Bild Information: Der Moment, in dem sich die Spannung löste: Frederik Schott holt den vierten Punkt (Foto: DGV/stebl)

Deutschland fightet sich ins Halbfinale

Team-EM Jungen
 

Wahnsinn! Spannender geht es nicht! Die Jungen des Junior Team Germany stehen bei der Team-EM im Halbfinale – nach einem Duell gegen Italien, in dem wirklich alles steckte, was die Faszination Golf ausmacht.

Chantilly/Frankreich – Der Start in die Matchplays verlief anders, als das deutsche Team es sich erwünscht hatte. In den Vierern liefen die Italiener heiß und hatten neben vielen grandiosen Schlägen auch mehrfach schon fast unverschämt viel Glück. In den Einzeln schaffen die Burschen von Kapitän Chris Marysko aber noch die Wende und gewannen nach einem grandiosen Duell mit 4:3.

Die Vierer

Im ersten Vierer des immergrünen Klassikers Deutschland gegen Italien trafen Felix Krammer und Tiger Christensen auf Lucas Fallotico und Pietro Bovari. Vom Start weg gingen die Italiener in Führung und erhöhten auf der vierten Bahn auf 2auf. Doch das Duo aus München und Hamburg ließ sich nicht abschütteln und verkürzte auf Bahn sieben. Auf dem neunten Grün gelang der Ausgleich, so dass das Match auf der Backnine wieder bei Null begann. Das Momentum schien mit einem Lochgewinn des Bundesadlers auf Bahn elf ganz auf die Seiten der Burschen des Junior Team Germany zu wechseln, aber schon auf der 13 konnte Italien wieder den Ausgleich erzwingen. Beflügelt von einem unglaublichen Schuss des folgenden Vierers, der auf Bahn 13 aus mehr als 130 Metern mit einem sehr guten Schlag und viel Glück beim Bounce einlochte, gelang Bovari/Fallotico auf der 14 der nächste Lochgewinn. Mit 1down aus deutscher Sicht ging dieses Match auf die letzten drei Bahnen. Auf der 17 machten die Italiener den Deckel drauf und setzten sich mit 2&1 durch.

Zweiter Vierer

Im zweiten Vierer hatten es Jonas Baumgartner und Laurenz Schiergen mit Matteo Christoni und Sebastiano Frau zu tun. Auch hier waren es die Italiener, die schnell das Momentum auf ihre Seite brachten. Auch in diesem Vierer lag das deutsche Duo nach vier Bahnen schon mit 2down zurück. Anders als im ersten Match gelang es den beiden Athleten aus NRW aber nicht, Druck auf ihre Kontrahenten aufzubauen, denn die Führung für Italien wuchs beständig an. Mit 4auf für die Azurri ging es auf die Backnine. Zum Start der zweiten Neun gelang Laurenz Schiergen und Jonas Baumgartner ein Lochgewinn, aber eine Wende konnte damit nicht erzwungen werden, denn schon auf der Bahn 12 konterten Christoni und Frau mit dem nächsten Lochgewinne. Und als schon erwähnter Kunstschuss auf der 13 den nächsten Punkt für Italien brachte, ging es dormi 5 auf das 14. Tee.
Dieses schwere Par 3, bei dem es downhill auf ein sehr schmales Grün geht, holte sich das Duo von der Hummelbachaue und dem GC Hösel, musste auf dem 15. Grün dann aber den Italienern zum 4&3-Sieg gratulieren.

Der Unterschied am Morgen

Die deutschen Jungen hatten keineswegs enttäuscht, waren aber gegen die Italiener am Morgen nicht in den richtigen Kampfmodus gekommen. Das Spiel der Deutschen war solide, hatte aber wenige zwingende Höhepunkte.
Ganz anders dagegen Italien. Mal wurde von Pietro Bovari ein Bunkerschlag direkt zum Birdie eingelocht, mal wurde aus 130 Metern ein Ball versenkt, dann auch mal von Sebastiano Frau ein Putt aus mehr als 25 Metern zum Tap-In an die Dose gelegt. Und wenn ein Schlag der Südeuropäer mal richtig schlecht war, half Fortuna. Ein Schlag auf einem Par 3 ging gut und gerne 30 Meter rechts in den Wald. Wie durch ein Wunder traf die Kugel aber die Äste der alten Eichen und Buchen so glücklich, dass nach einer Billardpartie die kleine Kugel frei spielbar wieder am Rand des Fairways landete.
Gegen diese Paarung aus teils grandiosen Schlägen, befeuert durch unfassbares Glück, hatten die Burschen von Bundestrainer Christoph Herrmann an diesem Vormittag keine Werkzeuge in der Hand.


Mit einem Zwischenstand von 0:2 ging es in die fünf Einzel, die die Entscheidung im Kampf um den Einzug ins Halbfinale bringen mussten. Der Druck lag nun klar auf dem Team um Kapitän Chris Marysko, denn vier der fünf Einzel mussten für den Einzug ins Halbfinale gewonnen werden.

Die Einzel

Mit Verzögerung gingen erst am Nachmittag die Einzel auf den sehr selektiven Platz des GC Chantilly bei Paris. Als erster Bundesadler stand Frederik Schott bereit. Ihm sollte im Laufe des Abends noch eine ganz besondere Rolle zukommen.
Philipp Katich stand brodelnd am ersten Tee und konnte es kaum abwarten, das Match gegen Alessio Battista zu bestreiten. Der Italiener hatte den besseren Start und führte nach sechs Bahnen mit 2auf, musste sich danach aber doch dem unbändigen Siegeswillen und den famosen Schlägen des 18-Jährigen vom GC St. Leon-Rot beugen. In Serie lieferte der French-Boys-Champion echte Weltklasseschlage ab. Mit 3&1 ging der Punkt an den Bundesadler.
Tiger Christensen hatte in Pietro Bovari einen ganz starken Gegner. Der jüngste Athlet im deutschen Team spielte selbst ganz stark und lieferte immer wieder großartige Schläge ab, konnte aber nicht verhindern, dass der Italiener auch aus schweren Lagen punktete. Nach den zwei Punkten aus den Vierern war der 4&3-Sieg der dritte Punkt für die Azurri.


Jonas Baumgartner und Laurenz Schiergen machten so gut wie keine Fehler und setzten ihre Gegner ständig unter Druck. Am Ende setzte sich Baumgartner mit 5&3 gegen Lucas Fallotico durch, während Schiergen Matteo Cristoni gar mit 6&4 schlug.
Damit hatte auch das Team von Bundestrainer Christoph Herrmann drei Punkte und alles kam auf das Match zwischen Frederik Schott und Dylan de Prosperis an.

DAS Duell

Der Spieler des Düsseldorfer GC begann bärenstark und früh sah es nach einem klaren Sieg aus. Mit 3auf für Deutschland kreuzten die beiden auf die Backnine. Auch danach machte Freddy Schott immer wieder grandiose Schläge, aber der Italiener erwies sich als Meister, aus scheinbar schlechten Lagen famose Ergebnisse zu erzielen. So holte de Prosperis Punkt für Punkt auf und glich auf der 14 wieder aus. Mehrfach hatte Schott die Chance, wieder in Front zu gehen, aber immer hielt der Italiener dagegen und schaffte es seinerseits sogar, auf der 17 wieder die Führung zu übernehmen.
Was dann kam, war an Spannung nicht mehr zu überbieten. Frederik Schott schaffte auf der 18 ganz cool wieder den Ausgleich, obwohl er selbst seinen Teeshot ins böse Rough gesetzt hatte. Fast schien es, als hätte der 18-Jährige Nerven wie Drahtseile!
Die waren auch nötig, denn auf dem ersten Extraloch hatte Schott einen Wadenbeißer aus knapp zwei Metern, um die Bahn zu teilen. Der Ball fiel und es ging auf die 20. Bahn.
Der Drive des Bundesadlers war etwas besser als der Abschlag des Italieners. Dieser Vorteil sollte endlich für den Sieg reichen, auch wenn es wieder ein Putt aus knapp zwei Metern war, der fallen musste. Der Jubel war riesig und nach diesem faszinierenden Match steht Deutschland im Halbfinale, während es auf Seiten der unterlegenen Italiener bittere Tränen gab.

Das sagt der Bundestrainer

Bundestrainer Christoph Herrmann hatte einige Nerven gelassen, feierte den Sieg mit seinem Team aber umso ausgelassener, als Freddy Schott den letzten, entscheidenden Putt gelocht hatte: „Das war ein unglaublicher Tag! Wir sind heute morgen überhaupt nicht aus den Puschen gekommen und haben in den Vierern unter unseren Möglichkeiten gespielt. Am Mittag haben wir die richtig Ansprache gehabt, haben als Team zusammengefunden und den Kampf aufgenommen. Wir waren uns zu jeder Zeit bewusst, dass es möglich ist, das Ding zu drehen, weil wir wirklich gute Spieler in der Mannschaft haben. Wir haben in der Zählspielqualifikation gezeigt, dass wir wirklich mehr als konkurrenzfähig sind. Daran haben wir die Spieler am Mittag erinnert und haben auch noch Situationen ins Gedächtnis gerufen, in denen solche Rückstände schon aufgeholt wurden. Natürlich ist das der Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Dass wir dann ins Stechen gehen und nach drei jeweils sensationellen Putts von Freddy Schott, die alle fallen mussten, gewinnen, macht uns schon sehr glücklich!“
Unmittelbar nach dem ersten, großen Jubel, schalteten Kapitän Chris Marysko und Christoph Herrmann wieder um auf Fokussierung auf das Halbfinale. „Solche Adrenalinausstöße müssen auch erstmal verkraftet werden, aber da werden wir Wege und Worte finden und sind daher voller Zuversicht für das Halbfinale“, dachte der Bundestrainer sofort an die nächste, große Aufgabe.

Im Hinblick auf das nun anstehende Duell gegen eine starke irische Mannschaft, ist sich Herrmann sicher: „Was da heute gelaufen ist, wird uns pushen!“

Irland siegt gegen England

Irland schaffte es, seinen großen Rivalen England auszuschalten. Nach den Vierern lagen die Nachbarn gleichauf und auch in den Einzeln blieb es ganz lange sehr spannend. Beide Mannschaften hatten letztlich drei Matches für sich entschieden, als das letzte Duell auf der 18 all square stand. Am ersten Extraloch jubelte Joseph Byrne mit seinem Team, als er Max Hopkins endlich in die Knie gezwungen hatte.
Die Nummer drei der Zählspielqualifikation ist damit ebenso ausgeschieden wie die Nummer eins. Titelverteidiger Spanien bekam gegen Gastgeber Frankreich keinen Stich. Nachdem die Vierer und auch die beiden ersten Einzel alle an die Grande Nation gegangen waren, wurde die restlichen Matches geteilt, so dass ein 5,5:1,5-Sieg für Frankreich in den Büchern steht.
Im zweiten Halbfinale trifft Frankreich auf Schweden. Die Skandinavier hatten gegen die Schweiz kaum Mühe und zogen mit 5:2 nie gefährdet ins Semifinale ein.

Weitere Stimmen zum Tag

Frederik Schott, der am Ende den entscheidenden Punkt für das deutsche Team in unnachahmlicher Manier geholt hatte, war überwältigt: „Das war krass! Krass knapp! Aber auch komplett geil! Ich bin früh in Führung gegangen und habe dem Italiener gezeigt, wo es lang geht. Mein langes Spiel war super und auch die Putts sind gefallen. Das Match stand auf sehr hohem Niveau. Auf der Backnine hatte ich einen blöden Lipper, an dem sich der Italiener hochgezogen und dann Birdie-Birdie gespielt hat. Danach hat er solide seine Pars gemacht und locht auf der 17 seinen Putt aus dreieinhalb Meter, ich mache meinen aus eineinhalb Metern vorbei. Auf einmal lag ich dann 1down. Das Gute war: als es auf die Eins ging, hatte ich trotzdem das Momentum auf meiner Seite, weil ich das Gefühl hatte, auf eine komplett neue Runde zu gehen. Auf dem zweiten Extraloch habe ich den Ball einfach reingemacht. Das war ein megageiles Gefühl. Ich habe einfach Bock, mit den Jungs morgen Vollgas zu geben. Im Vierer mit Philipp Katich werden wir morgen einen raushauen!“

Philipp Katich strotzte nach seinem guten Match weiter nur so vor Selbstvertrauen: „Was für ein Tag! Wir haben geil bis zum Ende gekämpft. 0:2 nach den Vierern zurück zu liegen, war auf jeden Fall kein Problem. Es war für alle klar, dass wir noch was rocken können. In meinem Match lag ich schnell zwei down, weil ich zwei schlechte Wedges gehauen habe. Danach habe ich die Kurve bekommen. Ich habe gute Schläge gemacht und viele Putts gelocht. Für den Gegner hat es einfach nicht mehr gereicht. Wenn ich heiß laufe, hat der Gegner es sehr schwer. Freddy Schott hat es am Ende gerockt und hat den entscheidenden Punkt geholt. Wir gehen morgen mit einem sehr gute Gefühl in die Vierer und versuchen da, zwei Punkte zu holen. Dann sehen wir weiter.“

Laurenz Schiergen war nach seinem glatten Sieg zufrieden, dass er sich gesteigert hatte: „Das war heute ein Megacomeback als Team! Ich konnte mich heute Nachmittag vom Tee verbessern. Der Rest war auch schon heute Vormittag solide, sodass wenig anbrennen konnte.“

Felix Krammer, der am Nachmittag pausieren durfte, war vom Match seines Teams elektrisiert: „Heute war es spannend bis zum Schluss. Ich habe mich am Fairwayrand gefühlt, als wäre ich mittendrin gewesen. Es ist einfach phantastisch das Match gegen Italien am Ende mit so gutem Golf zu gewinnen!“

Jonas Baumgartner hatte Großes erlebt: „Das war heute für uns ein super Tag! Auch wenn wir schlecht in die Vierer gestartet sind, haben wir in den Einzeln bis zum Ende gekämpft. Und dann am zweiten Playoff-Loch zu gewinnen, war etwas sehr Besonderes. Mein Match war heute auf den ersten Löchern sehr ausgeglichen, aber im Verlauf bin ich dann besser geworden, während mein Gegner nachgelassen hat, so dass es am Ende recht klar war.“

Halbfinale

Am Freitag geht es ab 8.20 Uhr weiter.
Im ersten Vierer spielen Frederik Schott und Philipp Katich gegen Tom McKibbin und Luke O´Neill, den Sieger der German Boys 2019.
Im Anschluss gehen Jonas Baumgartner und Laurenz Schiergen raus. Die beiden Deutschen treffen auf Aaron Marshall und Joshua McCabe.
Falls es nicht wieder durch Stechen zu Verzögerungen kommt, stehen ab 13.32  Uhr die fünf Einzel an.

Endstand ZS Livescoring Matchplay

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