Rückblick 2021

Golfboom und Preisgeldkönig: Die Zahlen aus 2021


31. Dezember 2021 , Daniel Dillenburg


Stephan Jäger sammelte gemeinsam mit Caddie und Ehefrau Shelby ordentlich Preisgeld auf der Korn Ferry Tour 2021. © golfsupport.nl/Emanuel
Stephan Jäger sammelte gemeinsam mit Caddie und Ehefrau Shelby ordentlich Preisgeld auf der Korn Ferry Tour 2021. © golfsupport.nl/Emanuel

Wir blicken zurück auf ein ereignisreiches Jahr und picken uns die Zahlen sowie Statistiken heraus, die 2021 herausstachen.

Im Golfsport verbirgt sich in vielerlei Hinsicht eine Ästhetik, die letztlich auch den Reiz dieses Sports ausmachen. Nichts geht über einen schönen, sauber ausgeführten Schwung mit knackigem Ballkontakt und den anschließenden Spaziergang – Pitchgabel zückend - zum Grün. Der Höhepunkt: Das Geräusch beim Lochen eines Putts. Doch oftmals fühlt sich der Moment schöner als es das Ergebnis aussagt. Denn letzten Endes gehört Golf zu den Sportarten, bei denen die nackten Zahlen zählen. Unabhängig von jedem trügerischen Gefühl haben wir einige interessante Zahlen und Statistiken aus dem abgelaufenen zusammengesammelt. Ob der längste Drive, eine starke Rookie-Saison oder ein neuer Altersrekord. Diese Zahlen lügen nicht:

Golf boomt

Laut einer Umfrage der R&A stieg die Gesamtzahl der GolferInnen seit 2016 von 61 auf 66,6 Millionen. Der neue Höchststand ist laut dem European Golf Participation Report 2021 insbesondere einem Trend in Europa zu verdanken. Hier stieg die Anzahl von 7,9 Millionen auf 10,6 Millionen GolferInnen, was einem Zuwachs von etwa einem Drittel entspricht. Die Zahl der registrierten DGV-Mitgliedschaften ist in den vergangenen fünf Jahren von 643.000 auf rund 670.000 gestiegen. Ebenfalls Rekord.

Tiger Woods mit seinem Sohn Charlie bei der PNC Championship 2021. © golfsupport.nl/Russell Lansford/ism

Tiger Woods mit seinem Sohn Charlie bei der PNC Championship 2021. © golfsupport.nl/Russell Lansford/ism

Woods-Comeback

362 Tage lagen zwischen der Finalrunde der PNC Championship 2020 und der ersten Runde der PNC Championship 2021. Genauso lange pausierte Tiger Woods, nachdem er sich zunächst einer Operation am Rücken unterziehen ließ und dann im Februar schwer verunglückte. Das letzte Mal, dass der 15-malige Major Sieger ein komplettes Jahr lang kein offizielles PGA-Tour-Event spielte, war 1991.

Längster Drive

Wenn man an die längsten Driver auf der PGA Tour denkt, fallen einem mit Sicherheit einige Namen ein (Bryson DeChambeau), dieser aber bestimmt nicht: Lee Westwood. Der 48-jährige Engländer hat 2021 aber die Bestmarke in Sachen „Long Drive“ aufgestellt. Beim AT&T Byron Nelson kam Westwoods Abschlag auf der zehnten Bahn erst nach 389 Metern zum Halten. Zugegeben: Der Kartweg auf der linken Seite des Fairways half tatkräftig mit, doch dies wird in den Statistikbüchern nicht vermerkt. Im Durchschnitt haute Westwood seinen Ball übrigens 269 Meter vom Tee (T118). DeChambeau war – wenig überraschend – im Durchschnitt der Weiteste mit 296 Metern.

Major-Mickelson

53 Jahre lange galt Julius Boros als der älteste Major-Sieger. Im Alter von 48 Jahren gewann er 1968 die PGA Championship. Dieser Rekord wurde 2021 pulverisiert. Denn Phil Mickelson drehte bei der PGA Championship auf Kiawah Island ein wenig an der Uhr und ließ seinen jüngeren Kollegen keine Chance. Mit einem Gesamtergebnis von sechs unter Par und einem Alter, mit der bereits bei den Senioren startberechtigt ist, durfte der 50-Jährige 30 Jahre nach seinem ersten PGA-Tour-Erfolg seinen sechsten Major-Sieg in die Höhe strecken.

Jin Young Ko war die überragende Spielerin auf der LPGA Tour 2021. © golfsupport.nl/Rich Graessle/ism

Jin Young Ko war die überragende Spielerin auf der LPGA Tour 2021. © golfsupport.nl/Rich Graessle/ism

Dominanz pur

Die überragende Spielerin der abgelaufenen LPGA-Tour-Saison war Jin Young Ko. Nicht nur gewann sie die Auszeichnung zur Rolex Spielerin des Jahres, nachdem sie fünf Titel holte. Zwischenzeitlich spielte die Südkoreanerin 14 Runden in Folge unter 70 Schlägen. Damit teilte sie den LPGA-Rekord – 2005 von Annika Sörenstam aufgestellt. Zudem traf sie zum Ende der Saison 63 Grüns in Serie. Zur Einordnung: Auf der PGA Tour lag der beste Wert 2021 bei 35 getroffenen Grüns in Folge (Steve Stricker).

Rookie Henseleit

Nachdem 2020 wegen der von Corona gebeutelten Saison kein Rookie of the Year auf der LPGA Tour gekürt wurde, nahmen alle Neulinge ihren Status ins neue Jahr mit. Damit teete unter anderem auch Esther Henseleit 2021 offiziell noch als Rookie auf. Und die Gewinnerin der europäischen Order of Merit 2019 legte eine äußerst starke Rookie-Saison hin. Bei insgesamt 19 Events erspielte sich Henseleit 505 Punkte für die Rookie-of-the-Year-Wertung, die sie folglich auf dem fünften Rang abschloss.

Preisgeldkönig

13 Top-Ten-Ergebnisse inklusive zwei Siege und vier zweite Plätze. Mit 758.220 US-Dollar verdiente in der Saison 2020-21 niemand so viel Preisgeld auf der Korn Ferry Tour wie Stephan Jäger. Der Gewinner der Saisonwertung verdiente sich dank eines starken Jahres die volle PGA-Tourkarte und rückte in der ewigen Geldrangliste der Korn Ferry Tour in die Top Ten vor.

Vielspielerin und Birdie-Maschine

Isi Gabsa war als 14. der Gesamtwertung 2021 die beste Deutsche auf der Symetra Tour und verdiente sich zwei Spitznamen: Vielspielerin und Birdie-Maschine. Mit insgesamt 61 gespielten Runden war keine der Damen fleißiger als die 26-Jährige. Zudem notierte Gabsa 230 Birdies – nur zwei Spielerinnen kamen auf mehr Unterspielungen. Belohnen konnte sie sich am Ende des Jahres selbst, indem sie sich über die LPGA Q-Series eine Tourkarte für die LPGA Tour sicherte.

Matti Schmid ist inzwischen fester Bestandteil der DP World Tour. © golfsupport.nl/Carl Fourie

Matti Schmid ist inzwischen fester Bestandteil der DP World Tour. © golfsupport.nl/Carl Fourie

Deutscher Silberjunge

Bei der Open Championship in Royal St. George’s wurde deutsche Golfgeschichte geschrieben. Mit Matti Schmid gewann erstmals ein Deutscher die Silver Medal bei dem ältesten Major der Welt. Diese wird traditionsgemäß an den besten Amateur bei der „British Open“ verliehen. Schmid teilte mit einer 65 in Runde zwei unter anderem die niedrigste je von einem Amateur bei einer Open erzielte Runde. Zudem wurde Schmid, der sich im weiteren Verlauf der Saison die DP-World-Tourkarte sicherte, zum Sir Henry Cotton Rookie of the Year ausgezeichnet. Damit war er nach Martin Kaymer der zweite Deutsche, der diese Auszeichnung erhielt.

Kaymers Eisenspiel

Das Race to Dubai beendete Martin Kaymer auf dem 49. Rang. In einem Bereich des Spiels zählte er jedoch 2021 zu den besten Spielern auf der DP World Tour. Bei den Annäherungen machte er über das gesamte Jahr durchschnittlich 0,9 Schläge pro Runde auf den Rest des Feldes gut. Nur vier Spieler waren in dieser Statistik besser. In der Kategorie „Strokes Gained: Approach“ werden alle Annäherungen und ihre jeweiligen Entfernungen zum Loch kumuliert. Das Eisenspiel gehört schon länger zu den Stärken des zweimaligen Major-Siegers. 2020 belegte Kaymer in derselben Statistik gar den zweiten Rang mit +1,43 Schlägen pro Runde.

Die 15-jährige Noja

2020 spielte Chiara Noja bereits als 14-Jährige bei der Omega Dubai Desert Classic mit. Ein Jahr später gab sie nun in derselben Stadt ihr Debüt als Proette – im Alter von 15 Jahren. Noja wohnt inzwischen mit ihren Eltern in Dubai und hatte es daher nicht weit zum Emirates Golf Club. Nach ihrem Profi-Debüt spielte sie zwei weitere LET-Events. Ihr bestes Ergebnis war ein geteilter 26. Rang bei der Aramco Team Series in Jeddah.

Olivia Cowan beendete die LET Order of Merit 2021 auf dem fünften Rang. © golfsupport.nl/Bert van der Toorn

Olivia Cowan beendete die LET Order of Merit 2021 auf dem fünften Rang. © golfsupport.nl/Bert van der Toorn

Präzise Cowan

Wer die Order of Merit auf der Ladies European Tour auf dem fünften Rang beendet, muss überdurchschnittlich gut gespielt haben. Und so lohnt sich auch ein Blick auf Olivia Cowans Statistiken des Jahres: Die Gesamtfünfte aus 2021 traf drei Viertel der Fairways, wies eine „Sand-Save-Quote“ von 72,92 Prozent auf und lag auf knapp 80 Prozent der Löcher regulär auf dem Grün (drittbeste Spielerin des Jahres). Am Ende standen 183 Birdies bei 54 gespielten Löchern in ihrer Bilanz (Siebte). Alles Zahlen, mit denen sie sich fast schon folgerichtig über die LPGA Q-Series für die LPGA Tour qualifizierte.

Deutschland vorne

So gut wie 2021 schnitten die deutschen Profis noch nie auf der Challenge Tour ab. Gleich vier Deutsche qualifizierten sich für das Saisonfinale auf Mallorca. Alle vier beendeten die Saisonwertung unter den Top 20. Bester Deutscher war Yannik Paul auf Rang neun. Marcel Schneider wurde Elfter, Marcel Siem 15. und Hurly Long schnappte sich als 17. ebenfalls eine DP-World-Tourkarte. Damit war Deutschland die mit Abstand stärkste Nation auf der Challenge Tour.

Der ewige Bernhard

Was Mickelson auf der Major-Bühne gelang, schaffte Bernhard Langer auf der PGA Tour Champions. Der Deutsche knackte einen neuen Altersrekord und gewann als ältester Spieler jemals ein Event auf der US-amerikanischen Seniorentour. Im Alter von 64 Jahren triumphierte der Hall of Famer bei der Dominion Energy Charity Classic im Oktober und sicherte sich damit seinen 42. Titel auf der PGA Tour Champions. Wenig später stand Langer zum sechsten Mal in seiner Karriere als Gewinner des Charles Schwab Cup fest.