Bild Information: Gut gespielt: Jannik de Bruyn und Timo Vahlenkamp (Foto: DGV/stebl)

Es geht in Bad Saarow um Bronze  

Team-EM Herren 2018
 

Grandiose Aufholjagd der Deutschen wurde nicht belohnt

Bad Saarow – Spitzengolf vom Feinsten wurde den Zuschauern am Freitag auf dem Faldo Course Berlin geboten. Im Halbfinale der European Amateur Team Championship 2018 der Herren lieferten sich Finnland und Gastgeber Deutschland ein Duell auf absolutem Top-Niveau, bei dem in der Abendsonne von Bad Saarow die Finnen jubeln durften, weil sie mit einer überragenden Leistung, aber auch mit der nötigen Portion Glück eine ebenfalls wieder ganz starke deutsche Mannschaft mit 4:3 geschlagen hatten.

Schläge, bei denen die Golffans mit der Zunge schnalzen, waren schon am Vormittag in den Vierern in Serie zu sehen und so kam es, dass Hurly Long und Marc Hammer ihr Match gegen Matias Honkala und Aleksi Myllymäki nicht gewinnen konnten, obwohl sie kein einziges Bogey gespielt hatten.

Die Finnen begannen ihren Tag um 7.30 Uhr mit einer wahren Fabel-Frontnine und führten trotzdem nur mit 1auf, als das Match zur Backnine kreuzte. Hier erhöhte Suomi zunächst auf 3auf, ehe Hurly Long und Marc Hammer den Turbo zündeten und im Stile echter Champions Bahn für Bahn aufholten. Auf dem 16. Grün gelang der Ausgleich und so blieb es bis zum Ende der regulären Runde. Es ging ins Playoff. Im Zählspiel hätten beide Seiten vier unter Par gelegen.

Playoff

Auf Bahn 1, einem 474 Meter langen Par 5, entschieden die Finnen sich für eine defensive Spielweise, konnten daher  das Grün nicht angreifen, legten ihren Ball aber sicher ab. Marc Hammer entschied sich für die risikoreichere Variante und versuchte, das Grün zu erreichen. Der Schlag war nicht ganz in der gewünscten Richtung und landete rechts von der Bahn unglücklich im Wasserhindernis, zudem so, dass ein Drop auch keine perfekte Lage ermöglichte. Die Finnen legten dagegen ihren dritten Schlag sicher an den Stock. Trotz entschlossenen Kampfes der Deutschen ging das Match auf dem 19. Grün an die Nordeuropäer.

Tür nur selten einen Spalt geöffnet

Im Match von Timo Vahlenkamp und Jannik de Bruyn legten die Finnen Veeti Mähönen und Sami Välimäki einen Blitzstart hin und führten schon nach drei Bahnen mit 2auf. Obwohl Vahlenkamp und de Bruyn absolut solide gespielt und ebenfalls teilweise echte Zauberschläge gezeigt hatten, reichte es am Ende nicht, um das Blatt zu wenden und der Punkt ging mit 4&3 an Finnland.

Großer Kampf ohne Happy End

Das Team um Bundestrainer Ulli Eckhardt ist für seine Comeback-Qualitäten bekannt und hat in den vergangenen Jahren mehrfach einen 0:2-Rückstand am Nachmittag in den Einzeln noch gedreht. Daher herrschte in der sehr kurzen Mittagspause zwar nicht gerade ausgelassene Freude über den Zwischenstand, aber Spieler und Betreuerstab waren weiterhin sehr optimistisch, den Finaleinzug zu schaffen. Dazu wäre es nötig gewesen, dass die Athleten vier der fünf Einzelmatches gewinnen. 

Glut gelegt, Feuer spät gezündet

Ulli Eckhardt sorgte also noch einmal für viel Motivation, die sich allerdings erst im Verlauf des Nachmittags in herausragendem Spiel äußerte.  Zunächst war es an den Finnen, genau da weiter zu machen, wo sie am Vormittag aufgehört hatten. Immer, wenn einer der deutschen Athleten einen sehr guten Schlag machte, kam eine finnische Antwort, gegen die kein Kraut gewachsen war. Sinnbildlich dafür mag ein Birdie des Kontrahenten von Michael Hirmer stehen, der auf Bahn 11 seinen zweiten Schlag links ins tiefe Rough versenkt hatte, den Ball von dort nur auf die Bahn hacken konnte, dann aber aus etwas mehr als 30 Metern seinen Chip mit jeder Menge Fortune einlochte und damit seine Führung auf 3auf ausbaute.

Hirmer ließ aber nicht locker und begann gegen Aleksi Myllymäki eine phantastische Aufholjagd. Die beiden Schlussspieler ihrer Teams spielten Birdie um Birdie. Mit 3down kam Hirmer von Grün 13, gewann dann spektakulär die Löcher 14 und 15, um sich damit die Chance zu bewahren, den alles entscheidenden Punkt für sein Team zu holen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Jannik de Bruyn sein Match gegen Matias Honkala schon sehr souverän mit 3&2 gewonnen, Marc Hammer hatte aus einem 1down-Rückstand nach 15 Bahnen schon eine 1auf-Führung gemacht und sicherte mit dem dritten Lochgewinn in Folge seinen 2auf-Sieg gegen Veeti Mähönen.

Falko Hanisch hatte gegen Sami Välimäki einen ganz schweren Stand. Sicher war der Druck für Hanisch auch besonders hoch, denn seinem Match folgten die meisten Zuschauer. Der Spieler des Berliner GC Stolper Heide genoss den Support aber sehr: „Ich fand es wirklich cool, dass man die Unterstützung aus dem Umfeld gespürt hat und so viele Leute hier waren. Besonders bei einer Aufholjagd ist es wichtig, den Rückhalt zu spüren. Mein Spiel war heute sehr solide, aber das reicht leider nicht für ein Halbfinale. Die wichtigen Putts wollten leider nicht fallen. Daher konnte ich dem Finnen das Momentum nicht nehmen. Er kam gut ins Spiel und man muss auch anerkennen, dass er wirklich sehr gut gespielt hat.“ Mit 5&3 holte der Finne einen Punkt.

Jannik de Bruyn hatte im Einzel sehr gut gespielt und dabei sehr viele Birdies gemacht. „Die Unterstützung von Betreuern und Zuschauern hat auf jeden Fall dazu beigetragen. Dass es am Ende für uns nicht gereicht hat, ist enttäuschend, aber wir müssen morgen nochmal Gas geben und uns die Medaille holen“, so der Rheinländer.

Marc Hammer sah in den beiden verlorenen Vierern den Knackpunkt für die Niederlage gegen Finnland: „Mit 0:2 in die Einzel zu starten, ist nicht unmöglich, aber den Rückstand zu drehen, ist sehr schwer. Dafür finde ich, haben wir alle bis zum Ende gekämpft und es ging letztlich ja auch nur noch Punkt um Punkt. Wir sind natürlich enttäuscht, aber wenn wir morgen Bronze holen, ist das immerhin auch etwas“, so der Mannheimer.

Zweites Playoff des Tages

Hurly Long war nach dem Playoff des Morgens schon wieder auf dem ersten Extraloch, denn sein Match gegen Santeri Lehesmaa wollte der Mannheimer auf keinen Fall abgeben. Durch zwei Dreiputts hatte Long dem Finnen aber eine kleine Chance eröffnet. Auf dem dritten Extraloch setzte sich Long durch, allerdings war in just diesem Moment das Match von Michi Hirmer, das als letztes gestartet worden war, auf dem 18. Grün beendet.

Hirmer hätte die 18 gewinnen müssen, um das Match auszugleichen und selbst ins Playoff gehen zu dürfen. Daraus wurde aber nichts, denn beide Spieler legten ihren zweiten Schlag etwa neun Meter neben die Fahne. Der Ausgleich war damit nicht mehr möglich, obwohl das deutsche Team eine wahrhaft große Aufholjagd geliefert und erneut für Hochspannung und begeisterte Zuschauer gesorgt hatte.

„Es ist schade, dass wir das nicht gepackt haben. In meinem Match heute am Nachmittag habe ich gute begonnen, dann aber nicht wirklich gute Eisen gehauen. Ich habe viele Pars gemacht, weil ich die Birdieputts nicht gemacht haben. Mein Gegner hatte einen guten Run und machte damit einige Birdies. Bei 3down und noch fünf Bahnen zu gehen, habe ich weiterhin an mich geglaubt. Nach den Birdies, mit denen ich auf 1down verkürzt habe, war ich voll angeknipst. Dass ich auf den letzten Bahnen dann nicht noch ein weiteres Birdie spielen konnte, ist sehr bitter. Morgen geben wir nochmal Vollgas und holen uns eine Medaille“, gab Hirner sich am Abend kämpferisch.

Ulli Eckhardt war am Abend trotz der Niederlage gegen die starken Finnen alles andere als enttäuscht: „Das war heute ein unglaubliches Match! Viel spannender hätte es nicht sein können. Wir haben toll gekämpft, aber die Finnen waren heute unglaublich stark. Dass wir zum Schluss mit einem Loch weniger das Match verlieren, ist bitter, aber jetzt gilt es, am Finaltag mit der gleichen Intensität rauszugehen und uns die Bronzemedaille zu holen. Das wollen wir jetzt noch machen!“

Gegen Dänemark um Bronze

Im zweiten Halbfinale setzte sich England knapp gegen Dänemark durch. Auch die Engländer gewannen ihrer Duell mit 4:3. Damit treffen im Finale England und Finnland aufeinander, im Kampf um Bronze steht das Duell zwischen Dänemark und Deutschland auf dem Spielplan.

Wieder werden am frühen Morgen ab 7.30 Uhr zwei Vierer gespielt, ehe zum Finale Furioso am Mittag fünf Einzel gespielt werden.

 

Ergebnis Zählspiel Livescoring Matchplay

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