Bild Information: Thomas Disch Bushnell Marketing und Sponsorship Manager

"Wer beim Golfen betrügt, hat das Spiel nicht verstanden!"

Interview
 

Wer sollte ein GPS-Gerät verwenden? Sind Laser nur etwas für Single-Handicapper? Und wo geht der Weg von Laser-Entfernungsmessern hin? Thomas Disch hat Antworten auf all diese Fragen.

Thomas Disch (Handicap 1) ist leidenschaftlicher Golfer. Als Marketing und Sponsorship Manager bei Bushnell weiß er mehr über Laser-Entfernungsmesser und GPS-Uhren als die meisten anderen. Bei der Vorstellung der neuen GPS-Uhr neo iON und dem Entfernungsmesser Tour V4 im portugiesischen Oitavos Dunes haben wir die Gelegenheit genutzt und mit Disch über den Einsatz der beiden Geräte gesprochen, die Zukunft der Entfernungsmessung sowie die Gefahr des Betrugs durch die Regeländerung 14-3.

Golf.de: Wem empfehlen Sie GPS-Geräte - egal ob Uhr oder Handheld - und wem einen Laser-Entfernungsmesser?
Thomas Disch:
Ich würde sagen, dass Anfänger bis zu einem Handicap von 30 oder 25 mehr von einer GPS-Uhr profitieren würden. Gerade zu Beginn kommt es weniger auf die exakte Entfernung zur Fahne an und sie sind extrem einfach zu bedienen. Man hat die Angaben zu Beginn, Mitte und Ende des Grüns. Das genügt für Anfänger völlig.
Danach [ab einem Handicap von 20] ist ein Laser-Entfernungsmesser besser, weil man dann die genaue Distanz zum Loch wissen möchte, wann ein Hindernis aufhört und das Dogleg beginnt.
Wir haben in den letzten beiden Jahren die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Spieler zwischen einem Handicap von 15 und 25 einen Laser benutzen, weil es so leicht geworden ist, die Fahne zu messen. In der Vergangenheit hatte besonders diese Zielgruppe Angst, zu viel Zeit mit dem Lasern zu verlieren, den Spielbetrieb aufzuhalten und die Gruppe hinter sich zu verärgern.
Mit unseren Funktionen PinSeeker und Jolt ist es inzwischen aber so leicht geworden, dass auch durchschnittlich gute Spieler zu diesen Geräten greifen.

Schließt das ein GPS-Gerät für bessere Spieler aus?
TD:
Auf gar keinen Fall! Vielmehr ergänzen sich die beiden Technologien [GPS und Laser]. Gerade der Beginn und das Ende des Grüns sind für bessere Spieler enorm wichtig, weil sie das Grün nicht verfehlen möchten.
Ich spiele ein Handicap von 1 und habe zum Beispiel meinen neo Ghost [GPS-Gerät mit Gürtelclip] immer am Bag befestigt. So sehe ich schon die Distanz, wenn ich mir Gedanken über den nächsten Schlag mache. Außerdem habe ich direkt einen Anhaltspunkt, wenn ich zum Beispiel nur vorlegen kann.
In einem Turnier schaue ich gar nicht mehr ins Yardage-Buch oder auf irgendwelche Entfernungsmarkierungen. Alle wichtigen Angaben sehe ich auf meinem neo Ghost und die Fahne messe ich einfach mit dem Tour V4 ab. Den habe ich immer in der Tasche, weil er so klein ist.
Gerade weil GPS-Geräte besonders attraktiv für Anfänger sind, haben wir damals unser Portfolio auch dahingehend erweitert. Aber auch bessere Spieler und Pros können sie verwenden.

Kommt vielleicht bald ein Nachfolger zum Bushnell Hybrid, der Laser und GPS miteinander kombiniert?
TD:
Wir denken darüber nach. Ich kann zwar nicht mehr verraten, aber wir arbeiten daran. Der verbaute Laser im Hybrid ist sehr alt und langsam. Zwar hat sich die GPS-Technologie nicht sonderlich verändert, aber die neuen Laser sind deutlich schneller und einfacher zu bedienen. Ein neuer Hybrid steht definitiv auf unserer To-Do-Liste.

Seit Anfang 2016 sind durch den Anhang V der Regel 14-3 (Entfernungsmessgeräte erlaubt) auch GPS- und Laser-Entfernungsmesser im Turnierbetrieb zugelassen, die Angaben über die reine Entfernung hinaus machen (z.B. Messen von Gefälle, Wind, Temperatur), solange diese Funktionen während dem Turnier deaktiviert werden können.

Sehen Sie durch die Änderung von Regel 14-3 eine Möglichkeit für Betrüger?
TD:
Ich glaube nicht, dass das ein Problem sein wird. Natürlich wird die Turnierleitung nicht jeden Entfernungsmesser überprüfen können. Sie wird auf die Ehrlichkeit der Spieler vertrauen. Als leidenschaftlicher Golfer will ich es einmal so ausdrücken: Wer beim Golfen betrügt, hat das Spiel nicht verstanden.
Wer betrügt, betrügt nur sich selbst. Das Handicap mag zwar besser wirken, aber wenn man es nicht spielen kann, was hilft es einem dann? Die Golfer, die die Regeländerung ausnutzen, um zu betrügen, sollten sich schämen!

Wohin geht die Entwicklung von Laser-Entfernungsmessern?
TD:
Beim Messen der Fahne haben wir schon sehr viel erreicht, aber wir könnten daran arbeiten, Hindernisse besser zu erfassen; wie den Beginn und das Ende von Bunkern. Außerdem könnte man den Wind einbeziehen oder die verschiedenen Ebenen im Grün. Aber ich möchte nicht zu viel verraten. Nur soviel: Wir haben noch einigen Raum für Verbesserungen.

Wie sähe ihr idealer Laser-Entfernungsmesser der Zukunft aus?
TD:
Mit Bollé im Portfolio von Vista Sports könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Entfernung zu allen Hindernissen und der Fahne irgendwann einmal in das Brillenglas eingeblendet wird.
Unsere Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Wir haben das Glück, alle möglichen Marken unter einem Dach vereint zu haben und die unterschiedlichsten Technologien miteinander verbinden zu können. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns irgendwann ein weiterer Durchbruch gelingt. Genauso wie vor 20 Jahren, als wir den ersten Laser-Entfernungsmesser vorgestellt haben.

Warum nimmt Bushnell in erster Linie Caddies unter Vertrag und nicht die Spieler?
TD:
Nur sie verwenden unsere Geräte. Sie nutzen sie jeden Tag, um die Yardage-Bücher für die Spieler so präzise wie möglich zu halten. Die Spieler nehmen die Laser-Entfernungsmesser dagegen so gut wie gar nicht in die Hand.
Außerdem wollen wir sie damit etwas unterstützen. Die Caddies werden immer im Schatten der Spieler stehen. Dabei haben die meisten von ihnen extrem interessante Geschichte zu erzählen. Viele machen das Ganze seit 20 oder 30 Jahren. Sie kennen alle Spieler persönlich.
Sie verdienen diese Aufmerksamkeit. Sie tun viel mehr, als nur die Tasche zu tragen. Sie helfen ihnen, besseres Golf zu spielen, bauen ihr Selbstvertrauen nach schlechten Schlägen auf und gehören oft zu ihren besten Freunden. Die meisten Spieler verbringen mehr Zeit mit ihren Caddies als mit ihren Frauen.
Wir möchten ihnen etwas mehr Zeit im Rampenlicht geben und die Möglichkeit, ihre Geschichten zu erzählen.

Vielen Dank für Ihre Zeit.

Getestet von Golf.de: Bushnell Laser-Entfernungsmesser Tour V4 (2016) Getestet von Golf.de: Bushnell GPS Uhr neo iON (2016) Weitere Meldungen zu Bushnell, dem führenden Hersteller von Laser-Entfernungsmessern

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