Golfmuseum

In Regensburg liegt der älteste Golfball der Welt


13. November 2021 , Thomas Kirmaier


Beeindruckendes Antikhaus: Das Regensburger Golfmuseum stellt Exponate aus sechs Jahrhunderten aus.
Beeindruckendes Antikhaus: Das Regensburger Golfmuseum stellt Exponate aus sechs Jahrhunderten aus. | © Archiv/Kirmaier

Peter Insams Golfmuseum in Regensburg begeistert mit teils sensationellen Exponaten aus sechs Jahrhunderten und macht Golfgeschichte lebendig.

Wer den Zauber der Sixtinischen Kapelle in Rom erleben oder die Wucht des Tower of London bestaunen will, der muss reisen. So richtig fühlen kann man solch historische Sehenswürdigkeiten nur, wenn man sie besucht, vor Ort ist, die Kultstätten mit allen Sinnen sieht, riecht, hört. Das kann das Internet nicht leisten. Ähnlich ist es mit dem Haus in der Tändlergasse 3 in Regensburg. Dort, in beeindruckenden Gemäuern eines denkmalgeschützten Patrizierhauses, betreibt Peter Insam ein Antikhaus. Der größte Schatz – zumindest aus Sicht eines Golfers – schlummert eine Etage tiefer. In den Kellergewölben, keinen Pitch vom Dom entfernt, betreibt der 73-Jährige sein Golfmuseum. In diesem wird Golfgeschichte lebendig.
 

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Schweres Gerät! Der erste Golfschläger der Welt hatte einen Kopf aus Blei und Zinn. | © Archiv/Kirmaier
Viel zum Staunen: Im Regensburger Golfmuseum begeben Sie sich auf eine Zeitreise.
| © Archiv/Kirmaier
Völlig Banane? Sonderhafte Putter gibt es viele – dieses Stück ist sicher ganz speziell...
| © Archiv/Kirmaier
Historische Bälle im Golfmuseum Regensburg... | © Archiv/Kirmaier
So ganz anders als heute: Können Sie sich vorstellen mit einem dieser Bags auf Ihre nächste Runde zu gehen? | © Archiv/Kirmaier
Der Golfball des 1920 amtierenden Königs George V.
| © Archiv/Kirmaier
Links die Original-Scorekarte des Prinzen von Wales, George VI., dem späteren König, der 1922 in St. Andrews 119 Schläge brauchte. Rechts die Menükarte für seine Speisen nach der Runde... | © Archiv/Kirmaier
Über Geschmack lässt sich streiten. Sicher ist: Dieser Bezug hat Seltenheitswert! | © Archiv/Kirmaier
Jede Menge kleine und größere Fundstücke mit Sammlerwert. | © Archiv/Kirmaier
Peter Insam ist der Herr des Golfmuseums – alles begann, als er im Alter von 15 Jahren einen Putter geschenkt bekam.
| © Archiv/Kirmaier

Alles begann mit einem Putter...

Peter Insam war gerade einmal 15 Jahre alt, als ihm ein Freund einen Putter schenkte. So nahm seine Leidenschaft für den Sport mit dem kleinen, weißen Ball ihren Anfang. „Ich bin der erste Golfhistoriker überhaupt, der in der Lage ist, den Beginn des Golfsports zu definieren“, erklärt er. Was die Wenigsten wüssten: Die Wiege des Golfsports sei eben nicht Schottland. Schon im 12. und 13. Jahrhundert frönten Menschen in den Niederlanden einer Freizeitbeschäftigung, die sich „Colf“ nannte. Eine Betätigung, die überwiegend auf Eis stattfand und bei der man einen Ball mit einem Schläger auf einen eingefrorenen Pfahl pitchte oder in eingefrorene Boote chippte. „Damals war das eher ein Kurzspiel auf Eis. Manche trugen sogar Kufen an den Füßen“, erzählt Insam.

Der älteste Golfschläger aus Blei und Zinn

Warum spielte man nicht auf Wiesen? Ganz einfach: Die fruchtbaren Flächen waren in der Phase der kleinen Eiszeit (ca. 1303 bis 1860) der Landwirtschaft vorbehalten. Kann er das alles belegen? Ja, kann er. Mit zahlreichen Gemälden, Fundstücken oder eben dem ersten Golf-Equipment der Menschheitsgeschichte. Im Golfmuseum Regensburg ist der älteste Golfball der Welt ausgestellt. Eine selbstgefertigte Kugel aus Eschenholz, die von Archäologen aus dem Lehmboden gegraben wurde. Ebenso der älteste Golfschläger – aus dem 15. Jahrhundert! Der Kopf aus Blei und Zinn.

55 Jahre des Sammelns

Gefundene Kacheln, Kupferstiche sowie Gemälde beispielsweise des niederländischen Malers Hendrick Averkamp (1585 bis 1634) zeigen Menschen, die in den Niederlanden bereits eben jenes „Colf“ spielten. In diesen Teilen Europas war die Landschaftsmalerei längst etabliert, weswegen vor allem Bilder Zeitzeugnisse des frühen Golfsports sind. Woher hat Insam all diese Sachen? „Ich bin seit meiner frühen Studienzeit schon immer den Angelsachsen auf der Spur, bin viel herumgekommen und habe immer wieder Fundstücke entdeckt und teils erworben.“ Grundlage für seine Expertise ist vor allem seine Fächerkombination. Insam studierte Anglistik, Geografie und Kunstgeschichte an den Universitäten München, Regensburg und Providence/USA. Ein über die Jahre wachsendes Netzwerk in Amerika, Großbritannien und überall sonst im englischsprachigen Raum hatte ihm in 55 Jahren des Sammelns das eine oder andere Ausstellungsstück beschert.

Viel zum Staunen: Im Regensburger Golfmuseum begeben Sie sich auf eine Zeitreise.

Viel zum Staunen: Im Regensburger Golfmuseum begeben Sie sich auf eine Zeitreise.

1.500 Exponate auf 150 Quadratmetern

Auf rund 150 Quadratmetern sind inzwischen rund 1.500 Exponate zusammengekommen. Tafelsilber, Möbelstücke, handsignierte Reliquien britischer Monarchen oder von US-General Eisenhower. Zum Beispiel die Original-Scorekarte des Prinzen von Wales, George VI., dem späteren König, der 1922 in St. Andrews 119 Schläge brauchte. Oder der Golfball des 1920 amtierenden Königs George V. Jedes erzählt seine eigene Geschichte – und sorgt nicht nur bei Golfern für einen Wow-Effekt. Peter Insam: „Ich erinnere mich noch an eine Besucherin aus England, die auf einem Time Sheet von 1910 den Namen ihres golfenden Großvaters entdeckte. Das war ein sehr emotionaler Moment.“

Von der Geschichte des Golfballs bis zum ältesten Film

Von der Geschichte des Golfballs (erst „Feathery“ aus drei Lederscheiben, dann handrolled, smooth Balls aus dem Guttaperchabaum, später die ersten Mesh-Pattern, aus denen die ersten Dimples entstanden sind) bis zum ältesten Golffilm der Geschichte, der Harry Vardon vermutlich bei einer Open Championship zeigt – in diesem Museum gibt es Golfgeschichte hautnah. Sogar die Emanzipation der Frauen im Golfsport ist auf zahlreichen Gemälden dokumentiert.

Völlig Banane? Sonderhafte Putter gibt es viele – dieses Stück ist sicher ganz speziell...

Völlig Banane? Sonderhafte Putter gibt es viele – dieses Stück ist sicher ganz speziell...

Ein Putterkopf in Bananenform

Dazu finden Besucher in den Regensburger Räumlichkeiten allerlei Kurioses: Zum Beispiel einen Putterkopf in Bananenform oder einen von Tiger Woods signierten Ball sowie Handschuh. Insam: „Den habe ich von einem Sammler in Birmingham.“ Dazu zahlreiche antike Golfschläger. Eisen und Hölzer, die man zum Teil auch kaufen kann. „Man muss schon etwas verrückt sein, so etwas hier zu betreiben und zu pflegen“, sagt Peter Insam, dessen Ehefrau und Kinder ebenfalls im Familienbetrieb mithelfen.

Golfhistorie zum Sehen und Fühlen

Ohne den Gründer und seine Passion für Golf und seine Geschichten wären zahlreiche Zeugnisse wohl überhaupt nicht in Deutschland. Klar, über das Golfmuseum Regensburg kann man sich auch im Netz informieren. Wer Golfhistorie aber wirklich fühlen, sehen und riechen will, der muss das Museum in der Tändlergasse 3 in Regensburg persönlich besuchen. Da ist es wie mit der Sixtinischen Kapelle oder dem Tower of London.

Das Golfmuseum in der Tändlergasse 3 in Regensburg ist von Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 7,50 Euro (ermäßigt 5 Euro). Einplanen sollte man rund zwei Stunden. Mehr unter www.golfmuseum.de.