Bild Information: Jetzt soll der Titel her! Auch im Halbfinale siegte Deutschland klar (Foto: DGV/stebl)

Golfgeschichte wird geschrieben

Team-EM Herren
 

Deutschland steht im Finale gegen Titelverteidiger Schweden – gleich zweimal! Das gab es noch nie! Damen und Herren gewinnen ihre Halbfinals und haben am Finaltag jeweils gegen die Vertretung Schwedens die Chance, Gold nach Deutschland zu holen.

Hilversum/Niederlande – Die Herren des Deutschen Golf Verbands stehen erst zum vierten mal im Finale einer Team-EM. Das Team um Bundestrainer Ulli Eckhardt sorgte auch im Halbfinale mit einem bärenstarken Auftritt dafür, dass Gegner Schweiz eigentlich nie wirklich am Sieg schnuppern durfte.
Am Ende steht wieder ein 2,5:0,5 in den Büchern, da wieder der Vierer und das erste Einzel gewonnen wurden und damit das letzte Match wieder als geteilt vereinbart wurde, obwohl es auch in diesem dritten Duell, in dem Jannik de Bruyn auf Mauro Gilardi traf, zu Gunsten des Bundesadlers stand, als der Gesamtsieg schon feststand.
2005 stand Deutschland in England angeführt von Martin Kaymer gegen England im Finale. 1999 war in Italien ebenfalls der Gastgeber Gegner im Kampf um Gold. Damals war unter anderem Marcel Siem für Deutschland am Start. 1969 hatte Deutschland in Hamburg selbst ein Heimspiel, unterlag aber den Engländern.

Entschlossene Gelassenheit

2020 nun soll endlich der erste Titel her. Die Mannschaft zeigt sich sehr konzentriert und entschlossen. Der Vierer mit Marc Hammer und Nick Bachem ließ den Schweizern keinen Stich. Auf Bahn 1 legten die Deutschen gleich mal mit einem Eagle los und die Schweizer verstanden das Signal. Die beiden Athleten des GC Mannheim-Viernheim und Marienburger GC ließen keinen einzigen Lochgewinn der Eidgenossen zu und so hätte das Ergebnis noch deutlicher ausfallen können. 4&3 steht in den Büchern, weil noch einige Putts der Bundesadler nicht den Weg in die Dose fanden, die eine gute Chance hatten. Nicola Gerhardsen und Robert Foley gelang es nicht, sich zu befreien und Situationen zu kreieren, die den Druck auf das Duo Hammer/Bachem spürbar hätten erhöhen können.


Nick Bachem strahlte nach dem Sieg: „Das war von Anfang an sehr chillig und entspannt. Es ist gut, kein Loch zu verlieren. Es war mit Marc heute eine sehr schöne Runde. Wir wissen alles über den anderen, wie er denkt und sich fühlt. Das konnten wir gut nutzen, haben beide sehr gut gespielt und hatten Spaß dabei! Allgemein ist das ganze Team und die Trainer wie eine Familie. Wir kennen uns alle schon ewig und vertrauen den anderen und uns selber. Dadurch haben wir eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit im Team.“

Der Kanibale

Im ersten Einzel traf Matthias Schmid auf Ronan Kleu. Unter den Vorzeichen, wie entrückt der Einzel-Europameister die Zählspielqualifikation gewonnen hat und auch sein erstes Match dominiert hatte, war es für den Schweizer schwierig, Selbstvertrauen zu zeigen.
Das Spiel des Eidgenossen war aber in weiten Teilen stark und so wurde der Bayer vom GC Herzogenaurach durchaus gefordert, auch wenn er nie in Rückstand geriet. 3auf nach neun Bahnen war für den College-Studenten ein beruhigender Zwischenstand, aber tatsächlich gelang es Ronan Kleu, ein Loch für sich zu entscheiden. Am Ende stand aber ein wieder ungefährdeter 3&2-Sieg für Schwarz-Rot-Gold und gleichbedeutend auch schon der Einzug ins Finale.


Die Art und Weise, wie Matti Schmid in Hilversum diesen phantastischen Course spielt und Schlag für Schlag eine unglaubliche Sicherheit demonstriert, beeindruckt auch die wenigen Zuschauer, die auf den Platz dürfen. Auf dem 13. Grün hatte die Spielleitung die Fahne so gesteckt, dass es eigentlich fast unmöglich war, diese direkt zu attackieren. Die Gefahren, die bei einem Verfehlen des Ziel lauerten, blendete Schmid aber hier wie auf praktisch allen anderen Bahnen völlig aus und zeigte mit seinen gleichwohl mutigen, wie auch präzisen Schlägen, dass er ganz bei sich ist und keinerlei Zweifel bestehen, wer das Match als Sieger beenden wird.
Im Radsport hat sich der Belgier Eddy Merckx einst den Spitznamen „Der Kanibale“ erkämpft, indem er keinem Gegner die Tür für Siege öffnete. Soviel Respekt bekommt man nicht geschenkt und auch Matthias Schmid ist auf bestem Wege, eine Dominanz zu zeigen, die zumindest bei diesen Titelkämpfen von keinem Gegner angezweifelt wird.
„Ich habe heute mit „drei unter“ nach den ersten vier Bahnen angefangen, habe dann gut von Tee to Green weitergespielt und viele Pars gemacht. Ich habe zwar einige Putts liegen lassen, aber den Gegner nie wirklich ins Spiel kommen lassen“, kommentierte der Europameister selbst seinen souveränen Auftritt.

Heißes Match

Jannik de Bruyn hat in seinem Einzel eine echte Feuerprobe bestanden. Mauro Gilardi zeigte immer wieder grandiose Schläge und lochte teils sehr lange Putts, hatte zudem auch noch einige male viel Glück mit Bällen, die von der idelen Linie abgewichen waren. Der Spieler des GC Hösel zelebrierte selbst aber Golf vom Feinsten und platzierte seine Schläge oft sehr aussichtsreich, so dass er nur einmal ganz zu Beginn in Rückstand geriet. Die Zauberschläge des Schweizers verhinderten allerdings, dass der Sportsoldat sich deutlich absetzen konnte, nachdem das Match gedreht worden war. Knapp in Führung liegend kam der Rheinländer auf die 16. Bahn, als die beiden nötigen Punkte für den Finaleinzug schon verbucht waren. Die Leistung des DGV-Aktivensprechers war ganz stark und so gehen Mannschaft und Bundestrainer mit viel Selbstvertrauen in das Finale, das am Samstag ab 11.30 Uhr ansteht.
„Mauro und ich haben beide sehr ordentlich gespielt und viele Birdies gemacht. Im Endeffekt wäre das Match sehr knapp geworden, hätten wir es zu Ende spielen müssen. Die drei Spieler vorne haben einen super Job und mir das Leben natürlich leicht gemacht. Ich gehe mit einem guten Gefühl in den morgigen Tag, weil ich mit meinem Match sehr zufrieden bin“, war Jannik de Bruyn rundum happy mit dem Verlauf des Tages.

Schweden

Schweden hatte sich als Titelverteidiger mit einem glatten 2,5:0,5 gegen Dänemark für das Semifinale qualifiziert, in dem mit Italien ein starker Gegner wartete. Das Duell der Skandinavier gegen die Mannschaft aus Südeuropa entwickelte sich zu einem echten Krimi. Der Vierer war mit 4&2 noch eine relativ klare Angelegenheit für Schweden. Im ersten Einzel ging es für Andrea Romano und Gustav Andersson auf das 18. Grün, wo Romano für sein Team cool den Ausgleich erzielte. Das letzte Match musste entscheiden und auch hier ging es spannend auf das letzten Loch. Vincent Norrman hatte mit 1auf das bessere Ende gegen Gregorio de Leo für sich und so feierten die Schweden den Aufstieg ins Finale. Bis auf Gustav Andersson waren alle Athleten, die das Dreikronen-Team in den Niederlanden vertreten, auch schon beim Heimsieg vor einem Jahr in Ljunghusen dabei.

Ganz auf sich gucken

Nach den Leistungen, die die Bundesadler bis ins Finale haben fliegen lassen, schaut die Mannschaft auch im Finale nur auf sich selbst. Mit breiter Brust können die Männer um Bundestrainer Ulli Eckhardt diese letzte Aufgabe angehen.
Schweden hat eine gute Mannschaft mit nach Hilversum gebracht. David Nyfjall steht im World Amateur Golf Ranking auf Platz 111 und hat im US-College-Golf schon etliche Top-Platzierungen erspielt. Der ganz große Titel außerhalb der USA fehlt dem Skandinavier aber noch.
Auch Albin Bergstrom hat mit zwei Siegen im College-Golf schon Meriten gesammelt.
Gustav Andersson hat in den letzten drei Jahren jeweils im schwedischen Team bei der Jungen-EM viel Erfahrung gesammelt. Bei der German Boys Open in St. Leon-Rot schaffte der Schwede es 2019 mit Platz drei auf das Podium.
Vincent Norrman rangiert im WAGR aktuell auf Platz 38 und hat in den USA seit Anfang 2019 bereits fünf Turniersiege im College-Golf eingefahren.
In der Zählspielqualifikation haben zwei Schweden eine 71 (-1) und zwei eine 72 (Even Par) unterschrieben. Dies reichte unter dem Strich für Platz drei.

Das sagt der Bundestrainer

„Für mich war wichtig, dass wir heute früh gut gestartet sind. Der Vierer und Matti sind gleich mit frühen Lochgewinnen in ihre Matches gegangen. Das bringt immer Ruhe rein. Jannik hatte nur das erste Loch verloren. Danach hat er die Partie gedreht und hat auf sehr, sehr hohem Niveau gespielt. Wir lagen in allen drei Matches die meiste Zeit vorne und die Jungs haben wirklich eine Klasseleistung gezeigt. Die Schweiz war ein schwieriger Gegner, alle vier Spieler haben in diesem Jahr international schon gewonnen, insofern war das ein Team, das jeden Gegner schlagen kann, wie der Sieg gegen die Franzosen im Viertelfinale auch zeigt. Dementsprechend bin ich mit dem heutigen Tag sehr zufrieden und freue mich jetzt auf das Finale gegen Schweden. Schweden ist eines der stärksten Teams und das wird eine harte Nuss. Wir müssen mit Sicherheit wieder so konzentriert rausgehen und noch ein Schüppchen drauflegen, wenn wir gewinnen wollen. Wir müssen von Anfang an da sein, angeknipst sein und unser Spiel spielen. Das ist ganz entscheidend. Die Schweden sind meist sehr aggressiv auf dem Platz und daher müssen wir auf uns schauen und uns nicht um unsere Gegner kümmern. Was die machen, können wir eh nicht beeinflussen“, stellt Ulli Eckhardt ganz die Stärke des eigenen Teams in den Mittelpunkt.

Startzeiten

Um 11.30 Uhr startet das Finale mit dem Vierer. Für Deutschland sind wieder Nick Bachem und Marc Hammer gemeinsam unterwegs. Matthias Schmid geht um 11.40 Uhr gegen Gustav Andersson raus. Den Abschluss bilden Jannik de Bruyn und Vicent Norrman um 11.50 Uhr.
Zuschauer sind aufgrund der Corona-Regeln in den Niederlanden praktisch nicht zugelassen. Insgesamt dürfen nur 52 Zuschauer das Gelände betreten und diese müssen sich zudem vorher noch akkreditiert haben.

 

So lief Tag 2 Livescoring Matchplay

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