Bild Information: Go Long or Go Home: Ist länger immer länger? (Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Go Long or Go Home!

Expertentipp
 

Je länger der Driverschaft, desto weiter fliegen die Bälle. In der Theorie mag diese Rechnung vielleicht aufgehen, die Praxis sieht allerdings oft anders aus.

Die Länge des Driverschafts ist immer wieder ein sehr spannedes Thema. Im Fitting-Prozess ist sie eine der Schlüsselkomponenten, um einen erfolgsversprechendes Setup für den Golfer zu finden. Zumal man bei den Profis erkennen kann, dass länger nicht unbedingt auch zu mehr Länge führen muss, wie uns das manche Hersteller immer wieder verkaufen möchten.

Hier einmal zwei interessante Fakten: Die durchschnittliche Länge der verwendeten Driverschäfte auf der PGA Tour liegt bei ca 44,5 Inch (113 Zentimeter), wobei zahlreiche Spieler (darunter auch Rickie Fowler und Jimmy Walker) sogar mit noch kürzeren Schäften durchaus erfolgreich unterwegs sind. Die modernen Driver der großen Hersteller haben dagegen eine durchschnittliche Driverschaftlänge von ca. 45,5 Inch (116 Zentimeter). Wie kommen diese großen Unterschiede zustande?

Ideale Driverschaftlänge ist ganz individuell

Um ihre neuesten Driver verkaufen zu können, muss sich die Golfindustrie jedes Jahr neue Technologien ausdenken, um ihre alten Modelle zu übertreffen. Immerhin muss der neue Driver weiter fliegen, sonst braucht man sich den Neuen ja nicht zu kaufen. Logisch! Das testen die Hersteller mit Schlagrobotern. Mit dem selben Kopf und den gleichen Spezifikationen erreicht dieser mit einem längeren Schaft mehr Länge als mit einem kürzeren Schaft. Auch logisch, weil sich der Schlägerkopf durch den größeren Radius länger beschleunigen lässt.

Deshalb sind über die Jahre die Driverschäfte immer länger geworden, sodass man den Ball theoretisch weiter schlagen kann als früher. Wie gesagt: Theoretisch! Das Problem ist allerdings, dass der Roboter keine persönliche Vorlieben oder gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringt. Der Roboter wird einmal kalibriert und trifft in der Folge jeden Ball immer an derselben Stelle auf dem Schlägerblatt.

Beim Menschen ist das allerdings anders. Egal, ob Amateur oder Profi. Wir fühlen, wie schwer sich der Schläger anfühlt und müssen uns bei jedem Schwung anstregen, um den Ball im Sweet Spot zu treffen. Oder zumindest möglichst nahe in der Mitte des Schlägerblatts. Hier ist die richtige Kombination aus Schaftlänge und Schwunggewicht wichtig (abgesehen von weiteren Faktoren wie dem Schaft selbst, dem Griff etc).

Bei den Fittings beobachten wir von Clubfixx häufig, dass Spieler/innen kürzere Driver viel dynamischer und kontrollierter schwingen können als Driver mit langen Schäften. Das Resultat sind mittig getroffene Bälle und längere Drives. Desweiteren kann man häufig beobachten, dass es eine bestimmte Schaftlänge gibt, bei der ein Spieler den Schläger am schnellsten und kontrolliertesten bewegen kann. Sie führt zu größerer Schlagweite und geringerer Streuung. Diese Kombination ist letztlich das Ziel jedes neuen Drivers und oft das interessante Ergebnis der passenden Wahl der Schaftlänge.


In der Grafik sieht man, dass ein kürzerer Schaft (unten) eine um ein Prozent geringere Gesamtlänge (vorletzte Spalte) produziert, die Genauigkeit allerdings um knapp 13 Prozent verbessert (letzte Spalte). (Photo und Review by MyGolfSpy.com)

Faktencheck: Go Long or Go Home!

In der Theorie kann man mit längeren Schlägern natürlich mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit erzeugen, wenn es die physikalischen Gegebenheiten des Spielers zulassen. Wenn sie es dagegen nicht zulassen und man den Ball nicht entsprechend trifft, nützt ein längerer Schaft im Driver allerdings herzlich wenig und hat in den meisten Fällen sogar Längen- und Kontrollverlust zur Folge.

Ein mittig auf der Schlagfläche getroffener Ball mit einer Schwunggeschwindigkeit von 135 Stundenkilometern (normaler Amateur) fliegt am Ende weiter als ein nicht getroffener Ball mit einer Schlägerkopfgeschwindigkeit von 155 Stundenkilometern (sportlicher Amateur).

Lassen Sie deshalb auf jeden Fall die Länge Ihres Drivers überprüfen. Es kann durchaus sein, dass Sie mit einem kürzeren Schaft bessere Ergebnisse erzielen können als mit einem längeren. Das wissen Sie aber erst, wenn sie beide Längen direkt miteinander verglichen haben.

Rickie Fowler hat übrigends vor Kurzem sein viertes PGA Tour Event mit einem 43,5 Inch kurzen Driver gewonnen. Ich bin mir sicher, dass viele Amateure ein Fairwayholz mit gleichlangem Schaft in der Tasche haben - machen sie sich darüber mal Gedanken!

Sportliche Grüße

Ihr Andreas Nottebaum


Wenn Sie herausfinden möchten, ob Ihre Schläger zu Ihrem Spiel passen, sollten Sie ein profesionelles Schaftfitting durchführen lassen. Die Preise für ein Fitting bei Clubfixx liegen bei 60 Euro pro Stunde. Jedes Fitting wird mit dem Trackman begleitet, um den Ballflug zu analysieren. Für ein ausführliches Fitting, bei dem das komplette Set überprüft wird, sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen.

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Marco Burger | HoleInOne-Fitting

Marco Burger ist mit einem Handicap von +0,1 einer von drei Fittern bei HoleInOne-Fitting in Eichenau (bei München).

Aufgrund seines Studiums der Biomechanik an der TU München analysiert er seit Jahren Amateure wie Profispieler bezüglich ihrer Bewegung und Ausrüstung.

Burger hat einige Jahre in der Longdrive-Szene mitgemischt und war zudem zwei Jahre bei TaylorMade in Herzogenraurach. Dort hat er bereits Spieler verschiedener Profi-Touren gefittet, bevor er sich in München auf sein Masterstudium und Start-Up konzentriert hat.

  • Bachelor in Sport Science (2010)
    • Fokus: Biomechanik
  • Master in Human Factors Engineering (2015)
    • Fokus: Sports Engineering
  • C- und B-Trainerlizenz
  • Custom Fitting Adidas/TaylorMade
  • SAM BalanceLab Instructor
  • SAM PuttLab Instructor
  • Fitter of the Year 2013/2014 (KZG)

Andreas Nottebaum | clubfixx

Andreas Nottebaum ist Geschäftsführer von Clubfixx in Neuss.

In seiner Werkstatt passt er Schläger individuell an, unter anderem für die deutsche Tour-Spielerin Caroline Masson.

Der Fully Qualified Golf Professional blickt auf eine langjährige Erfahrung im Fitting und Vertrieb von Golfschlägern zurück und kennt sich dank seines sportlichen Hintergrunds (Deutscher Meister, National-Kader- und Bundesligaspieler) im Golfbusiness bestens aus.

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