Bild Information: Freude über den Sieg im Vierer: Falko Hanisch und David Rauch (Foto: DGV/stebl)

Italien zu clever! Deutsche Jungen verpassen Halbfinale

Team-EM 2017
 

Die Vierer im Viertelfinale der Team-Europameisterschaft der Jungen verlaufen hochemotional und extrem spannend. Die Athleten machen es richtig eng und sorgen für einen ständig hohen Adrenalinpegel aller Beteiligten. Vor den fünf Einzeln steht es im spanischen La Manga 1:1. Am Nachmittag läuft dann einiges nicht optimal und so setzen sich am Ende die Italiener glücklich mit 4,5:2,5 durch, obwohl alle Matches sehr eng sind und auf Augenhöhe geführt werden.

La Manga/Spanien – Sechs Birdies waren bei Falko Hanisch und David Rauch nötig, um ihren Vierer gegen die italienischen Konkurrenten zu gewinnen. Zwischenzeitlich führten die beiden Spieler des Berliner GC Stolper Heide mit 2auf, mussten dann aber auf Grün 14 den Ausgleich hinnehmen. Auf dem 16. Grün lochte Falko Hanisch einen Birdieputt aus mehr als 20 Metern und zog damit den Konkurrenten, die selber auf nur rund fünf Metern ebenfalls zum Birdie lagen, den Zahn. Der Jubel war weithin zu hören. Auf dem 17. Grün legte das Duo Hanisch/Rauch ein weiteres Birdie nach und machte mit 2&1 den Sack zu.

Nick Bachem und Jannik de Bruyn lagen nach der Frontnine 4down und alles sah nach einem glatten Sieg für die italienischen Kontrahenten aus. Aber das rheinische Duo gab nie auf, kämpfte sich bis Bahn 12 wieder auf 2down heran, gab dann aber wieder eine Bahn ab. Dormi ging es mit 3auf für die Südeuropäer auf das 16. Tee.

Mit einem unbändigen Willen holten Bachem und de Bruyn die nächsten beiden Bahnen, fanden unter Druck zur Bestform und feuerten sich gegenseitig kräftig an.

Auf dem 18. Grün lagen beide Bälle etwa gleich lang zum Birdie. Der deutsche Putt blieb zum Tap-In an der Lochkante liegen und auch der Putt der Italiener war gut, so dass die beiden Spieler des Junior Team Germany doch mit 1down das Nachsehen hatten. Hängende Köpfe sah man dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: dieser Ausgang des Matches setzte frische Kräfte frei.

Einzel

David Rauch ging als erster Deutscher in die Einzelmatches. Gegner war Massimiliano Campigli. Beide lieferten sich ein Duell mit vielen sehr guten Schlägen. Absetzen konnte sich keiner, die Führung wechselte mehrfach. Am Ende setzte sich Campigli mit 2&1 durch. „Das war ein komisches Match. Wir haben uns fast durchgängig mit Pars duelliert, wobei der Italiener auf der Backnine oft sein Par nur gerettet hat, während ich Birdiechancen habe liegen lassen. Auf den letzten drei Bahnen hat er dann aber richtig gut gespielt und ich konnte dann nichts mehr aus der Hand zaubern. Das war ärgerlich. Mit meinem Spiel war ich insgesamt ganz zufrieden, ich hätte nur meine Chancen besser nutzen können“, beschreibt David Rauch die Situation auf dem Platz.

David Li traf auf Andrea Romano. Der Italiener ging spät auf der Frontnine in Führung, aber Li hielt lange dagegen und kämpfte auch noch weiter, als er 3down lag. Drehen konnte der Düsseldorfer, der für den Kölner GC spielt, das Match aber nicht mehr und so holte sich Italien den dritten Punkt.

„Ich habe gute Schläge gemacht, aber der Putter blieb eiskalt. Ich hatte einfach kein Gefühl für die langen Putts. Andrea hat richtig gut gespielt und wir haben auch Bahnen mit Birdie gegen Birdie geteilt. Leider können wir jetzt keine Medaille mehr holen, aber... Kopf hoch“, bilanziert David Li seinen Tag.

Alle drei Matches, die jetzt noch draußen waren, hätte sich das Team um Bundestrainer Ulli Eckhardt holen müssen, um den Einzug ins Halbfinale zu schaffen. Und die Chance war absolut da. Nick Bachem lieferte gegen Giovanni Manzoni eine tolle Performance ab. Nach früher Führung für den Marienburger ließ er einmal auch seinem Kontrahenten aus Südeuropa einen positiven Blick auf das Leaderboard, drehte danach aber richtig auf und setzte sich ab. Mit 3&2 holte Bachem einen Punkt für das Junior Team Germany.

„Ich habe sehr viele gute lange Schläge gemacht, in Drucksituationen gute Wedges geschlagen und auch die entscheidenden Putts gelocht. Ich bin heute leider zweimal nicht optimal in die Runde gestartet, was im Vierer dann auch schon den Punkt gekostet hat. Hinten heraus habe ich gut gespielt und daher bin ich mit meiner Leistung ganz zufrieden. Die Stimmung ist jetzt natürlich etwas gekränkt, aber so ist das im Golf. Mal gewinnt man, mal verliert man. Wir haben uns im Team trotzdem alle weiter sehr lieb und machen schon wieder Späßchen“, geht der Blick von Nick Bachem schon am frühen Abend wieder nach vorne.

Falko Hanisch hätte sein Match ebenfalls gewinnen können, hatte Jacopo Albertoni aber mit von ihm selten gesehenen Fehlern auf wenigen Bahnen die Tür etwas geöffnet – und der Italiener packte diese Chance im Stile eines Großen beim Schopfe. So lief Hanisch ständig einer Führung von Albertoni hinterher, holte aber immer so viele Bahnen, dass er im Rennen blieb. Auf Bahn 15 verkürzte der Berliner nervenstark, obwohl der Italiener seinerseits mit einem Putt aus rund einem Meter die Führung so halten hätte können, dass dieses Match dormi auf das 16. Tee gegangen wäre. Es keimte wieder Hoffnung auf, dass der Matchplay-Experte das Ding noch dreht. Bahn 16 wurde geteilt und nun hatte der Italiener doch die Chance, den Sack zuzumachen. Mit einem sehr gute Abschlag auf dem Par 3 besiegelte Albertoni den Sieg der Azzurri. Der Jubel war groß, denn offenbar hatten die Südländer nicht damit gerechnet, gegen Deutschland gewinnen zu können.

„Das ist natürlich schon ganz schön enttäuschend. Der Vierer morgens mit David Rauch war solide. Wir haben wichtige Putts gelocht und dadurch das Match gewonnen. Da hatte ich mein Spiel ziemlich gut im Griff. Im Einzel hat mein Gegner richtig gut gespielt, ich aber bis auf drei Löcher ebenfalls. Da habe ich je einen Ball ins Wasser oder ins Aus geschlagen. Das kam zur Unzeit, weil immer, wenn ich ihn gerade wieder hatte, ich einen schlechten Schlag gemacht habe. Das kann passieren, aber es war ungünstig, dass das ausgerechnet heute passiert ist. Ich blicke nun aber nach vorne, denn ich habe Bock auf die beiden kommenden Matches. Man will sich ja auch selbst beweisen und es hört sich besser an, wenn man zwei Matches gewinnt und nur eines verliert, auch wenn man damit nur Fünfter wird. Uns Ziel ist jetzt Platz fünf und ich denke, dass wir das schaffen können, wenn wir alle unser bestes Golf auf den Platz bringen. Das wird in den nächsten Tagen noch eine große Herausforderung, aber die können wir auf jeden Fall bewältigen“, gibt sich der amtierende British-Boys-Champion kämpferisch.

Draußen war da noch das Match von Jannik de Bruyn, der gegen Kevin Latchayya all square auf das 17. Tee kam. Der Rheinländer vom GC Hösel hatte ein starkes Match gespielt und auch gute Chancen gehabt, noch einen Punkt für Deutschland zu gewinnen. Da dies aber nur noch für die Statistik gezählt hätte, wurde das Match als geteilt gewertet. „Ich kann trotz der Niederlage des Teams positiv auf den heutigen Tag blick. Am Vormittag haben Nick Bachem und ich trotz schlechter Frontnine versucht, das Match noch zu drehen und haben bis zum letzten Putt gekämpft. Am Nachmittag lief es ähnlich und ich habe trotz vorübergehenden Rückstands weiter nach vorne geschaut. Auch wenn es am Ende nicht gereicht hat, werde ich aus den heutigen Runden Motivation für die nächsten Tage und Matches schöpfen“, beschreibt Jannik de Bruyn seine Stimmungslage.

Bundestrainer Ulli Eckhardt war natürlich im ersten Moment auch enttäuscht, sah aber sofort auch das Positive: „Aus Niederlagen lernt man meist sehr viel. Gerade in dem Alter, in dem meine Jungs sind, lernt man aus einer solchen Niederlage vielleicht sogar für die Entwicklung viel mehr als aus einem Sieg. Wir haben heute ein paar Fehler gemacht und die Italiener haben diese eiskalt genutzt.“ Noch auf dem Platz stimmte der Bundestrainer sein Team auf die noch folgenden zwei Tage in La Manga ein und gab als neues Ziel aus, beide noch anstehenden Matches zu gewinnen.

Mental-Coachin Silke Lüdike zollte den Burschen Respekt: „Gut war heute, dass beide Vierer bis zum letzten Schlag gekämpft haben und David Rauch und Falko Hanisch ihr Match noch für uns entschieden haben. Das war stark! Vor allem Jannik de Bruyn und Nick Bachem haben diesen Schwung mit in ihre Einzel am Nachmittag genommen. Da war deutlich zu spüren, dass sie hier das Match für sich entscheiden wollten, um ins Halbfinale einzuziehen.

Der Glaube an die eigenen Stärken und damit verbunden den Gewinn des Matches hätte vereinzelt stärker sein können. Verlieren tut immer weh, vor allem, wenn man auf Augenhöhe ist. Mit stetem Blick nach vorne und dem Wissen, was in uns steckt, holen wir morgen alles aus uns raus, um am Samstag den besten noch möglichen Platz zu erreichen!“

Am Freitag geht es ab 8.40 Uhr gegen Irland. Es werden ab jetzt nur noch ein Vierer und vier Einzel gespielt. Die Iren hatten sich auf Rang 8 in der Zählspielqualifikation in Flight A gespielt und heute gegen Gastgeber Spanien starken Widerstand geleistet, am Ende aber doch mit 2:5 dem Favoriten den Vortritt lassen müssen.

Livescoring Matchplay

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