Rückblick

Players 2014: Als Deutschland Kaymers Auferstehung feierte


9. März 2022 , Daniel Dillenburg


Martin Kaymer und seine hart erkämpfte Players-Trophäe.
Martin Kaymer und seine hart erkämpfte Players-Trophäe. | © golfsupport.nl/Mark Sims/ism

Martin Kaymer gewinnt mit der Players Championship 2014 eines der bedeutendsten Turniere der Welt. Wir blicken zurück auf das Drama von Sawgrass.

Für Martin Kaymer hatte die Players Championship schon immer einen hohen Stellenwert. Wie viele andere auch, sieht er das Turnier im TPC Sawgrass als fünftes Major des Jahres. Den Platz mit dem berüchtigten Inselgrün mag der Deutsche recht gerne. Den Hype um das Loch relativierte Kaymer aber einst: „Die 17 ist ein besonderes Par 3 wegen der Stadionatmosphäre, aber es sind nur 130 Meter, meistens ein Pitching-Wedge, also sollte man nicht zu viel hineininterpretieren. Sicher habe ich dort auch schon einen Ball im Wasser versenkt, aber eigentlich ist dieses Loch nicht so schwer. Man will das richtige Plateau im Grün treffen, deshalb fliegt da schon einmal einer ins Wasser.“ Ob er diese Worte auch nach seinem Erfolg 2014 noch so gewählt hätte?

Kaymer reiste damals in einer guten Form nach Ponte Vedra Beach, Florida. Die Ergebnisse der Vorwochen machten Hoffnung und auch die persönliche Bilanz bei der Players war solide. Doch Kaymer befand sich zu dieser Zeit noch in einer Findungsphase. „Ich habe in den vergangenen zwei Jahren viel über meine Schwungänderungen nachgedacht“, sagte die ehemalige Nummer eins damals. „Nach jedem Schlag habe ich versucht herauszufinden, was ich falsch und was ich richtig gemacht habe. Es behindert einen einfach, wenn man zu viel nachdenkt und versucht, perfektes Golf zu spielen.“

Hatten offensichtlich den perfekten Matchplan zurechtgelegt: Craig Connelly und Martin Kaymer.
Hatten offensichtlich den perfekten Matchplan zurechtgelegt: Craig Connelly und Martin Kaymer. | © golfsupport.nl/Mark Sims/ism


Kaymer erwischte einen perfekten Start ins Turnier. Mit einer 63 (-9) in Runde eins der Players Championship egalisierte er den Platzrekord und setzte sich mit zwei Schlägen Vorsprung an die Spitze des Leaderboards. Er benötigte auf seinen zweiten neun Löchern - Kaymer war auf der 10 gestartet - nur 29 Schläge (-7) und stellte damit einen Rekord auf. „Ich habe aufgehört, groß nachzudenken“, so Kaymer nach der Runde über sein neues Erfolgsrezept.

Nach einem fehlerfreien Auftakt folgten am Freitag die ersten Bogeys. In der zweiten Runde benötigte Kaymer sechs Schläge mehr als noch am Vortag und ließ die starke Präzision vermissen. „Ich glaube nicht wirklich ans Momentum. Jeder Tag ist ein neuer“, sagte der damals 29-Jährige, der trotzdem noch als Führender ins Wochenende ging.

In Runde drei bekam Kaymer dann Besuch von Jordan Spieth an der Spitze des Leaderboards. Beide gingen bei -12 in den Finaltag und für den Mann aus Mettmann war damals klar: Sollte er bei der Players Championship triumphieren, kann er sich zurück in die Sphären spielen, aus denen er sich 2012 bei der HSBC Champions verabschiedet hatte, als er sein letztes Turnier gewonnen hatte. Die Hoffnung war da – der Druck umso größer.

Kam nach dem Gewitter ins Straucheln: Martin Kaymer.
Kam nach dem Gewitter ins Straucheln: Martin Kaymer. | © golfsupport.nl/Mark Sims/ism


Kaymer hatte seine Nerven am Sonntag zunächst im Griff: Kein Bogey auf 13 Löchern. Alles schien wie gemacht für den größten Erfolg für den 29-Jährigen seit seinem Major-Titel in Whistling Straits 2010 bei der PGA Championship. Es wurde langsam Abend auf dem TPC Sawgrass, als Kaymer die Players Championship mit vier Schlägen anführte. Die Presseagenturen schrieben die Mitteilungen über den ersten deutschen Players-Sieger wahrscheinlich schon vor. Doch plötzlich zog ein Gewitter über die Anlage. Eine 90-minütige Unterbrechung, gefolgt von Regenschauern stellten gefühlt alles auf den Kopf.

Kaymer verzog seinen Abschlag an der 15 weit nach links nahe eines Baumes. Von dort verpasste er das Grün weit links. Es folgte das Doppel-Bogey an einem der einfachsten Bahnen des Kurses. Und plötzlich hatte Kaymer nur noch einen Schlag Vorsprung auf Jim Furyk, der es sich inzwischen im Clubhaus mit zwölf unter Par gemütlich gemacht hatte. Der bis dato so coole Führende zeigte Nerven. „Ich habe dann einige falsche Entscheidungen getroffen", sollte Kaymer später sagen. An der 16 versuchte er es von weit abseits des Grüns mit dem Putter, konnte die Geschwindigkeit nicht wirklich einschätzen und ließ sich zwei weitere Putts.

Den Instinkten folgen

Doch der Höhepunkt der Zitterpartie sollte noch kommen. An der 17, jenem Par 3, über das Kaymer einst sagte, dieses Loch sei gar nicht so schwer, erwischte sein Ball eine Welle, rollte Richtung Wasser und blieb Zentimeter davor liegen. Kurzes Durchatmen bei ihm sowie den tausenden von deutschen Golffans vor den Bildschirmen. Ein weiterer unsicherer Chip ließ ihm einen langen Putt - mit viel Break. Alles lief plötzlich gegen ihn. Und wieder kam alles anders. Kaymer lochte sensationell. Ein Putt, der in die Geschichte der Players Championship einging und über den er selbst sagte: „Ich habe meinen Instinkten vertraut.“

Es blieb ein Schlag Führung. Und Kaymer war plötzlich wieder Herr der Lage. Er lochte zum sicheren Par, als die Sonne schon komplett am Horizont verschwunden war. Bei 13 unter Par ließ er Furyk einen Schlag zurück, was bedeutete: Der zweite Titel für Kaymer in den USA nach seinem Major-Triumph, sein zweitgrößter nach der PGA Championship 2010. Nach Jahren kleinerer und größerer Misserfolge und wenig großen Momenten ließ er am Muttertag 2014 einen sehr, sehr großen folgen. „Dieses Turnier am Muttertag zu gewinnen, ist so etwas wie das i-Tüpfelchen. Ich denke jeden Tag an sie“, sagte Kaymer sichtlich bewegt. Im Mai 2008 war Rina Kaymer ihrer Krebserkrankung erlegen, Mutter und Sohn verband ein inniges Verhältnis.


Und die Presseagenturen konnten endlich ihre Texte finalisieren. Von „Kaymers Auferstehung“ war die Rede. „Er ist wieder da“, schrieb die Welt. In der Weltrangliste war Kaymer plötzlich wieder unter den Top 50 gelistet. Der Triumph bei der Players Championship war so etwas wie der Katalysator für die erfolgreichste Saison in der Karriere des besten deutschen Golfers der vergangenen 15 Jahre.

Einen Monat später dominierte er die US Open in Pinehurst mit einem weiteren Start-Ziel-Sieg und war damit der erste Spieler in der Geschichte, der diese beiden Turniere hintereinander gewinnen konnte. Im September folgte der Sieg beim Ryder Cup und im Oktober gewann Kaymer dann noch den PGA Grand Slam of Golf. Eine Entwicklung, die vor der Players Championship 2014 vermutlich nicht mal er selbst für möglich gehalten hätte.

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