Saudi-Liga

Mickelson zeigt Größe und sagt "Sorry!"


23. Februar 2022 , Thomas Kirmaier


Steht zu seinen Fehlern: Phil Mickelson will nach zuletzt turbulenten Tagen eine Pause vom Tour-Golf nehmen. © Oisin Keniry/Getty Images
Steht zu seinen Fehlern: Phil Mickelson will nach zuletzt turbulenten Tagen eine Pause vom Tour-Golf nehmen. © Oisin Keniry/Getty Images

Nach seinen kritischen und teils beleidigenden Aussagen über die PGA Tour und das Projekt Super-Golf-League zeigt Phil Mickelson Reue, entschuldigt sich öffentlich und kündigt eine längere Pause an.

Phil Mickelson hat einen Fehler gemacht. Vielleicht sogar mehrere. Nicht beim Chippen oder auf dem Grün. Der 51-jährige Kalifornier ist verbal schlicht etwas entgleist. Und das nicht nur einmal. Erst sein seltsamer Flirt mit der Super Golf League, dann seine harsche Kritik am Königreich Saudi-Arabien, das das Projekt mit seinen Millionen und Greg Normans Unternehmen LIV Golf Investments plant. Und schließlich Mickelsons Beleidigungen der PGA Tour, der er „widerwärtige Gier“ vorwarf und sie „eine als Demokratie verkleidete Diktatur“ nannte. In einem Interview gab er zu, dass ihm die alternative Super League gerade recht sei, um Druck auf die PGA Tour auszuüben.

Harte Worte, die er besser nicht gewählt hätte. Einige Tour-Kollegen zeigten sich irritiert. Rory McIlroy fand Mickelsons Aussagen „selbstsüchtig, egoistisch und ignorant“. Aber – und jetzt kommt das Entscheidende: Mickelson hat sich entschuldigt. Was sich liest wie ein ganz gewöhnlicher Satz, ist in diesen Tagen vielleicht die wichtigste Botschaft. Mickelson hat sich entschuldigt. Da hat einer einen Fehler gemacht, ihn eingesehen und sich dafür entschuldigt. Nein, er hat sich nach einem Fehlgriff nicht in seine Ecke verkrochen, um den Shitstorm und die negative Presse auszusitzen, bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Da zeigt einer Reue, packt seinen Mut und sagt: „Hey Leute, das war dumm von mir!“

Solch menschliche Größe würde man sich in diesen Zeiten häufiger wünschen. Von Entscheidern, die einfach mal einen Fehler (oder mehrere) gemacht haben, ihn eingestehen und hinterher zugeben: „Tut mir leid!“ Drei Worte, die die Welt bedeuten. Eine ehrliche Entschuldigung kann so entwaffnend sein. Okay, vielleicht haben Mickelson auch der öffentliche Druck und Sponsoren zu seiner öffentlichen Reue getrieben. Schließlich verkündete sein langjähriger Partner KPMG prompt die Trennung. Dabei kennt man Mickelson eigentlich nur mit schwarzer (oder weißer) Kappe, auf der die vier Buchstaben jener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prangen, die zu den „Big Four“ gehört.

Finanziell dürfte man sich um Mickelson, den sechsfachen Majorsieger, und seine Familie keine Sorgen machen müssen. Er wird um die Runden kommen, auch wenn er die nächsten Runden wohl erst einmal aussetzen wird. Eine Auszeit wolle er sich nehmen und denjenigen, die er am meisten liebe, seine volle Aufmerksamkeit schenken - und reflektieren. Natürlich ist Reue eine Art Verstand, der zu spät kommt. Aber wer bereut, dem wird verziehen. Wer nie bereut, dem kann man nicht verzeihen.

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