Bobby Jones

Der Masters-Erfinder


16. März 2022 , Felix Grewe


Für viele ist er der größte Golfer der Geschichte: Robert Tyre
Für viele ist er der größte Golfer der Geschichte: Robert Tyre "Bobby" Jones jr. | © Julian P Graham/Underwood Archives/Getty Images

Das jährliche Masters haben wir Robert Tyre „Bobby“ Jones zu verdanken. Er gründete einst den Augusta National Golf Club. Vorher schrieb er Sportgeschichte – und wird bis heute als einer der größten Golfer überhaupt verehrt. Am 17. März hätte er Geburtstag.

Wenn sich jedes Jahr im Frühjahr das Masters in Augusta nähert, das erste große Highlight einer neuen Saison, dann erinnert man sich gern auch an seinen Initiator. Ist ja normal. Vor olympischen Spielen kramen Nostalgiker Geschichten über Pierre de Coubertin aus dem Archiv. Hält man das neue iPhone in der Hand, dankt man noch immer Steve Jobs für seinen Entwicklergeist. Und an Ostern und Weihnachten – naja, Sie wissen schon...  Beim Masters geht es, auch das ist Ihnen sicher bekannt, um Bobby Jones – oder in voller Länge: Robert Tyre Jones jr. Eine Legende seines Sports, viele sagen sogar der Größte überhaupt. Am 17. März wäre er 120 Jahre alt geworden, was bei diesem fast unerreichbaren Alter seltsam klingt. 

Traum vom idealen Platz

Mit dem Augusta National Golf Club hat sich Jones ein Denkmal für die Ewigkeit errichtet. Der Legende nach hatte er schon lange seine Vorstellung vom idealen Platz im Kopf. Da es ihn in seinen Augen noch nicht gab, musste er ihn selbst kreieren. Ein exklusiver Club sollte es werden, ein anspruchsvoller aber privater Platz. Als 1931 – Jones hatte seine Karriere zu diesem Zeitpunkt bereits beendet, aber dazu später mehr... – eine ehemalige Gärtnerei in Augusta zum Verkauf stand, wurde sein Traum wahr. Jones, inzwischen als Anwalt tätig, kaufte das Grundstück zusammen mit Clifford Roberts, einem gut situierten Börsenmakler.  Sie holten den legendären Golfplatzarchitekten Alister MacKenzie ins Team und feilten an der Gestaltung des Platzes. Zwei Jahre später, 1933, wurde der Augusta National Golf Club eröffnet – doch ein großes Turnier fehlte noch. Zunächst wollte man die US Open nach Georgia holen, aber im Juli war es dort schon damals viel zu heiß. Die Macher organisierten also ein neues Einladungsturnier, Jones höchstpersönlich griff wieder zum Eisen, Amerika war verzückt – und das heutige Masters geboren. 

Jones' Werk: Der Augusta National Golf Club.
Jones' Werk: Der Augusta National Golf Club. | © Augusta National/MillerBrown/Getty Images


Chips und Putts im Garten

Die Geschichte von Jones beginnt 1902, da kommt „Bobby“ (später mochte er den Namen lange Zeit nicht, stellte sich meist als „Bob“ vor) als Sohn eines berühmten Richters in Atlanta auf die Welt. Die Eltern sorgen sich schon früh um die Gesundheit ihres auffällig schmächtigen Kindes. Zur Kräftigung soll er Sport treiben. Die Wahl fällt, durchaus unpopulär, auf Golf. Die ersten Chips und Putts übt der kleine „Bobby“ im Garten zuhause. Sein Talent ist da schon nicht zu übersehen. Mit sechs Jahren gewinnt er sein erstes Turnier über sechs Löcher. Im Alter von neun Jahren wird er Meister des East Lake Country Clubs, ein Jahr später spielt er eine 90 über 18 Löcher, noch ein Jahr darauf eine 80. Als er zwölf ist, knackt er die 70, drischt den Ball 250 Meter weit, was angesichts der damaligen Materialien – Schläger mit Holzschäften, dazu Gummibälle – eine Sensation ist. Jones erlebt einen kometenhaften Aufstieg, sein Weg ins Profilager scheint geebnet. 

Der ewige Amateur

Doch dorthin wechselt er nie. Jones bleibt ein Amateur, der Status ist ihm heilig, auch wenn er später mit Lehrvideos seiner außergewöhnlichen Schläge und als Berater doch noch Geld im Golfbusiness verdient. Für Kritiker ein Widerspruch. Trotzdem schreibt Jones Sport-Geschichte. 1923 siegt er im Stechen zum ersten Mal bei der US Open, er ist zu diesem Zeitpunkt zarte 21 Jahre alt. Es ist der Beginn einer damals erdrückenden Dominanz. In den kommenden sieben Jahren gewinnt Jones 13 von 20 Majorturnieren, bei denen er startet. Er gilt als Meister des kurzen Spiels, als gefühlvoller, filigraner Techniker, sein Putter, der den SpitznamenCalamity Jane trägt (heute haben sie eines von zwei Modellen in Augusta ausgestellt!), ist ähnlich berühmt wie Jones selbst.

Legendär: Die Hogan Bridge im National Golf Club von Augusta ist weltberühmt.
Legendär: Die Hogan Bridge im National Golf Club von Augusta ist weltberühmt. | © golfsupport.nl/Brian Spurlock/Icon Sportswire


Krönung und Rücktritt

Die Krönung: der Grand Slam 1930! Jones triumphiert bei allen vier Majors, der US Open, der British Open und der beiden Amateur-Events. Auf dem Höhepunkt beendet er seine Karriere – mit gerade einmal 28 Jahren! Der Sport zehrt an Jones‘ Psyche, während eines Turniers nimmt er bis zu sieben Kilo Körpergewicht ab, weil der Kampf gegen die inneren Dämonen so brutal ist. "Wieso sollte ich mich wegen eines Golfturniers so quälen“ fragt er eines Tages. Und weiter: „ManchmaI lief ich auf dem Platz an meinen Eltern vorbei, schaute sie an und konnte sie gar nicht erkennen, weil ich so auf das Spiel konzentriert war.“ 

Ein fairer Choleriker

Jones, der am 18. Dezember 1971 verstarb, war anders als die Masse. In seinen jungen Jahren eilte ihm der Ruf eines Cholerikers voraus, der sein Temperament oft nicht zügeln konnte. Erst als er mit der Zeit lernte, seine Emotionen zu kontrollieren, erwuchsen daraus eine besondere Leidenschaft und ein unbändiger Siegeswille. Jones war charismatisch und introvertiert zugleich, ein Perfektionist, das Gute war für ihn selten gut genug. Und trotzdem war er stets für seine Fairness bekannt. Der US-Golfverband vergibt seit 1955 jährlich den Bobby-Jones-Award für außergewöhnlichen Sportsgeist und besondere persönliche Qualitäten. Der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower adelte ihn einst: „Diejenigen, die glücklich genug waren, ihn kennenzulernen, erkennen, dass seine Popularität als Golfer von seiner unermesslichen Qualität als Mensch übertroffen wird." 

Auch deshalb erinnert man sich in Augusta so gern an ihn. Mindestens einmal im Jahr. Wenn das Masters beginnt... 

 

Im Video: Golftraining mit Legende Bobby Jones...