Mickey Wright

Mit ganz viel Schwung


12. Februar 2022 , Felix Grewe


Eleganter Schwung: Mary Kathryn „Mickey“ Wright dominierte in den späten 50er und 60er Jahren die LPGA Tour.
Eleganter Schwung: Mary Kathryn „Mickey“ Wright dominierte in den späten 50er und 60er Jahren die LPGA Tour. | © Getty Images

Am 14. Februar wäre Mary Kathryn „Mickey“ Wright 87 Jahre alt geworden. Erinnerungen an eine der größten Spielerinnen in der Geschichte der LPGA Tour.

Es gibt viele schöne Anekdoten von Mary Kathryn „Mickey“ Wright. Eine geht so: Als 17-Jährige, im Jahr 1952, studiert sie an der Universität in Stanford Psychologie. Ihr Lebensweg scheint geebnet. Da gewinnt sie plötzlich die USGA Girls Junior Championship, eines der wichtigsten Turniere des amerikanischen Golfverbands für den Nachwuchs. Wright entscheidet sich für den Weg ins Profigeschäft, das damals – natürlich – längst noch nicht vergleichbar war mit jenem heutzutage. Viele Jahre später, „Mickey“ Wright hat da bereits alle großen Turniere auf der LPGA Tour gewonnen, sagt sie, angesprochen auf ihr abgebrochenes Studium: „Ich habe meine eigene Version eines Masters in Psychologie auf den Golfplätzen in den Vereinigten Staaten gemacht. Denn Psychologie gehört zum guten Golf wie ein effizienter Schwung.“ Niemand würde ihr widersprechen. 

„Der beste Schwung in der Geschichte des Golfsports"

Apropos Schwung: Der war Wrights Markenzeichen und von Eleganz, da sind sich fast alle einig, die etwas verstehen von diesem Sport, nicht zu überbieten. Der große Ben Hogen, selbst über alle Ländergrenzen hinweg berühmt für den perfekten Schwung, adelte seine Kollegin einmal: „Sie hat den besten Schwung in der Geschichte des Golfsports.“ Wrights langjährige Kontrahentin Kathy Withworth, die mit 88 Titeln auf der LPGA Tour die bisher meisten Siege feierte und sechs Turniere mehr gewann als Wright, pflichtete ihm bei: „Ich hatte das Privileg, mit Sam Snead, Jack Nicklaus, Arnold Palmer und allen anderen zu spielen – sie war die Beste, ob Mann oder Frau." 

Wright erklärt ihren Traumschwung

Wright selbst gab in einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender ESPN einmal zu Protokoll: „Ich habe den Schläger geschwungen, das war’s. Das Schlüsselwort ist Schwung, nicht Drehung. Nicht die Füße auf dem Boden halten, als wären sie in Zement gegossen, damit dein Körper sich nicht bewegt. Das ist für mich kein Schwung.“ Wright, so erzählen Insider in der Szene, soll Notizbücher gefüllt haben mit ihren Gedanken zum Schwung. Einmal schrieb sie nieder: „Ein Schwung hat sein eigenes Tempo. Erschaffe keines für ihn.“ 

Sicher ist: Wright, die am 14. Februar 87 Jahre alt geworden wäre (sie verstarb 2020, drei Tage nach ihrem 85. Geburtstag), hat eine Menge richtig gemacht. 1956 gelang ihr der erste Sieg auf der LPGA Tour, die sie danach über viele Jahre mit dominieren sollte. 82 Turniersiege feierte sie, darunter 13 Majortitel – vier davon gewann sie in Serie, das schaffte außer ihr nur Tiger Woods.

Wright und ihr Eisen 2

1969 beendete die Amerikanerin ihre Karriere, vergleichsweise früh, nämlich mit 34 Jahren. Ihr missfiel ihre Rolle im Rampenlicht, dort fühlte sie sich nicht wohl. „Um das alles zu lieben, musst du Druck aushalten, ich konnte das nicht mehr“, gestand sie. Das Ende ihrer beeindruckenden Karriere war jedoch keineswegs auch das Ende ihrer Beziehung zum Golfsport. Bis kurz vor ihrem Tod schlug sie immer wieder ein paar Bälle, dabei faszinierte sie bis zuletzt das Tüfteln am Schwung. „Es muss Golf im Himmel geben“, sagte sie 2017 in einem Interview mit Golf Digest. „Ich hoffe, wenn ich dort hinkomme, dass nur ich und das Eisen 2 dort sind – und höchstens einige Engel zuschauen.“ Man wünscht ihr, dass es genau so ist.

 

Im Video: Mickey Wright erklärt ihren Schwung mit dem Eisen 2