hat zudem einen neuen Kern bekommen, den 'Motor des Balls'. Durch die neue Zusammensetzung erzeugt er das bekannte, weiche Gefühl im Treffmoment mit etwas höheren Ballgeschwindigkeiten und weniger Spin bei allen Schlägen. Mit anderen Worten: er fliegt noch einmal weiter.

Die Mitbewerber betreiben ziemlich aggressives Marketing und vergleichen ihre Bälle direkt mit Pro V1 und Pro V1x. Was denken Sie darüber?
BM: Ich wünsche mir oft, dass sie nicht über meine Golfbälle sprechen würden. Deshalb vergleichen wir uns auch nicht mit anderen Mitbewerbern. Natürlich haben wir ihre Produkte und testen sie mit unseren Geräten und wissen genau, was sie können und was nicht. In den vergangen 17 Jahren gab es immer irgendjemanden, der gemeint hat, er müsse auf den Putz hauen. Immer hat jemand behauptet, er würde einen besseren Ball produzieren als Pro V1 und Pro V1x. 

Aber bei Titleist macht man sich offensichtlich keine Sorgen darüber, am Ende des Jahres erneut "#1 Ball in Golf" zu sein?
BM: Natürlich machen wir uns darüber Gedanken. Wenn wir das nicht täten, würden wir aufhören, uns zu verbessern. Aber solange wir das tun, werden die Golfer uns und unseren Produkten vertrauen. Natürlich gibt es Mitbewerber neben uns und die Golfer haben die Wahl.

Aber wir werden weiterhin unserer Linie treu bleiben und versuchen, Produkte zu entwickeln, die es dem Spieler ermöglichen, ihre beste Runde zu spielen und das Spiel mehr zu genießen. Damit sind wir in der Vergangenheit gut gefahren und werden auch weiterhin diesen Weg gehen.

"Tour-Spieler sind einfach nur konstanter"

In der Vergangenheit hatten Pro V1 und Pro V1x noch deutlich mehr Dimples auf der Oberfläche. Warum?
BM: Vor 2011 hatte der Pro V1 392 und Pro V1x 332. Das liegt einfach an der Entwicklung des Balls und den Ergebnissen unserer Forschung. Damals haben wir herausgefunden, dass wir durch unterschiedliche Größen eine bessere Abdeckung der Oberfläche erreichen konnten und damit die Aerodynamik optimiert haben.

Durch die unterschiedlichen Formen der Dimples haben wir es geschafft, den Ball nicht nur besser fliegen zu lassen, sondern haben auch für mehr Roll nach der Landung gesorgt.

Durch das aktuelle Tetraeder-Dimple-Design haben wir im Vergleich zur Ikosaeder-Anordnung von früher eine einheitlichere Oberfläche. Das führt zu deutlich mehr Ebenen, die man durch den Ball ziehen kann, und in denen der Ball identische Ergebnisse erzeugt. Die neue Anordnung, die unterschiedlichen Größen und die besseren Gussformen haben über die Jahre zu einer deutlich einheitlicheren Oberfläche geführt, die zu einem deutlich konstanteren Ballflug führen.

Ist das 'kleinere Fenster' nicht eher nur für Tour-Spieler und Top-Amateure wichtig?
BM: Überhaupt nicht. Konstanz hilft Golfern jeder Spielstärke. Man erwartet ja schließlich ein gewisses Ergebnis. Dabei spielt die Wahl des Balls eine große Rolle. Wenn man die Variablen minimieren kann, die zu einem ungenauen Schlag führen, erhöht man die Erfolgschancen und damit die Wahrscheinlichkeit auf ein besseres Ergebnis.

Dadurch gewinnt man das Vertrauen, neue Dinge auszuprobieren und Schläge zu wagen, die man sich davor nicht zugetraut hat. Dadurch wächst das Schlagrepertoire und man wird ein besserer Golfer.

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Selbst den besten Spielern der Welt werden die Veränderungen am neuen Pro V1 und Pro V1x nicht sofort auffallen. Das 'kleinere Fenster' sieht man nicht dadurch, dass man ein paar Bälle auf der Range schlägt.

Mit der Zeit wird einem aber auffallen, dass - und das haben uns die Tour-Spieler gesagt, die seit einigen Monaten mit den neuen Bällen spielen - der Ball treuer fliegt, sich im Wind besser kontrollieren lässt und öfter im anvisierten Ziel landet.

Natürlich fällt nicht so konstanten Spielern der Unterschied der neuen Bälle erst etwas später auf. Aber er wird ihnen auffallen. In wiederholbar besseren Ergebnissen.

"Kompression ist nur eine Zahl mit wenig Aussagekraft"

Bei der Vorstellung neuer Bälle hört man immer wieder das Wort Kompression. Warum nicht bei Titleist?
BM: Pro V1x hat eine Kompression von 105 und Pro V1 von 90. Und was haben Sie jetzt davon? Es ist nur eine Zahl, die im Grunde recht wenig aussagt.

Also ist ein Ball von Titleist mit einer Kompression von 90 nicht genauso weich wie beispielsweise ein Ball von TaylorMade mit 90?
BM: Die beiden Bälle sind mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal mit dem gleichen Messgerät untersucht worden und schon deshalb überhaupt nicht miteinander zu vergleichen.

Aus diesem Grund konzentrieren wir uns auch nicht auf die Kommunikation der Kompression. Weil sich Leute zu sehr darauf versteifen und aus den Zahlen die falschen Schlüsse ziehen, etwa über das Gefühl.

Wovon hängt dann das Gefühl eines Golfballs ab?
BM: Zuerst einmal vom Material der Außenhülle. Im Fall von Pro V1 und Pro V1x Urethan. Danach hängt es von der Dicke und der Zusammensetzung der darunterliegenden Schale ab. Diese sind bei beiden Bällen identisch. Dann kommt eine Schicht aus Ionomer [thermoplastischer Kunststoff; Anm. d. Red.], die einen großen Anteil am Gefühl im Treffmoment hat. Jetzt kommt es: Beim Pro V1 ist diese Schicht dicker als beim Pro V1x, also müsste er sich eigentlich härter anfühlen.

Zuletzt ist da noch den Kern, der beim Pro V1x aus zwei Teilen besteht; einem sehr harten äußeren und weichen inneren. Der Kern des Pro V1 besteht dagegen nur aus einem Teil.

Jeder dieser Bestandteile hat einen eigenen Kompressionswert, der in Summe etwas völlig anderes widerspiegelt als die Kompression des gesamten Balls.

Beim Gefühl eines Golfballs spielt eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Vor allem aber eine, auf die wir noch gar nicht eingegangen sind: der Klang im Treffmoment. Hinzu kommt, dass diese Faktoren von unterschiedlichen Spielern unterschiedlich wahrgenommen werden.

Also ist die Entscheidung am Ende von Person zu Person unterschiedlich.
BM: Genau so ist es. Deshalb halten wir nicht viel davon, das Gefühl unserer Golfbälle auf die Kompressionszahl zu reduzieren. Das wäre zu einfach und würde nicht unseren Ansprüchen gerecht werden. Ich kann nur jedem Golfer empfehlen, sich entweder eine kleine Testpackung mit beiden Modellen (Pro V1 und Pro V1x) zu besorgen oder direkt zu einem Titleist Golfball-Fitting zu gehen.

Vielen Dank für das Gespräch

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