Bild Information: Europameister Matthias Schmid (li.) mit Bundestrainer Ulli Eckhardt (Foto: DGV)

Schmid erneut Europameister

EM Herren
 

Matthias Schmid, einer der Helden von Hilversum, verteidigt seinen Titel als Europameister erfolgreich. Im GCC Zürich setzt sich der Athlet des GC Herzogenaurach bei ganz schwierigen Bedingungen am Finaltag letztlich mit drei Schlägen Vorsprung auf Nick Bachem durch, einem weiteren Helden von Hilversum.

Zumikon/Schweiz – Einen deutschen Doppelsieg hatte es in der Geschichte der Europameisterschaften noch nie gegeben. Eine erfolgreiche Titelverteidigung hatte es bisher nur einmal gegeben.
Die Erfolgsgeschichte für den deutschen Golfsport allgemein und für Matthias Schmid speziell geht weiter. Zeitgleich zum Finaleinzug der Mädchen bei der Team-EM in der Slowakei setzte sich der 22-jährige Modellathlet aus dem Kader von Bundestrainer Ulli Eckhardt zum zweiten mal in Folge die europäische Krone auf und darf damit auch wieder bei der nächsten „The Open“ im Kreise der Weltstars mitmischen.

Bis dahin war es an diesem kalten und regnerischen Tag in Zürich aber ein sehr hartes Stück Arbeit.

Vorentscheidung

Matti Schmid und Nick Bachem gingen schlaggleich mit fünf Schlägen Vorsprung auf die restliche Konkurrenz in die Finalrunde.
„Es war ein Art Matchplay, allerdings mit schlechtem Start für mich“, analysierte Nick Bachem die Voraussetzungen am Anfang der Runde. Gleich auf Bahn 1 verlor der Marienburger drei Schläge durch ein Triple-Bogey, bei dem ein Baum und Wasser die Hauptrollen spielten. Nach einem weiteren Bogey hatte er schon nach zwei Bahnen vier Zähler Rückstand auf Schmid, was bei den Bedingungen kaum noch aufholbar erschien.

Kälte und Regen setzten den Athleten zu, so dass teilweise sogar das Gefühl für Schläger und Ball verloren gingen. So hatte auch der ansonsten so sichere Spieler aus Bayern beim kreuzen auf die Backnine einige Probleme und zwei Dreiputts.
Auf Bahn 12 dann der wohl entscheidende Weckruf, als Matthias Schmid auch das Glück des Tüchtigen hatte.
„Der Eagle auf Loch 12 hat natürlich geholfen. Mein zweiter Schlag war im Wald und ist von dort wieder herausgekommen“, resümierte der alte und neue Europameister die Situation, in der er endgültig auf die Siegerstraße einbog.
Auf Bahn 14 hätte er fast ein Ass serviert, aber der Ball lippte mit gehörig Backspin doch noch aus. Der Jubel der Entourage war dennoch groß. Schmid hatte nicht nur seinen Vater am Bag, sondern wurde auch noch von seiner Familie und Freunden begleitet. Von da an lief das Spiel des alten und neuen Champions wieder gewohnt sicher. Das Doppelbogey auf Bahn 18 fiel nicht mehr ins Gewicht.
„Nun freue ich mich riesig auf den zweiten Auftritt bei The Open. Im Mai beende ich mein Studium in den USA und dann werde ich 2021 zu den Profis wechseln“, gab der Bayer seine Ziele und Pläne im Interview mit Sky bekannt.
„Heute war ein unglaublicher Tag für mich. Es war mental sehr schwierig. Mit vier Schlägen Vorsprung nach zwei Bahnen habe ich mir gedacht, dass ich es jetzt nur noch selber verlieren kann. Ich habe mich dadurch nicht so gut gefühlt, aber irgendwie das Ding doch zusammen gehalten. Nun bin ich überglücklich, auf den Bahnen 12, 13 und 14 einen solchen Turn machen und das Ding nach Hause fahren zu können. Es war eine unglaubliche Woche und mental so mit das Schwierigste, was ich bisher überhaupt auf dem Platz durchstehen musste. Ich bin überglücklich, dass es geklappt hat“, jubelte der Sieger am Abend des großen Triumphs.

Positives Fazit

Auch Nick Bachem konnte wenige Stunden nach dem letzten Putt schon wieder sehr positiv auf die Woche blicken: „Ich bin sehr zufrieden, alleiniger Zweiter bei der EM geworden zu sein. Heute die Runde war echt schwer, vielleicht eine der anstrengendsten Runden in meinem Leben. Es lief erst alles so, wie es nicht laufen sollte, aber ich habe mich reingehangen und kann mir nichts vorwerfen. Ich habe versucht, weiter zu grinsen und weiter gute Schläge zu machen, mich nicht unterkriegen zu lassen. Das habe ich ganz gut hinbekommen. Matthias hat im entscheidenden Moment wahnsinnig gut gespielt. Seine ganze Familie und Freunde waren dabei. Die sind alle golfverrückt, aber süß und schön golfverrückt, sehr fair. Das hat richtig Spaß gemacht, auch wenn ein zweiter Platz immer irgendwie ein bisschen weh tut.“

Wochenfazit Bundestrainer

Bundestrainer Ulli Eckhardt hat seit dem Sieg seiner Truppe bei der Team-EM ein Dauergrinsen. Glückstrunken bilanzierte der Erfolgscoach eine weitere Woche, die in die Geschichtsbücher des Golfsports eingehen wird: „Wir haben ein geiles Turnier gespielt. Mit sechs Deutschen unter den ersten elf Spielern war das ein tolles Ergebnis. Matti und Nick waren vor der Finalrunde mit fünf Schlägen vorne. Als Trainer geht man dann davon aus, dass einer von beiden das Ding gewinnen wird und wir einen deutschen Sieg haben. Dementsprechend ging es eigentlich darum, den Tag zu genießen, aber dem war nicht so. Nick ist sehr unglücklich gestartet und dann kam ein bisschen der Gedanke auf, dass es doch noch etwas enger werden könnte. Aber Nick hat sich gut gefangen und von da an sehr, sehr gut gespielt. Das Wetter war auf der Frontnine ganz grausam, so dass beide Spieler Probleme hatten, ihren Rhythmus zu finden. Auf der Backnine hat es dann besser geklappt. Ich bin sehr, sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Dass Matthias Schmid den Titel verteidigt hat, ist a) großartig aber b) gar keine große Überraschung für mich. Ich habe schon im Vorfeld gesagt, dass erstmal jemand kommen muss, der ihn schlägt. Auch wenn es heute aufgrund der Umstände schwieriger war, hat er die Gabe, alles auszublenden und hat auf den zweiten Neun einfach genau das gemacht, was Du tun musst, um zu gewinnen. Auch das kleine Quäntchen Glück, wie auf Bahn 12, muss man auch einmal haben. Er glaubt aber auch daran und es zeichnet ihn aus, dass er immer weiter macht. Nick Bachem hat auch ein tolles Turnier gespielt und auch ihm hätte ich den Sieg gegönnt. Auch wenn es nicht ganz gereicht hat, ist er Vize-Europameister. Phantastisch! Es wird eine tolle Zukunft auf uns zukommen. Die Spieler, die wir haben, werden noch für Furore sorgen und ich bin guter Dinge, dass wir Golfdeutschland in den nächsten Jahren dahin bringen, wo wir uns das vorstellen – auch im Profibereich.“

Berührt

Mental-Coachin Silke Lüdike, die auch bei dieser EM vor Ort war, nachdem sie bei der Team-EM als Kapitänin dabei war, war richtig begeistert von ihren Schützlingen: „Das war hier einmalig. So eine Battle wie am dritten Tag zwischen Matthias und Nick habe ich noch nie erlebt. Ich bin einfach nur glücklich und berührt, freue mich für die Jungs und das gesamte Team. Das war wieder eine tolle Woche!“

Goldene Zeiten

Marcus Neumann, Vorstand Sport im DGV, freute sich mit den Athleten über diesen erneut beeindruckenden Auftritt: „Nach dieser fulminanten Europameisterschaft freue ich mich über die goldenen Zeiten für Golfdeutschland. Unser Aushängeschild ist derzeit Matthias Schmid, der als Back-to-Back-Europameister wirklich alle beeindruckt. Nach seinem epischen Match mit dem jetzigen Vize-Europameister Nick Bachem am gestrigen Tag habe ich heute einen Matti gesehen, der seiner Konkurrenz nicht enteilte, vielmehr musste er unter widrigen Witterungsverhältnissen seinen Score zusammen halten. Und wie man sieht: auch das kann er!
Der Erfolg im Golf Team Germany ist sehr breit aufgestellt. Wo auch immer die Mannschaften antreten, spielen sie nicht nur um Medaillen, sondern gewinnen diese auch. Diese Erfolge sind nicht einfach locker erspielt, sondern beruhen auf wirklich harter Arbeit unserer Athleten und des Betreuerteams in einem hochprofessionellen System mit vielen wirksamen Rädern im Fördergetriebe. 2013 haben wir die Vision Gold 2020 proklamiert. Offenbar eine Punktlandung für die Nummer eins von 2019 und noch klarer nun in 2020 unter den Verbänden in der EGA.“

Siegerscore

Der Siegerscore des überragenden Spielers war nach Runden mit 66, 71, 64 und 72 Schlägen bei gesamt elf unter Par. Nick Bachem folgte mit acht unter Par, nachdem er Scorekarten mit 70, 68, 63 und 75 Schlägen unterschrieben hatte.
Vier weitere Deutsche schafften es in der Schweiz unter die besten elf Spieler des starken Feldes: Philipp Matlari (GC St. Leon-Rot) kam auf Rang sechs, Marc Hammer vom GC Mannheim-Viernheim und wie die beiden Medaillengewinner auch Team-Europameister von Hilversum landete auf Rang sieben.

"Die Woche war sehr komisch. Die ersten beiden Runden waren sehr bitter, weil ich gut gespielt, aber nichts gelocht habe. Am dritten Tag war mir fast die ganze Zeit schwindelig, so dass ich sogar überlegt habe, aufzuhören. Aber ich habe mich durchgebissen und dafür noch ein ganz akzeptables Ergebnis reingebracht. Heute hat Jannik für mich Caddy gemacht und wollten die Runde genießen und Spaß haben. Das haben wir gemacht und hatten eine sehr entspannte und witzige Runde, in der ich gut spielen konnte und endlich auch ein paar Putts gelocht habe", bilanziert Marc Hammer seinen siebten Platz.

Timo Vahlenkamp vom Berliner GC Stolper Heide schaffte es auf Rang neun und Philipp Katich vom GC St. Leon-Rot verpasste auf Rang elf die Top Ten nur hauchdünn.

 

ENDSTAND

RANG NAME     ENDSTAND
1 Matthias Schmid GERMANY -11
2 Nick Bachem GERMANY -8
6 Philipp Matlari GERMANY   -3
T7 Marc Hammer GERMANY -2
T9 Timo Vahlenkamp GERMANY -1
T11 Philipp Katich GERMANY Even
T22 Frederik Schott GERMANY   +3
T36 David Rauch GERMANY   +6
T40 Laurenz Schiergen GERMANY +8
T52 Brandon Dietzel GERMANY   +18

 

So lief Tag 3 Endstand

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