Bild Information: Da ist das Ding: die siegreiche deutsche Mannschaft mit der traditionsreichen Jean-Louis Dupont Trophy. (Foto: DGV)

Die perfekte Sensation

Team-EM Jungen
 

Die deutschen Jungen sind Mannschafts-Europameister! In einem packenden Finale erkämpft das Team um Coach Christoph Herrmann den Sieg gegen Italien.

„Immer weiter“ - so lautet das Mannschaftsmotto des Junior Team Germany. Und genau so sollte es am Ende auch sein. Denn immer weiter hat es die noch so junge und international unerfahrene Auswahl von Nationaltrainer Christoph Herrmann getragen. Zuerst bis zum Sieg in der Zählspiel-Qualifikation. Und dann so weit, bis es einfach nicht mehr weiter ging. Bis am Ende das oberste der drei Podesttreppchen erreicht war. Bis am Ende sogar der Sieg über die so kämpferischen Italiener da war.

Unnachgiebig haben die sechs Spieler und der Stab im Furesø Golfklub an ihrer Einstellung gearbeitet. An ihrer Spieltaktik und vor allem an ihren Routinen, ihrem Denken, ihrer Körpersprache. Den Sieg vor Augen und doch vor der Demut verbeugt. Nie das Gegebene akzeptierend, sondern immer weiter. All das mit einer Mannschaft, die für die Perspektive zusammengestellt worden war. Für Erfolge, die in der Zukunft liegen sollten. Und plötzlich ist die Zukunft jetzt.

Starke Italiener

Jeder im Team ist komplett außer sich - und zwar im positivsten aller Sinne. Denn wer hätte zu Beginn der Woche schon mit diesem Abschneiden gerechnet? Die Italiener wurden als taffe Gegner eingeschätzt. Beide vorangegangenen Matchplay-Runden gewannen sie im Stechen. Die Südeuropäer hatten also alle Gelegenheit, ihren Kampfgeist zu erproben und ihn mit Erfolg zu belohnen. Und tatsächlich waren sie wehrhafte Gegner, die die Goldmedaille alles andere als herschenkten. Und das Zwischenergebnis nach den beiden morgendlichen Vierern gehörte sicher zu den trügerischen Momenten.

Zwar konnten sowohl Carl Siemens (Berliner GC Stolper Heide) und Tom Haberer (GC Hannover) als auch Tiger Christensen (Hamburger GC) und Yannick Malik (GC St. Leon-Rot) ihre Vierer gewinnen. Doch schon hier zeigte sich die kämpferische Klasse der Italiener. Der erste Punkt ging erst am 18. Grün per 1auf an Deutschland. Der zweite Punkt konnte immerhin am 16. Grün entschieden werden.

Mit zwei Punkten in der Tasche benötigte das Junior Team Germany aus den nun anstehenden fünf Einzeln lediglich noch zwei Punkte für den Sieg. Aber ebenjene zwei Punkte wollten die Italiener nicht hergeben. Und zu allem Überfluss gab es eine zweistündige Unterbrechung aufgrund von starkem Regen. Die Grüns standen unter Wasser. Diese Pause schien der deutschen Mannschaft nicht gut zu bekommen, denn sie startete mit spürbaren Schwierigkeiten.

Zähes Ringen um die Oberhand

Über lange Zeit lagen Tim Wiedemeyer (Münchener GC) und Tom Haberer (GC Hannover) all square. Finn Kölle (GC St. Leon-Rot) und der als Schlussspieler gestartete Tiger Christensen (Hamburger GC) fielen zurück. Einzig Yannick Malik (GC St. Leon-Rot) gelang es, eine klare Führung herauszuarbeiten. Das Match zog sich zäh über den Nachmittag und Italien hielt an seinen noch vorhandenen Chancen fest.

Auf den Back Nine bekamen die Deutschen dann aber doch die Oberhand. Zunächst konnte der spät gestartete Malik seine Partie gegen Sebastiano Frau mit einem frühen 5&4 zu Ende bringen. Und dann war es an Tim Wiedemeyer, der im ersten Einzel spielte. Er lag am 16. Grün mit 2auf dormie. Bahn 17 ging dann allerdings per Birdie an Elia Dallanegra, als Wiedemeyers langer Birdie-Putt auslippte. An Bahn 18 kam es dann also zum unvermeidlichen Showdown.

Doch Wiedemeyer spielte seinen Ball vollkommen abgeklärt. Und als Dallanegra seinen Birdie-Putt vergab, konnte der Süddeutsche routiniert zum Par lochen, die Bahn teilen und das Match gewinnen. Genau an dieser Stelle war der Sieg perfekt. Der hinter Wiedemeyer spielende Tom Haberer sicherte - pro forma - einen weiteren halben Punkt, während Finn Kölle (GC St. Leon-Rot) seine Partie mit 3&2 verlor. Und Tiger Christensen, der in diesem Turnier bislang alle seine fünf Matches gewann, gab seinen heute bedeutungslosen Punkt per 5&4 ab.

Unbeschreibliche Emotionen

Der Endstand lautet 4,5:2,5. Die Platzierung lautet: Sieger. Und für den Nationaltrainer Christoph Herrmann geht eine absolut unglaubliche Team-EM zu Ende: „Es war ein Wahnsinns-Tag gegen Italien, die eine sehr gute Truppe haben. Wir sind heute morgen in beiden Vierern deutlich auf gegangen. Wir haben diesen Vorsprung dann nochmal eingebüßt, konnte aber am Ende beide Punkte für uns gewinnen. Die Einzeln konnten dann erst nach einer Unterbrechung gespielt werden. Und diese Unterbrechung hat uns gar nicht gut getan, um an den Vormittag anzuknüpfen.

Es war aber extrem beeindruckend zu sehen, wie die Jungs sich hier zurückgekämpft haben. Insgesamt ist dieser Sieg eine absolute Mannschaftsleistung, denn jeden Tag waren es andere Spieler, die die Punkte geliefert haben. Die Emotionen, die nach dem entscheidenden Punkt über uns hereingebrochen sind, kann man gar nicht in Worte fassen. Dieser Spannungsbogen über das ganze Jahr, der dann in diesem einen Moment gipfelt. Es ist einfach nur fantastisch.“

Im Spiel um Bronze gewann Schweden gegen die Tschechische Republik mit 5:2.

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