Bild Information: Es gab viele Gründe, bei dieser und über diese Team-EM zu jubeln (Foto: DGV/stebl)

Historisch erfolgreich

Team-EMs
 

Die Team-Europameisterschaften 2019 gehen in die Geschichte des deutschen Golfsports als die bislang erfolgreichsten überhaupt ein. Drei Mannschaften im Halbfinale zu sehen, ist ein grandioses Ergebnis und sichert Deutschland einen festen Platz unter den großen Golfnationen.

Schon das Abschneiden in der Zählspielqualifikation hatte für den Deutschen Golf Verband Maßstäbe gesetzt, die mit „historisch“ treffend bezeichnet sind.
Dass alle vier Mannschaften in den Flight A aufsteigen, ist inzwischen ja schon fast Tradition. Mit den Plätzen 2, 2, 3 und 5 im Zählspiel setzten die Athleten des Golf Team Germany ein großes Ausrufezeichen und bestätigten dieses tolle Gesamtbild auch im Viertelfinale, als es beinahe alle vier Mannschaften ins Halbfinale geschafft hätten. Nur die Herren mussten sich Gastgeber Schweden beugen, nachdem sie in den Vierern beide Matches ins Stechen getragen hatten und Schweden an den Rand der Niederlage brachten.

Dreimal Halbfinale

Noch nie hatte es bei drei von vier Meisterschaften deutsche Mannschaften im Halbfinale gegeben. Außer Deutschland gelang dieses Traumergebnis nur noch Schweden. Die Skandinavier waren überhaupt die Abräumer der europäischen Teamevents. Zweimal Gold und einmal Bronze sind absolute Spitze. Spanien sicherte sich zweimal Silber, Italien zweimal Bronze. Die übrigen Medaillen teilen sich Dänemark und Frankreich mit je einmal Gold, Deutschland mit der Silbermedaille der Jungen, England mit der Silbermedaille der Herren und Schottland mit einer Bronzemedaille.

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Zieht man in Betracht, dass im Welt-Profigolf fast ausschließlich Zählspiel von Bedeutung ist, bekommt das Abschneiden der vier deutschen Mannschaften eine noch positivere Bedeutung.

Besondere Ehre

Noch heller als durch Medaillen erstrahlt der deutsche Golfsport durch seine jungen Botschafter wegen einer Begebenheit, die den Beteiligten ein Gänsehauterlebnis bescherte, weil es sowas in der Form bisher wohl noch nie gegeben hatte: Pierre Bechmann, Präsident der EGA, hob vor der Vergabe der Medaillen im Rahmen der Siegerehrung der Jungen-EM ein Team aus dem Feld ganz besonders hervor. Das deutsche Team habe, so Bechmann, sich während der Matches und auch ansonsten vorbildlich verhalten und einen außergewöhnlichen Sportsmenship gezeigt. Die Kommunikation mit den Konkurrenten und die Fairness seien herausragend gewesen. Das Team Germany habe dem Golfsport alle Ehre gemacht, indem der Spirit of the game gelebt wurde. Pierre Bechmann gab den Youngstern des Junior Team Germany mit auf den Heimweg, dass er sie schon heute als beste Botschafter des Golfsports ansieht.

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In ihrer Einmaligkeit sind diese Worte des Grandseigneurs des europäischen Amateurgolfs, der seit Jahrzehnten eine ständige Präsenz bei internationalen Turnieren in vielen Funktionen hat, vielleicht noch länger glänzend als es Edelmetall sein würde.

Das Fazit des Jungen-Bundestrainers

Jungen-Bundestrainer Christoph Herrmann machte nach der Finalniederlage gegen Frankreich zwar keinen Hehl daraus, dass er enttäuscht ist, weil das Ziel ganz klar Gold gewesen sei. Aber auch Herrmann hatte eine wunderbare Woche erlebt: „Die Silbermedaille ist ganz zweifelsfrei ein großer Erfolg – keine Frage!“

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Vor dem Finale gegen Frankreich hatten die Burschen des Junior Team Germany von den zehn Einzeln bisher nur ein einziges verloren. Das 1:1 nach den Vierern war also eine Ausgangslage, die die Hoffnungen auf den obersten Podestplatz unterstrich.
Tatsächlich fehlte es am Nachmittag in den Einzeln an dem einen Moment, der einem Spiel die Richtung weist. „Wir hatten eine Phase, in der ein Match deutlich auf und ein Match deutlich down lag. Die anderen drei Matches waren lange nur 1down und da hat man schon die Hoffnung, dass sich diese noch drehen. Aber da haben die Franzosen einfach die Tür nicht aufgemacht und bei uns ist nichts Außergewöhnliches passiert, wie es in dieser Situation mal sein müsste“, erklärte der Bundestrainer, wieso am Ende Frankreich als verdienter Sieger gefeiert wurde.

Lob vom Vorstand Sport

DGV-Sportvorstand Marcus Neumann, der diese Titelkämpfe vor Ort aufmerksam verfolgte, war am Abend nach der Siegerehrung fast ein bisschen wehmütig, als er die Tage von Chantilly Revue passieren ließ: „Ich habe einen verdienten Europameister gesehen. Ich habe gesehen, dass Deutschland verdienter Vize-Europameister ist. Wir haben nicht die Goldmedaille verloren, sondern die Silbermedaille gewonnen! Das war ein sportlicher Kampf auf höchstem Niveau. Frankreich hatte heute einen Riesentag. Wir haben aber hier ein grandioses Team mit Einzelsportlern, von denen jeder Einzelne etwas aus sich machen kann, wenn er es wirklich will. Jeder von diesen Spielern ist in der Lage, ein erfolgreicher Profi zu werden. Das war ganz großes Kino und ich freue mich, so starken Nachwuchs hier sehen zu können.“

Auch Damen gut gerüstet

Obwohl die Damen von Bundestrainer Stephan Morales ohne Edelmetall blieben, ist auch in diesem Bereich das Feld für die nähere Zukunft sehr gut bestellt. Aktuell dominiert Schwarz-Rot-Gold auf der LET nahezu jedes Leaderboard und alle Rankings. Und ein Blick auf das im Profisport so wichtige Zählspiel zeigte die deutsche Mannschaft auf Rang drei. Im Vorjahr hatten die Damen in der Zählspielqualifikation den zweiten Platz belegt und waren bei der Team-WM die beste Mannschaft Europas geworden.

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„Für mich zählt letztlich das Zählspiel mehr und da sind wir konstant seit Jahren in der Top drei Europas“, ist der Bundestrainer mit dem Abschneiden seines Teams völlig einverstanden. Und sogar in den Matchplays war vieles außerordentlich gut. Das Halbfinale sieht mit einem 1:6 gegen den späteren Europameister Schweden in den Büchern nach nackten Zahlen überaus deutlich aus. Das Spielgeschehen auf Sardinen sprach aber eine ganz andere Sprache!

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Ein Vierer ging erst im Stechen verloren und in den Einzeln sah es bis Bahn elf danach aus, als wenn das Team mit dem Bundesadler auf dem Shirt das Blatt noch eindrucksvoll würde wenden können, denn in allen fünf Einzeln führte Deutschland. „Wir haben es dann nur nicht zu Ende gebracht. Die Mädels haben gut performt, nur eben im Matchplay nicht das ganz außergewöhnliche Ding gemacht. Aber im Hinblick auf langfristige Ziele im Training viel Zeit für das Matchplay zu verwenden, sehe ich eher als weniger zielführend an. Von daher bin ich super happy mit dem Ergebnis – mit der Mannschaft ohnehin. Die Teamleistung war mega! Das war eine rundum total harmonische Woche mit diesem Team und ich muss gestehen: mir fehlen die Mädels heute sogar richtig“, gestand Stephan Morales nach der Heimkehr ins kühle Deutschland. Die Woche mit dem Damenteam in der Gluthitze von Sardinien war rundum gelungen, denn auch im Kleinen Finale hätte das Duell gegen eine ganz starke italienische Mannschaft durchaus ganz anders enden können. Leonie Harm und Sophie Hausmann, die in den beiden letzten Matches auf dem Weg waren, lagen in Führung und hätten beste Aussichten gehabt, zwei Punkte für Deutschland zu holen. Den dann noch fehlenden Punkt hätte Polly Mack holen können, wurde aber für einen perfekten Schlag hart bestraft.

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Für Stephan Morales war dies die Schlüsselszene des gesamten Duells gegen die Heimmannschaft. Polly Mack traf auf Bahn 16 bei Gleichstand mit ihrem Pitch den Fahnenstock knapp oberhalb der Dose. Der Ball rollte durch den harten Aufprall vom Grün weg den Hang hinunter. Dazu Stephan Morales: "Eigentlich ein sehr, sehr guter Schlag, aber eben mit viel Pech dabei." Angelica Moresco nutzte die Gunst der Stunde und lochte auf der vorletzten Bahn für Italien einen Putt aus knapp 15 Metern. Die Entscheidung war damit gefallen.

Mädchen strahlend

Auch die Mädchen des Junior Team Germany haben bei ihrer Team-EM in Spanien für manchen Paukenschlag gesorgt. Die Führung nach Tag eins im Zählspiel war ein Fingerzeig, in welche Richtung es gehen könnte.

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„Es war eine tolle Team-EM. Mit dem vierten Platz sind wir hochgradig zufrieden, trotzdem war es ein Ende, das wir uns ein bisschen anders gewünscht haben“, kommentierte Mädchen-Bundestrainer Sebastian Rühl den Ausgang des Kleinen Finales. Die ganze Woche waren viele Dinge im Sinne des Teams in Schwarz-Rot-Gold verlaufen. Zunächst eine rundum gelungene Zählspielqualifikation und dann der klare Sieg über Schweden. Im Halbfinale fehlte dem Bundesadler buchstäblich ein einziger Putt für den Sieg gegen den spätere Europameister Dänemark. „Das Ding auf dem 21. Loch zu verlieren, war eine ganz bittere Pille für alle Beteiligten“, zumal Paula Schulz-Hanßen als jüngste Spielerin im deutschen Team mit ihren Leistungen für mehr als nur Aufsehen gesorgt hatte. „Wenn man so nah an einem Finale gegen das Gastgeberland dran ist, dann ist das erstmal eine herbe Enttäuschung“, so Sebastian Rühl.

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Im Kleinen Finale traf Deutschland auf eine italienische Mannschaft, die vorher als hoher Favorit gehandelt wurde und durchaus als Jahrhundertmannschaft bezeichnet werden kann. Etliche der Spielerinnen vom Stiefel Südeuropas haben für europäische Auswahlmannschaften im Junior-Solheim-Cup und im Junior-Ryder-Cup gespielt. Außerdem haben etliche Spielerinnen große Jugendturniere gewonnen, wie zuletzt Emilie Paltrinieri die German Girls Open 2019. Von der Papierform war Italien klar die beste Mannschaft im Feld.

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Im Duell gegen das Junior Team Germany entwickelte sich ein Kampf auf allerhöchstem Niveau, so dass die Spielerinnen aus dem Kader von Bundestrainer Sebastian Rühl mehr als stolz auf ihre Leistungen sein dürfen: „Wir haben hervorragend gespielt. Die italienischen Trainer haben mir nachher gesagt, dieses Match sei um Längen härter als das Halbfinale gegen Spanien gewesen. Das war auf derartig hohem Niveau. Wir haben lange Matches durchgehalten und wenn man nicht seine sieben Sachen beisammen hat, dann geht man gegen die Italienerinnen auf diesem Golfplatz mit Pauken und Trompeten unter. Wir waren hervorragende Gegner, haben gute Matches geliefert und guten Sportsgeist gezeigt. Das macht mich extrem stolz!“

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Diese Europameisterschaften von El Saler zeigen eines klar auf: der deutsche Nachwuchs ist bestens aufgestellt und hat sich in vielen Bereichen, die für das Spiel auf anspruchsvollen Plätzen wichtig sind, enorm weiterentwickelt.
Vor einigen Jahren war die Spanish International Ladies Amateur Championship auf dem Platz ausgetragen worden. Damals war Sebastian Rühl mit einigen Spielerinnen vor Ort und kaum ein Ergebnis war damals ausreichend, um vorne mitzuspielen: „Dieser Golfplatz war damals einfach zu schwer. Jetzt, ein paar Jahre später zeigt sich, wieviel in den letzten Jahren passiert ist und wie toll die Mädels jetzt aufgestellt sind. Das Schlagrepertoire ist vorhanden, die taktischen Entscheidungen werden richtig getroffen, die Arbeit mit dem Birdiebook läuft ebenso wie das kurze Spiel und das Putten auf sehr anspruchsvollen Grüns. Es sind so viele Dinge so unglaublich viel besser geworden, dass ich über die Gesamtentwicklung im Nachwuchsbereich in Deutschland wahnsinnig glücklich bin. Der vierte Platz ist hier eine reife Leistung und wir freuen uns sehr!“

Herren hadern mit Reglement

Die einzige Mannschaft des Golf Team Germany, die den Einzug ins Halbfinale verpasst hat, belegte im Endklassement einen achten Platz und steht damit klar unter Wert in den Büchern.

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Der Start war im Zählspiel holperig, aber mit einer starken Reaktion und teilweise Golf auf Weltklasseniveau wurde der Einzug in Flight A noch mehr als souverän erledigt.
Die Matchplayphase stand dann unter einen ganz und gar schlechten Stern, denn im Viertelfinale stand mit dem späteren Europameister Schweden nicht nur eine sehr hohe Hürde vor dem Bundesadler. Viel schwerer wogen die Verletzungen von Einzel-Europameister Mattias Schmid und Alexander Herrmann. „In zwölf Jahren hatte ich bisher noch nicht mal einen Verletzten bei einer EM“, war Bundestrainer Ulli Eckhardt schockiert, denn es gibt nach dem ersten Schlag einer EM keine Chance mehr, einen Spieler auszutauschen – geschweige denn derer zwei!

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Ein Match, bei dem ein Spieler nicht antreten kann, wird nach dem geltenden Reglement als verloren gewertet. Um diese Hypothek nicht noch größer zu machen, stellte Eckhardt die beiden verletzten Spieler in den Vierern auf und somit war klar, dass bei den folgenden Partien Deutschland immer mit einem Rückstand in die Duelle gehen musste.
„Gegen Irland, das beste Team im Zählspiel und gegen Spanien, die mit sechs Spielern unter den ersten 50 im World Amateur Golf Ranking angetreten sind, ist es ein sehr schwieriges Unterfangen mit einem 0:1-Rückstand zu starten, wenn insgesamt nur fünf Punkte ausgespielt werden. Wir haben in den vier Einzeln jeweils 2:2 gespielt Ich werte diese Resultate nicht als Niederlagen für uns, aber es steht am Ende ein achter Platz, der dieser Mannschaft nicht gerecht wird! Und trotzdem haben unsere Männer viele gute Dinge mit nach Hause genommen! Weiter, es geht immer weiter“, fiel das Fazit von Bundestrainer Ulli Eckhardt zwar angesichts des Reglements verbittert, angesichts der Leistungen seiner Athleten aber durchaus positiv aus.

Ausblick auf 2020

Im kommenden Jahr werden die Team-Europameisterschaften vom 7. bis 11. Juli ausgetragen. Die Mädchen treten dann im Rosa Private GC im polnischen  Tschenstochau an. Den Damen steht möglicher Weise die nächste Hitzeschlacht bevor. Es geht zum Club de Golf Escorpión, der westlich von Valencia etwa zehn Kilometer im Landesinnern von Spanien liegt.

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Den kürzesten Weg haben die Herren, die im Hilversumschen GC vor den Toren Amsterdams, der größten Stadt der Niederlande antreten werden.
Für die Jungen geht die Reise ins nördlich von Stockholm gelegene Upsala.

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