LET

Monke, Masson & Co.: Deutsche Triumphe auf der Ladies European Tour


30. Oktober 2021 ,


Kennt sich auf den Touren in Europa und den USA aus – Caroline Masson, 32.
Kennt sich auf den Touren in Europa und den USA aus – Caroline Masson, 32. | © golfsupport.nl/Ken Murray/ism

Wussten Sie, dass die erste Deutsche bereits 1983 einen Titel auf der Ladies European Tour gewann? Wir präsentieren Ihnen eine Liste aller deutschen Champions auf der europäischen Damentour.

Die Anfänge des professionellen Damengolfs liegen im Jahr 1950 – damals wurde in den Vereinigten Staaten die LPGA Tour (Ladies Professional Golf Association) gegründet. 28 Jahre später nahm dann die Entstehung einer europäischen Damentour Fahrt auf. Die PGA (Professional Golfers‘ Association) in Großbritannien und Irland gründete die sogenannte Women’s Professional Golfers‘ Association (WPGA). Diese hatte zunächst viele Jahre mit Finanzierungsproblemen und fehlenden Sponsoren zu kämpfen – Anfang der 80er-Jahre stand sie deshalb vor dem Aus. 1988 entstand zunächst eine unabhängige Firma unter dem Namen Women Professional Golfers' European Tour und erst im Jahr 2000 wurde der Name der heute lange etablierten Ladies European Tour (LET) kreiert – seitdem hat sie einen festen Platz in der Golfwelt. 

18 deutsche Erfolge auf der LET – ein Überblick 

Eine Konstante auf der Ladies European Tour sind Erfolge deutscher Spielerinnen. Ob Barbara Helbig, die 1983 als erste Deutsche ein Turnier der Serie gewann, oder Esther Henseleit, die 2019 als erste Deutsche die Order of Merit für sich entschie – die Liste ist lang:

Anmerkung: Die folgende Auflistung berücksichtigt nicht die Team-Erfolge der Deutschen Sarina Schmidt, Olivia Cowan (2021 ATS London Team Event) sowie Karolin Lampert (2021 ATS – New York Team), da diese Siege auf der offiziellen Website der Ladies European Tour nicht als solche deklariert sind. Erwähnen wollten wir sie dennoch.

Die ersten deutschen Erfolge – Helbig, Koch & Fischer
 

Barbara Helbig 

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 1983 Ford Ladies Classic

Im Jahr 1983 wurde im Woburn GCC deutsche Golfgeschichte geschrieben. Erstmals gewann mit Barbara Helbig eine deutsche Spielerin auf der Ladies European Tour – damals noch Women Professional Golfers' European Tour. Die Ford Ladies Classic war das erste Turnier der neuen Saison – es wird der gebürtigen Dortmunderin für immer in Erinnerung bleiben. Zwei Jahre hätte sie fast einen zweiten LET-Titel gewonnen. Bei der Ladies German Open im Braunfels Castle Golf Club hatte die viermalige deutsche Meisterin der Amateure und Profis erst im Stechen das Nachsehen. Nach ihrer aktiven Tourkarriere blieb Helbig dem Deutschen Golf Verband als Nationaltrainerin erhalten. 


Martina Koch

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 1996 Glashütte Ladies‘ Austrian Open

Nach einer erfolgreichen Zeit an der University of Arizona sowie zwei Triumphen bei Europameisterschaften als Amateurin, reichte es für Koch immerhin zu einem Titelgewinn auf der Ladies European Tour. Ende der 90er-Jahre gewann sie die Glashütte Ladies‘ Austrian Open und war damit erst die zweite deutsche Siegerin auf der LET. Im gleichen Jahr wurde sie 25. der Order of Merit – ihre persönliche Bestleistung.


Tina Fischer

Titel: 2
Debüt-Erfolg: 1996 McDonald’s WPGA Championship of Europe
Letzter Sieg: 2000 Dutch Ladies Open

Das Jahr 1996 war ein erfolgreiches Jahr für das deutsche Damengolf. Neben Koch feierte auch Tina Fischer ihr Titeldebüt auf der Ladies European Tour. Bei der McDonald’s WPGA Championship of Europe setzte sich die Bad Nauheimerin hauchdünn mit einem Schlag Vorsprung auf ein Verfolgerquartett durch. Erst im Jahr zuvor war sie ins Profilager gewechselt. Nach drei titellosen Spielzeiten folgte Sieg Nummer zwei bei der Dutch Ladies Open im Jahr 2000. Fischer wurde die erste deutsche Spielerin, die mehr als einen Erfolg auf der LET feierte. 

Erfolgreiche 2000er – Esterl, Ebert, Hauert & Monke


Elisabeth Esterl

Titel: 2
Debüt-Erfolg: 2003 Tenerife Ladies Open
Letzter Sieg: 2004 KLM Ladies Open

Im Mai des Jahres 2003 gewann Esterl mit einem Schlag Vorsprung die Tenerife Ladies Open und feierte im Golf Las Américas ihren Durchbruch. Schon in den Jahren vor ihrem Debütsieg erreichte die gebürtige Dingolfingerin mehrere Top-Platzierungen – darunter auch drei zweite Plätze. Ihren ersten Profititel holte sie bereits 2000 beim Lalla Meryem Cup, der aber damals noch nicht von der LET co-sanktioniert wurde. Das Jahr 2003 sollte ihre erfolgreichste Saison bleiben. Sie wurde Zweite der LET Order of Merit und spielte als erste Deutsche beim Solheim Cup mit. 
 

Durchbruch auf den Kanarischen Inseln: 2003 gewann Elisabeth Esterl auf Teneriffa ihren ersten LET-Titel.

Durchbruch auf den Kanarischen Inseln: 2003 gewann Elisabeth Esterl auf Teneriffa ihren ersten LET-Titel.


Martina Eberl

Titel: 3
Debüt-Erfolg 2007 Madrid Ladies Masters
Letzter Sieg: 2008 BMW Ladies Italian Open

Neun Jahre lang war Martina Eberl auf der Ladies European Tour unterwegs. Auf ihrer Webseite blickt sie auf eine Zeit mit „Höhen und Tiefen“ zurück, verbunden mit „einer Menge Heimweh, aber auch extremen Glücksgefühlen“. Ihre erfolgreichste Karrierephase erlebte die Münchnerin ab Oktober 2007, als sie innerhalb von zwölf Monaten drei Turniere gewann – darunter das Madrid Ladies Masters, das mit 100.000 Euro Preisgeld belohnt wurde. Bis heute konnte keine deutsche Spielerin mehr Titel auf der LET gewinnen als Eberl.
 

Keine deutsche Golferin gewann mehr LET-Titel als Martina Eberl.

Keine deutsche Golferin gewann mehr LET-Titel als Martina Eberl.


Bettina Hauert

Titel: 2
Debüt-Erfolg: 2007 Deutsche Bank Ladies Swiss Open
Letzter Sieg: 2007 Finnair Masters

Nach Elisabeth Esterl war Bettina Hauert die zweite Deutsche, die sich für den Solheim Cup qualifizierte. Diesem Highlight war eine Saison vorausgegangen, in der die ehemalige Amateurin vom GC Bergisch Land zwei Titel auf der Ladies European Tour gewann, Zweite in der Order of Merit wurde und anschließend sogar die Auszeichnung „Player of the Year“ überreicht bekam. Sie ist die einzige Deutsche, der diese Ehrung jemals zuteil wurde. Hauerts Profikarriere begann 2003 mit einem Coup, als sie die Qualifying School der Ladies European Tour gewann.  
 

Bettina Hauert war nicht nur erfolgreich auf der LET-Tour - sie spielte auch im Solheim Cup.

Bettina Hauert war nicht nur erfolgreich auf der LET-Tour - sie spielte auch im Solheim Cup.


Anja Monke

Titel: 3
Debüt-Erfolg: 2008 Vediorbis Open de France Dames
Letzter Sieg: 2010 Lalla Meryem Cup

In der Qualifying School erlebte eine weitere DGV-Spielerin große Momente. Neben Bettina Hauert qualifizierte sich in diesem Jahr auch Anja Monke für die Ladies European Tour. Die Hannoveranerin heimste sogar drei Titel in Liga eins ein. Ihren finalen Durchbruch feierte 2008, als sie mit der Vediorbis Open de France Dames und dem Dubai Ladies Masters zwei Saisonsiege holte. Kurioserweise wäre sie bei dem Event in Frankreich am liebsten schon nach zwei Runden abgereist, nachdem sie am zweiten Tag eine 78 unterschrieb. „Da habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt weiterspielen soll. Zumal in Hannover am nächsten Tag 96 gegen Bayern spielte und ich gerne dabei gewesen wäre“, so Bayern-Fan Monke. Am Ende entschied sie sich glücklicherweise gegen Fußball und für ihren eigenen Sport –  ansonsten hätte sie ihren lang ersehnten ersten Tour-Titel verpasst.

In den Jahren zuvor war sie schon zwei Mal für Deutschland im World Cup im Einsatz und 2010 durfte Monke nochmals jubeln, als sie als zweite Deutsche der Geschichte den Lalla Meryem Cup gewann. Zwischenzeitlich versuchte sie ihr Glück auch auf der LPGA Tour. Ihre einzigen Titel feierte sie jedoch auf europäischer Ebene.
 

Anja Monke spielte kurzzeitig auch auf der LPGA Tour. In Europa war sie jedoch erfolgreicher.

Anja Monke spielte kurzzeitig auch auf der LPGA Tour. In Europa war sie jedoch erfolgreicher.

Von Masson über Henseleit bis Popov


Caroline Masson

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2012 South African Women’s Open

Schon früh war klar, dass mit Caroline Masson eine neue deutsche Titelanwärterin auf die Ladies European Tour rückte. Die Gladbeckerin gewann die Final Qualifying School 2009 und wechselte umgehend ins Profilager. In ihrer Rookie-Saison glänzte sie mit vier Top-Ten-Ergebnissen, schnupperte ein Jahr später bei der Women’s British Open sogar am Major-Sieg. Masson führte nach der zweiten sowie dritten Runde, wurde am Ende jedoch „nur“ geteilte Fünfte. Ihr bestes Jahr auf der Ladies European Tour erlebte sie 2012, als sie drei Mal Zweite wurde und mit der South African Women’s Open ihren ersten Profititel feierte. Zudem wurde sie Zweite der Geldrangliste. Ein Jahr später wechselte sie auf die LPGA Tour, gab ihr Solheim-Cup-Debüt und sollte für lange Zeit zu den konstanten deutschen Größen im Damengolf zählen. Inzwischen stehen vier Teilnahmen beim Solheim Cup sowie ein Titel auf der LPGA Tour in ihrer Vita. Massons bestes Major-Ergebnis war ein geteilter dritter Rang bei der Women’s British Open 2017.
 

Bis zur ihrem Wechsel auf die LPGA Tour 2013 spielte Caroline Masson in Europa – und gewann dort einen Titel.

Bis zur ihrem Wechsel auf die LPGA Tour 2013 spielte Caroline Masson in Europa – und gewann dort einen Titel.


Ann-Kathrin Lindner

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2013 Honma Pilsen Golf Masters

„Anka“ Lindner erwischte einen vielversprechenden Start in ihre Profikarriere. Bei ihrem erst siebten Turnier ihrer Rookie-Saison gelang ihr bereits der Sieg in Tschechien. Im Folgejahr legte die Hannoveranerin etliche Top-Ten-Ergebnisse nach, als sie 2016 jedoch einen Kreuzbandriss erlitt, konnte sie anschließend nicht mehr an ihr Leistungsniveau aus 2013 anknüpfen. 2017 beendete sie ihre aktive Tour-Karriere.
 

Esther Henseleit

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2019 Magical Kenya Ladies Open

2019 schrieb Esther Henseleit deutsche Golfgeschichte. Die Oldenburgerin gewann als erste DGV-Spielerin die Order of Merit auf der Ladies European Tour – in ihrer ersten Saison als Proette! Nach ihrem Sieg bei der Skaftö Open, einem Event der LET Access Series, überzeugte Henseleit mehrfach mit zweiten Rängen auf der großen Bühne, ehe ihr im Dezember der Erfolg bei der Magical Kenya Ladies Open gelang. Ein fantastisches Jahr für die damals erst 20-Jährige, die nicht nur die Gesamtwertung der LET gewann, sondern auch Rookie des Jahres wurde. Dies schafften erst zwei Spielerinnen vor ihr – Laura Davies und Carlota Ciganda. Seit 2020 spielt Henseleit überwiegend auf der LPGA Tour.
 

2019 war das Jahr von Esther Henseleit – in ihrer ersten Profi-Saison gewann sie direkt die Order of Merit auf der LET-Tour.

2019 war das Jahr von Esther Henseleit – in ihrer ersten Profi-Saison gewann sie direkt die Order of Merit auf der LET-Tour.


Der große Coup von Sophia Popov
 

Sophia Popov

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2020 AIG Women’s Open

Noch eine Spielerin, die Golfgeschichte schrieb. Sophia Popov sorgte bei der Women’s British Open 2020 für einen der denkwürdigsten Triumphe – als Nummer 304 der Weltrangliste und als erste Deutsche Spielerin überhaupt triumphierte sie bei einem Major-Event. Nur aufgrund eines guten Resultats bei einem LPGA-Tour-Event im Vorfeld war sie überhaupt in das Starterinnenfeld gerutscht. In Royal Troon erwischte Popov die Woche ihres Lebens, das sich nach ihrem Traumlauf vollkommen veränderte. „Es ist schwierig, diesen Moment auf mein Leben zu projizieren, es sind auch andere großartige Dinge in meinem Leben passiert. Aber es war ein Moment für mich, der mein Leben verändert hat, hinsichtlich meines Traumjobs, den ich ausüben kann.“

Offiziell ist Popov, die sowohl eine deutsche als auch eine US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, kein Mitglied der LET. Als Major zählen die Women’s British Open jedoch sowohl zur LPGA als auch zur Ladies European Tour. So gesehen hat sie also auch einen Titel auf dieser Tour errungen.
 

Glücksmoment: Sophia Popovs Triumph bei der Women’s British Open 2020 war der größte Erfolg in der Geschichte des deutschen Damengolfs.

Glücksmoment: Sophia Popovs Triumph bei der Women’s British Open 2020 war der größte Erfolg in der Geschichte des deutschen Damengolfs.