Masters

Historie: Von Sauerbraten bis Stoßgebet


4. April 2022 , Daniel Dillenburg


Schrieben ihr ganz eigenen Geschichten im Augusta National Golf Club: Bernhard Langer und Jack Nicklaus.
Schrieben ihr ganz eigenen Geschichten im Augusta National Golf Club: Bernhard Langer und Jack Nicklaus. | © Augusta National/Getty Images

Um kaum ein anderes Turnier ranken sich so viele Mythen und Anekdoten wie über das Masters Tournament. Wir blicken auf zehn historische Ereignisse rund um das Major in Augusta.

Es begann 1934

Zu verdanken haben wir das Masters Tournament Golflegende Bobby Jones. Zunächst gründete er den Augusta National Golf Club zusammen mit dem gut situierten Börsenmakler Clifford Roberts, nur um wenige Jahre später auf dem von Alister MacKenzie designten Kurs das damalige Einladungsturnier „Augusta National Invitation Tournament“ erstmals auszutragen (1935). Ein halbes Jahrzehnt später folgte der Namenswechsel zum Masters Tournament. Der Aufstieg dieses Events war nicht mehr aufzuhalten. Inzwischen gilt das Masters als das prestigeträchtigste Golfturnier der Welt.

Green Jacket

Der wohl begehrteste Kleidungsstück im Golf ist das grüne Jackett des Augusta National Golf Clubs. Was einst als Erkennungszeichen für die Mitglieder des Klubs diente, entwickelte sich ab 1949 zur etwas anderen Trophäe für den Sieger. Überreicht wird das Jackett jeweils vom Vorjahressieger, mit nach Hause nehmen darf der neue Champion das Green Jacket aber nicht. Das Original wird in den Katakomben des Klubs verwahrt und der Sieger muss sich mit einem Replik begnügen, das er sich dann in den eigenen Schrank hängen darf.

Ein seltenes Bild aus den heiligen Hallen des Augusta National Golf Clubs.
Ein seltenes Bild aus den heiligen Hallen des Augusta National Golf Clubs. | © Augusta National/Getty Images

Champions Dinner

Im Vorfeld des Masters richtet der Titelverteidiger das sogenannte Champions Dinner aus, zu dem alle ehemaligen Masters-Sieger eingeladen sind. Ben Hogan führte die Tradition 1952 ein. Damals bildeten elf verschiedene ehemalige Sieger der 15 Austragungen den Masters-Club. In diesem Jahr werden die Herren von Hideki Matsuyama verwöhnt. Jeder Anwesende darf aber auch von der Karte bestellen. Jack Nicklaus griff einst auf diese Option zurück, als der Schotte Sandy Lyle 1989 Haggis servierte. Bernhard Langer tischte einst Sauerbraten und Schwarzwälder Kirschtorte auf – typisch deutsch eben.

Bernhard Langer

Bevor Bernhard Langer zwei Mal das Menü beim Champions Dinner bestimmen durfte, musste er das Masters entsprechend oft gewinnen. Das erste Mal triumphierte Langer 1985 in Augusta und löste damit einen golferischen Urknall in Deutschland aus. Triumph Nummer zwei folgte 1993, wodurch er letzte missgünstige Stimmen verstummen ließ, die behaupteten sein erster Sieg sei nur Zufall gewesen. Auch 37 Jahre nach seinem ersten Sieg ist Langer weiterhin dabei – inzwischen ist er 64 Jahre alt. Doch das Alter spielte bei ihm zuletzt keine Rolle. 2020 schaffte er als ältester Spieler jemals den Cut beim Masters.

Legenden unter sich: Arnold Palmer hilft Jack Nicklaus ins Green Jacket.
Legenden unter sich: Arnold Palmer hilft Jack Nicklaus ins Green Jacket. | © Bettmann/Getty Images

Rekordsieger

Der erste Gewinner des Masters Tournaments war Horton Smith. Sein Preisgeld betrug damals 1.500 US-Dollar. Inzwischen ist der Siegerpreisscheck mehr als zwei Millionen US-Dollar schwer. Jack Nicklaus hält nicht nur den Rekord für die meisten Masters-Siege (6), sondern auch für die meisten zweiten Plätze. Gemeinsam mit Tom Weiskopf und Ben Hogan landete er vier Mal auf dem zweiten Rang. Tiger Woods kommt auf fünf Siege, gefolgt von Arnold Palmer mit vier. Durchaus illustre Namen also, die zu den erfolgreichsten Spielern in Augusta zählen.

Lee Elder

Gut 40 Jahre dauerte es, bis das Masters seinen ersten afro-amerikanischen Spieler begrüßte. Lee Elder war Pionier und Wegbereiter für eine Entwicklung im erzkonservativen Augusta National Golf Club, der viele Jahre rassistische Barrieren aufwies. 15 Jahre nach Elders Teilnahme nahm der Klub dann auch sein erstes schwarzes Mitglied auf.

An der Seite von Gary Player und Jack Nicklaus am Ehrenabschlag beim Masters.
An der Seite von Gary Player und Jack Nicklaus am Ehrenabschlag beim Masters. | © Kevin C. Cox/Getty Images

Ehrenabschlag

1963 begann sich eine weitere Tradition zu etablieren. Jock Hutchison und Fred McLeod waren die ersten Ex-Champions, die das Masters mit einem Ehrenabschlag eröffneten. In den folgenden Jahrzehnten traten Legenden wie Byron Nelson oder Gene Sarazen in ihre Fußstapfen. Das wohl ikonischste Trio fand sich 2012 zusammen, als Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Gary Player die Ehre gaben. 2021 nahm Lee Elder den Platz des 2016 verstorbenen Palmer ein. In diesem Jahr tritt Tom Watson an die Seite von Nicklaus und Player.

Titelverteidiger

2021 schrieb Hideki Matsuyama Geschichte. Als erster Japaner gewann er ein Herrenmajor. Zudem durfte er sich als erster asiatischer Spieler überhaupt das Green Jacket überstreifen. Mit einem Gesamtergebnis von -10 hatte er am Ende einen Schlag Vorsprung auf Will Zalatoris. Eine unvergessene Szene aber ging auf Matsuyamas Caddie Shota Hayafuji zurück, der nach der Entscheidung auf der 18 seinen Hut abnahm und sich in Richtung Platz verbeugte. „Eine Verneigung vor den Meistern“, wie er hinterher sagte.

Mit Spaß und Familie beim Par-3-Contest.
Mit Spaß und Familie beim Par-3-Contest. | © Chris Trotman/Augusta National via Getty Images

Par 3 Contest

Wie die anderen drei Majors auch besteht das Masters Tournament aus vier Turniertagen. Die Blicke gehen jedoch schon vor dem ersten Abschlag am Donnerstag in Richtung Augusta. Großes Highlight ist jedes Jahr der Par-3-Wettbewerb, der mittwochs über die Bühne geht. Eingeführt wurde das Mini-Turnier, bei dem die Teilnehmenden gerne ihre Familien an die Seite holen, 1960, zwei Jahre nach Fertigstellung des Par-3-Kurses. Der kurze Par 27 bietet jede Menge Show-Potential mit knapp 100 Hole-in-Ones, die seit Erstaustragung gespielt wurden. Ein kleiner Fluch liegt jedoch auf dem Par-3-Wettbewerb. Noch nie konnte der Sieger des Familienevents anschließend das Masters gewinnen.

Amen Corner

Der Ursprung des Begriffs „Amen Corner“ geht zurück ins Jahr 1958. Damals taufte der amerikanische Golfjournalist Herbert Warren Wind den Abschnitt des Augusta National Golf Clubs, der sich von der zweiten Hälfte des elften Lochs bis zur ersten Hälfte des 13. Lochs erstreckt, auf den inzwischen ikonischen Namen. Mit dem Beichtstuhl in katholischen Kirchen im Süden der USA hat der Name nichts zu tun. Vielmehr suchte Wind nach einer passenden Überschrift für den dramatischen Sieg von Arnold Palmer. Stoßgebete auf diesen Löchern sind keine Seltenheit. Immerhin zählt die Amen Corner zu den schwierigsten Abschnitten des Platzes. Mehr zum Platz des Augusta National Golf Clubs lesen Sie hier >>>