Bild Information: Die Sieger finden nach der Entscheidung im Jubel zusammen (Foto: DGV/stebl)

Finale! Deutschland schlägt Irland

Team-EM Jungen
 

Ein absolutes Traumfinale steht bei der Team-EM der Jungen in Chantilly an. Deutschland trifft auf Gastgeber Frankreich. Im Halbfinale setzt sich Deutschland nach lange sehr souveräner Leistung in einem am Ende doch noch spannenden Endspurt durch, während Frankreich eher enttäuschende Schweden aus dem Weg räumt.

Chantilly/Frankreich – Die tollsten Geschichten schreibt der Sport! Tiger Christensen, 15-jähriger Benjamin im Team von Bundestrainer Christoph Herrmann, blieb es vorbehalten, den alles entscheidenden Punkt zu holen.
Die Art und Weise, mit der der Spieler des Hamburger GC dies machte, nötigt Respekt ab. Der Youngster traf auf Aaron Marshall und geriet schnell in Rückstand. Nach fünf Bahnen führte der Ire mit 2auf, aber der Tiger ließ sich nicht beeindrucken und spielte wie im Tunnel sein Spiel.


Beim Kreuz zur Backnine hatte Christensen ausgeglichen und ging direkt danach erstmals in Führung. Auf Bahn 14 erhöhte der deutsche Nachwuchsathlet auf 2auf, musste auf der 15 aber nochmal ein Loch abgeben. Auf der beeindruckenden Bahn 16 nutzte der Hanseat eine kleine Schwäche des Iren und erhöhte wieder. Dormi 2 ging es auf das 17. Tee. Der Showdown nahm seinen Lauf.

Showdown

Marshall legte auf dem Par 4 seinen zweiten Schlag auf weniger als einen Meter an den Stock und hatte sein Birdie praktisch sicher. Tiger Christensen selbst traf zwar auch das Grün, hatte aber noch gute acht Meter zur Dose. Eiskalt schob der Youngster, der in Sotogrande die internationale Schule besucht, um im Süden Spaniens die optimalen Trainingsbedingungen zu nutzen, den Ball ins Loch.
Der Jubel der Zuschauer war bis zum Clubhaus zu hören und die anderen Matches, die noch nicht beendet waren, brauchten einen Moment, bis die Bestätigung für das grandiose Finish eines erst zum Ende hin richtig spannenden Halbfinales kam.

Lange souverän

Nachdem am Morgen jede Mannschaft einen Vierer gewonnen hatte, sicherte Jonas Baumgartner mit einem nie gefährdete 6&5-Sieg zeitlich früh den ersten Punkt der Einzel, obwohl er erst im vierten Match gestartet war.
Frederik Schott lieferte ein sehenswertes Match gegen Tom McKibbin und lochte fast nach belieben aus langen Distanzen. Da auch der Ire eine starke Leistung bot, endete das Match auf dem 16. Grün mit 3&2 für den Bundesadler, der ganz passend zu diesem Match aus mehr als zehn Metern einen Ball versenkte.


Zu diesem Zeitpunkt lag auch Laurenz Schiergen noch sehr komfortabel mit 3auf in Front. Mit einem Vierputt auf dem 13. Grün machte der Kölner seinem Kontrahenten die Tür aber wieder einen Spalt weit auf. Als der Spieler von der Hummelbachaue auch noch das 14. Loch abgab, stand dieses Match plötzlich wieder auf des Messers Schneide und damit schien auch ein Sieg der Iren wieder möglich. Tiger Christensen machte dann aber eben doch den Deckel drauf und räumte alle Zweifel aus dem Weg.
Laurenz Schiergen stand mit einer 1auf-Führung auf dem 15. Grün, als der Jubel von Grün 17 herüber schallte. Sowohl dieses Match, wie auch das Duell von Philipp Katich gegen Luke O´Neill stehen als geteilt in den Büchern.

Philipp Katich lieferte sich ein Duell auf Augenhöhe mit Luke O´Neill. Nie gelang es einem der beiden versierten Spieler, sich abzusetzen. Schon bei der German Boys Open in St. Leon-Rot hatten die beiden sich ein Duell geliefert, bei dem am Ende der Ire jubeln durfte und seinen größten Titel holte.

Das Endergebnis des Halbfinales wird mit 5:2 in die Historie der Team-EM eingehen.

Fünfte Finalteilnahme

Deutschland hat damit zum erst fünften Mal das Finale erreicht und hat mit Gastgeber Frankreich einen Gegner zu spielen, der sicher nicht zu unterschätzen ist. Der glatte 6:1-Sieg Frankreichs gegen Schweden kam allerdings ohne große Höhepunkte zustande, weil sich die Skandinavier früh in ihr Schicksal ergaben und auch dann nicht in den Kampfmodus fanden, wenn die Gastgeber ihnen die Tür ein gutes Stück weit öffneten.

Die Vierer

Am Vormittag liefen zwei sehr unterschiedliche Vierer, so dass es fast schon logisch vor den fünf Einzeln 1:1 stand.
Im ersten Vierer trafen Philipp Katich und Frederik Schott auf Luke O´Neill und Tom McKibbin. Der irische Sieger der Germany Boys 2019 und sein Partner spielten praktisch fehlerfrei und legten eine taktisch derart reife Leistungen vor, dass man fast den Eindruck gewinnen konnte, die beiden hätten vor der Runde persönlich mit dem Golfplatzarchitekten besprochen, wie jede einzelne Bahn zu spielen ist. 110 Jahre, nachdem der Brite Tom Simpson den Old Course von Chantilly gebaut hat, haben zwei Jugendliche aus Irland dessen Ideen fast perfekt umgesetzt und es damit ihren Kontrahenten sehr schwer gemacht, ins Spiel zu kommen.
Das kraftvollere und athletischere Spiel der beiden Deutschen zahlte sich in diesem Duell nicht aus.
Schon auf Bahn eins ging Irland in Front. Zwar gelang Katich und Schott sofort der Ausgleich, aber danach sammelten die Iren fleissig Lochgewinn auf Lochgewinn. Dormi 6auf ging es auf das 13. Tee. Am Ende gewannen O´Neill und McKibbin glatt mit 6&4.

Präzise und sicher

Genau andersherum verlief der zweite Vierer. Jonas Baumgartner und Laurenz Schiergen lieferte eine tolle Performance ab und zeigten viele phantastische Schläge, so dass es früh zu einer deutlichen Führung reichte, die dann auch nicht mehr abgegeben wurde. Teilweise waren die Schläge ins Grün zwingend und machten die Putts zu einer Formsache.
Andererseits brachte dieser Drang, immer genau auf die Fahne zu gehen, auch Situationen, in denen das deutsche Duo augenscheinlich unnötig viel Risiko nahm. Als Baumgartner und Schiergen schon klar mit 3auf führten und die Iren sich kreuz und quer durch das Gelände spielten, hätte es mitunter zum Lochgewinn gereicht, das Grün auf der sicheren Seite anzuspielen und mit zwei Putts das Par zu halten. Stattdessen landeten zwei Schläge, die im optimalen Fall voll auf die Fahne hätten gehen können, zweimal an Stellen, die jeweils das Par in Gefahr brachten. Bestraft wurden diese Fehlschläge dennoch nicht, denn die Iren waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie noch einmal hätten herankommen können. Am Ende sicherten sich Jonas Baumgartner und Laurenz Schiergen gegen Aaron Marshall und Joshua McCabe einen nie gefährdeten 5&4-Sieg und setzten damit den Zwischenstand vor den Einzeln quasi auf Anfang.

Das sagt der Bundestrainer

Bundestrainer Christoph Herrmann fiel nach der erlösenden Nachricht vom 17. Grün seinem Kapitän Chris Marysko in die Arme und beide verharrten einen Moment in stiller Freude. Auch dieses Halbfinale hatte mental viel Kraft gekostet, auch wenn die Leistung des Teams insgesamt hervorragend war: „Wir freuen uns riesig, dass es uns gelungen ist mit einer Leistungssteigerung gegenüber gestern die Iren zu bezwingen und damit ins Finale um die Europameisterschaft einzuziehen. Das gelingt deutschen Mannschaften nicht so häufig und deshalb erfüllt uns dies mit Stolz. Mit großer Vorfreude geht es am Finaltag gegen die Gastgeber. Phantastisch!“
Die Vierer mit einem Sieg und einer Niederlage analysierte der Bundestrainer sachlich: „Das hat uns in eine bessere Ausgangslage als im Viertelfinale gebracht. Trotzdem ist es wichtig, dass alle fokussiert in den Nachmittag gehen. Die Einzel haben sich bisher als unsere Stärke erwiesen. Es ist uns gut gelungen, durchzuziehen. Es sah teilweise relativ deutlich aus, auch wenn es in den einzelnen Matches wahnsinnig hart und umkämpft war. Die Iren sind eine starke Mannschaft, die mit den Bedingungen auf dem Platz gut zurecht gekommen sind und uns wirklich alles abverlangt haben. Es sieht am Ende zwar eindeutig aus, war aber schwer erkämpft.“
Voller Optimismus blickt der Bundestrainer auf das Finale: „In Frankreich gegen Frankreich – das sagt eigentlich schon alles! Die Franzosen haben sich bislang keine Blöße gegeben und mit Spanien und Schweden zwei Top-Favoriten beeindruckend und eindeutig aus dem Rennen geworfen. Dazu haben die Franzosen noch das Heimpublikum im Rücken und den Heimvorteil eines Platzes, den die Spieler Frankreichs besser kennen als alle anderen Nationen. Wir werden trotzdem mit allem, was wir haben dagegen halten und freuen uns riesig auf diesen emotionalen Fight um die Krone in Europa. Wir sind voller Zuversicht und vertrauen auf die Leistung, die wir bringen können. Wir werden die Mannschaft gut einstimmen und morgen mit großer Freude ins Finale gehen, um die Goldmedaille zu gewinnen. Silber haben wir schon sicher, was schon eine tolle Sache ist, aber zweifellos wollen wir im Finale das Ding holen. Dafür werden wir alles in die Waagschale werfen!“

Weitere Stimmen vom Tag

Laurenz Schiergen, der am Morgen mit Jonas Baumgartner einen sehr überzeugenden Vierer abgeliefert hatte, war mit seinem Spiel insgesamt sehr zufrieden: „Im Vierer mit Jonas konnten wir über die ganze Runde eine konstante Leistung zeigen. Auch im Einzel habe ich gut gespielt, wobei ich auf der Frontnine viele Birdie gemacht habe. Auf der Backnine sind mir noch ein oder zwei Fehler unterlaufen, die jedoch nicht zum Tragen gekommen sind. Mir gibt das Einzel mit einer 2auf-Führung bei noch drei zu spielenden Löchern ein gutes Gefühl für morgen. Frankreich hat bis jetzt überzeugt, aber wir müssen uns absolut nicht verstecken und die verbesserte Leistung von gestern und heute stimmt mich positiv.“
Schiergens Viererpartner was vor allem vom Teamspirit angetan. „Der Tag heute ist einfach sehr gut für uns gelaufen. Jeder hat für jeden gespielt, deswegen denke ich, dass wir mit der besten Einstellung ins Finale gehen können“, so der Höseler, der auf Bahn sieben aus 133 Metern seinen Schlag zum Tap-In an den Stock gezaubert hatte.


Marcus Neumann, Vorstand Sport im Deutschen Golf Verband, hatte das Halbfinale in Chantilly vom ersten bis zum letzten Schlag erlebt und war vom Spiel der Burschen des Junior Team Germany sehr angetan. „Ich habe heute ganz viele tolle Schläge gesehen. Das lässt auf ein großes Finale morgen hoffen. Die taktische Einstellung der Mannschaft hat großartig gepasst, wie auch die Aufstellung, die Trainer und Kapitän entwickelt haben. Klasse!
In diesem Jahr sind unsere Mannschaft so erfolgreich wie bisher noch nie. Wir hatten alle vier Teams im Flight A. Noch nie hatten wir so gute Platzierungen in der Zählspielqualifikation. Es ist ganz großartig, dass drei Mannschaften im Halbfinale standen und die Jungen noch den ganz großen Coup landen können. Ich drücke allen Teams für den Finaltag die Daumen!“

Finale: Startzeiten 8.20 und 13.40 Uhr
Das Finale auf dem hinreißenden Platz des GC Chantilly beginnt um 8.20 Uhr. Auf Tee 1 gehen dann die beiden Vierer raus. Freddy Schott spielt mit Tiger Christensen gegen Nathan Trey und Claude Churchward. Um 8.30 Uhr gehen Jonas Baumgartner und Laurenz Schiergen als eingespieltes Duo gegen Nicoals Muller und Charles Larcelet raus.
Die fünf abschließenden Einzel werden ab 13.40 Uhr gestartet.
Eine Stunde nach dem letzten Putt wird die Siegerehrung beginnen.

Endstand ZS Endstand Halbfinale Livescoring Finale

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